Landkarten.
143
steht*). Die Zahl der Schulatlanten, die nur mehr oder weniger gute oder schlechteReductiouen anderer Karten enthalten nnd mehr Fabrikarbeiten als geistige Prodnctionensind, ist sehr groß; zuweilen verdeckt ein Grad äußerer Eleganz den inhaltsmagcrn Kern,aber manchmal widert das Schlechte in schroffer Nacktheit an. Es würde jedoch unge-recht sein, einiger von der Heerstraße abweichender Atlanten nicht zu gedenken, derenNennung bis hieher aufgespart wurde, weil sie sich durch die Verbindung mit nichtkartographischen Elementen zu einer eigenen Abart gestalten. Man kann ihnen denCollectivnamen illnstrirte Atlanten geben. Zn dieser Elaste gehören: C. VogelsAtlas mit Nandzcichnnngen (Leipzig 1837, 1855, 1862), dessen ziemlich mittelmäßigeKarten vergeblich durch Delitsch neuerlich in brauchbare Schichtenkarten zu verwandelnversucht wurden; Schade's (mit Leeder und Lentemann) in der Herausgabebegriffener illnstrirtcr Atlas (Leipzig 1859), bei dem die Karten den ausgezeichnetenRandbildern an innerer Güte nachstehen; endlich Renschle's illnstrirte Geographiemit in den Text eingedruckten Holzschnittkarten nnd Xylographien, ein Band in kleinFolio, der Form nach dem Kystoms ok OooArapü^ kor tllo nss ob solloolsno^ L. Llorso (Hsrv-Oorll 1844) nachgebildet, aber dem Originale an Harmonie desGanzen nicht gleich kommend. Man hat Unrecht gethan, die Illustrationen ganz zuverdammen, sie enthalten sehr viel nützlichen Anschauungs-Lehrstoff, den Text und Kartenicht gewahren können, nur dürfen sie nicht zur Hauptsache werden nnd Text nndKarte ins Schlepptau nehmen.
Jene Ausartungen von geographischen Lehrmitteln, welche bis zur Spielereiherabsinken, mögen hier übergangen werden, wenn auch der Grundgedanke in einer Hin-sicht zu billigen wäre. Unter diese Rubrik gehören z. B. die zerschnittenen Karten,durch deren Zusammensetzung der kleine Knabe schon Lage und Form der Länder sicheinprägen soll. Eine Reihe solcher Karten hat James Wyld in London veröffentlicht,wo die ans Holz aufgezogenen Karten nach den Grenzen zerschnitten sind. Es giebtjedoch solche Spielwerke mit willkührlicher Zerschneidung, die gar keine Beachtungverdienen.
0. Hülfsmittel zum Landkartenzeichnen. Das Landkartenzeichnenist schon lange als ein vorzügliches Beförderungsmittel der Kartenmcmorirnng gepriesenund empfohlen worden, ja es haben sogar Männer von Geist und Erfahrung, z. B.Agren, Holl u. a. ihr Lehrsystem auf das Kartenzeichnen gegründet; fast in allenInstructionen für Lehrer der Erdbeschreibung fordert ein Paragraph diese Uebung;es bestehen Hülfsmittel aller Art und doch liegt diese Angelegenheit oft noch im Argenin den Schulen. Indem bezüglich der Grundsätze ans den Artikel „Geographie" ver-wiesen wird, mag hier die Aufzählung jener Arten von Hülfsmitteln folgen, welche zuSchul- und Hausübnngen im Laufe der Zeit in Gebrauch gekommen sind. Hat mandabei den Stufengang im Auge, nnd schließt man das bloße Einträgen besondererDaten in fertige Karten ans, so lassen sich folgende Elasten anfstellcn:
a) Karten mit theil weise ausgeführtcn Elementen, wo der Schüler nur dasFehlende zu ergänzen hat. Bon dieser Art sind: I. M. Zieglers geogr. Kartennetzemit ausgcführtcm Gebirge (Winterthur 1857) und mit stellenweisen Andeutungen derNußläufe; v. Sydows orographischer Atlas (Gotha 1856), dessen hydrographischerAtlas (Gotha 1855); die Flnßnctzkartcn von Ravenstein (Frankfurt 1836); Plotho(Bcrkn 1844) u. dgl. m. Es ist nicht gleichgültig, welche Aufgabe zuerst in Anwendungkommen soll, nnd im allgemeinen anzunehmen, daß die Einzeichnung der Uneben-heiten, sei es mit Schraffen, dem Wischer oder Tuschpinsel, als die schwierigste,
*) Es ist leicht möglich, daß es noch mehrere brauchbare Atlanten geben mag, deren Er-wähnung hier andern gegenüber am Platze gewesen wäre, jedoch glaubte der Verfasser des Ar-tikels beim Mangel autoptischer Kenntnis der Anführungen von Namen oder Titeln sich enthaltenzu müssen.