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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Landexamen.

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gekommen, daß die sogenannten Realien *) bis auf die genannte Zeit und noch geraumeZeit nachher in den lateinischen Schulen gar wenig Berücksichtigung fanden. Man be-durfte ihrer nicht zum Laudexamcu. Man sieht, die ganze Aufmerksamkeit, welche dieleitende Schulbehörde dem latein. Schulwesen schenkte, sammelte sich um das Landexamen.Es war die bewegende Kraft der lateinischen Schulen. Je mehrere Räder hier inGang gesetzt wurden, desto bewegter wurde es in den Lateinschulen. Stauden einzelneRäder dort still, flugs stellten auch die entsprechenden Rädchen in den Schulen ihreRotationen ein, ohne daß es noch besonderer Manipulationen dazu bedurft hätte. Esbegreift sich dies in einer Zeit und in einem Lande, wo sich das Hauptinteresse derhöheren Bildung der Theologie und den damit zusammenhängenden Unterrichtsanstaltenzugewendet hatte. Dabei ist nur zu bemerken, daß es in Württemberg noch lange soblieb, nachdem bereits die Theologie längst aus sencr Stellung verdrängt war, daß mananderwärts Lehrgegeustünde und Methode längst zu reformiren begonnen hatte, ehe manin Württemberg noch daran dachte, daß, als endlich in Württemberg die Theorie imJahr 1793 in der bekannten Verordnung Wegen des latein. Schulwesens (SchulgesetzeS. 274) sich einen energischen Ausdruck verschafft hatte, die Praxis noch lange zurück-blieb, offenbar ans keinem andern Grunde, als weil das Landexamen, auf welches sichaller Unterricht concentrirte, im Wege stand. Diese Prüfung selbst aber mit ihrer aus-gebrciteten Concurrenz, mit den großen Bcnefizien, die sie in Aussicht stellte, währendnur eine beschränkte Zahl von Auserwählten sie erlangen konnte, hätte am wenigstensollen für die ordentliche Gestaltung des Schulwesens maßgebend sein. Durch diemassenhafte Concurrenz der besten Schulen und besten Köpfe wurde die Prüfungsbe-hörde unwillkürlich getrieben, den Maßstab zu erhöhen, die Forderungen zu steigern,außerordentliche, das gewöhnliche Maß übersteigende Leistungen bei der Beurtheilung zuGrunde zu legen. Daß man nun diesen Standpunct übertrug auf die allgemeine Ord-nung der Schulen, daß man als regelmäßige Leistung einer guten Schule das verlangte,was das Landexamen forderte, das halten wir für verkehrt. Es mochte wohl beimLandexamen für sehr empfehlend erachtet werden, über das Argument noch 10 oder 12Disticha zu machen, daß aber nun lateinische Versification zu einen! ordentlichen Lehr-gegenstaude der lateinischen Schule wurde, war keineswegs eine natürliche Konsequenzaus dem erstercn. Das Laudcxamen verlangte keine positiven Kenntnisse aus Geschichte,Geographie, Religion. Daß nun aber diese Fächer darum auch in der lateinischenSchule zurückgcstellt wurden, das hätte man nicht erwarten sollen, sondern hier hättedas Schulregimcnt oder die Schulgesetzgebung nachhelfend, erläuternd, beschränkend, er-gänzend eintreteu und nicht dein Belieben der einzelnen Lehrer anheimgebcn sollen, wieviel von den Fächern betrieben werden wolle, denen das Landexamen aus irgend welchenGründen nicht gerade seine Aufmerksamkeit zuwendete. Wir vermögen also dem unsereZustimmung nicht zn geben, was Prälat v. Roth (Kl. Schriften S. 382) über dasLandexamen sagt, es feie nach allgemeiner Anerkennung, und zwar mit Fng und Recht,das Maßgebende für die Führung aller Schüler in den Lateinschulen. Maßgebend fürdie Führung aller Schüler kann nur das sein, was alle auch erreichen können, alsoein mittlerer, gewöhnlicher Grad von Leistungen, nicht aber die Stufe, auf welche diebesten Köpfe ans den besten Schulen nur sich erheben; nicht das, was zum Zweckeeiner besonderen Prüfung für ein bestimmtes Fach auserlesen wird, sondern das, wasallen Schülern, welchen Fächern sie sich auch zuwcnden wollen, zu wissen nöthig ist.Deshalb hat die Studienbehörde auch seit dem Anfänge des dritten Decenniums diesesJahrhunderts angefangeu, den lateinischen Schulen noch neben dem Landexamen einebesondere Sorgfalt zuzuwcnden. Von dieser Zeit an, in welcher die Frage wegen Ein-richtung von Realschulen in umfassenderem Maße in Württemberg ernstlich in Betrachtgezogen zn werden anfieng, finden wir einige thcils kurz gehaltene theils eingehendere

*) Ref. kann hier noch aus eigener Erfahrung sprechen.