148
Landkarten.
Plane des Schulzimmers wird zuerst der verjüngte Maßstab und die verticaleAnsicht gelehrt, an den Plänen der Umgebung des Schulgebäudes, des Schnl-ortes, endlich eines Stück Landes in fortschreitend kleinerem Maße, die Folgen derwachsenden Verkleinerung des Maßes, die sich vermehrende Unausdrückbarkeit der Ge-genstände, und die nothwendige Setzung von Zeichen für die Sache. Ist aber dieKarte ans solche Art von der Jugend wohlbegriffen und ihre Zeichensprache cingeprägtworden, so wird der Anfänger befähigt sein (vielleicht schon ohne mühsame Leitung)von der Karte der Heimat und des engeren Vaterlandes einen ersprießlichen Ge-brauch zu machen, indem er angehalten wird, von derselben alles abzulesen, wor-über sic auf irgend eine Frage die Antwort enthält. Ist dieses Ziel einmal bei einerKarte erreicht, so unterliegt es keinem Anstande, daß die Schüler die gesammte to-pische Geographie in der Schule selbst machen und ihr Lehrbuch nur zur häuslichenRepetition brauchen. Allgemeine Beispiele sind hier von viel geringerer Wirkungals örtliche. Deshalb wird (oder sollte) jeder Lehrer trachten, für diese Partieseines Unterrichtes sich das Material selbst zu schaffen, was (vielleicht mit Ausnahmedes Schulhansplanes) in Kulturländern, wo es Katastralpläuc und Landesaufnahmengiebt, nicht mit übergroßen Schwierigkeiten verknüpft sein wird. Der Katastralplanliefert den Schnlort, die pnblicirte topographische Landeskarte die heimatliche Umge-bung (den Hcimatsbezirk), die je nach Umständen zu vergrößern sein wird. Endlichvermittelt eine passende Wandkarte des Vaterlandes die letzte Stufe kartogra-phischer Elementarkenntnis.
Wandkarten zur Vaterlandskundc sollte es daher so viele geben, als esStaaten, Provinzen, Kronländcr giebt, sie sind jedoch keineswegs reichlich vorhandenund oft, wenn sic auch sporadisch bestehen, nicht selten verfehlt in der Anlage und un-zweckmäßig ansgeführt. So z. B. finden wir auch in diesem Zweige Holle, dessenWandkarten bezüglich des Terrains desto weniger znfriedenstellen, je größer der Maß-stab wird, je weniger die Uudulation des Bodens einen großartigen Charakter entwickelt(z. B. im Innern Böhmens) und je unvollkommener die Materialien sind, nach denender Zeichner arbeitete. Eine Aufzählung oder gar Kritik aller Wandkarten, die fürkleinere Länder oder größere Provinzen bestehen, würde viel zu weit führen; es mögegenügen, wenn eine Karte erwähnt wird, welche in Anlage und Ausführung einMuster ist, und allen zeichnenden Geographen für ähnliche Arbeiten als Ideal vor-schweben sollte, das sie zu erreichen oder zu übertreffcu hätten. Es ist die Wandkarteder Schweiz von I. M. Ziegler (Winterthur 1859?, 8 Blätter). Sie erfüllt alleAnforderungen, die man an eine Wandkarte überhaupt und an eine Wandkarte derSchweiz insbesondere stellen kann, indem sie in Beziehung auf Sichtbarkeit, Deutlich-keit, topographisches Detail, Straßen- und Flußnetz, insbesondere aber durch die treue,verständliche und plastisch wirkende Gebirgszeichnnng sich auszeichnet. In Ueberein-stimmnng mit ihr stehen Cantonskarten zum Schul- und Handgebrauch (einstweilenZürich), die sich zu ihr wie Heimatskarten verhalten und ein sehr klares Bild desBodencharakters gewähren. — Noch viele Länder entbehren überhaupt einer passendenSchulwandkarte, so z. B. ist unter den österreichischen Kronländcrn nur Sieben-bürgen durch Obert mit einer dem Schulzweck zusagenden Karte (Gotha 1861)bedacht worden, in allen übrigen haben selbst Aufforderungen und Commissionen keinResultat erzielt. Zieglers Wandkarte der Schweiz ist aber nicht bloß als Baterlands-karte anzusehen; bei der Wichtigkeit, die dieses Gebirgsland als Culminationsregionder Alpen in sich trägt, wird sie in jeder Schule, wo Erdbeschreibung auf einer höherenStufe vorgetragen wird, die trefflichsten Dienste Kisten können.
0. Reliefkarten.
Bereits im Eingänge ist Lei Gelegenheit der Erwähnung des Wechsels der Grund-sätze bei der Zeichnung der Unebenheiten der Erdoberfläche das Nöthige über den Nutzender Reliefs vorgebracht worden, über ihre Verständlichkeit und über den Mißbrauch unddie Schädlichkeit derselben durch Substituirung von Zeichen für die Sache, wenn bei