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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Landcxamen.

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stehenden Einrichtung nicht zn erkennen. Wir wüßten unter dieser Voraussetzung, daßdas Vermögen statt der Kenntnisse überwiegend zn betonen sei, durch kein anderesMittel zu helfen, als durch den ganz radikalen Vorschlag, dem doch niemand das Wortwird reden wollen, daß unter den für höhere Gymnasialklassen reif Erfundenen ebengerade die festgesetzte Zahl der Aermsten auserlesen werde. Etwas anders verhält essich mit dem zweiten der oben erwähnten Puncte, daß bei der üblichen Behandlung desExamens der Zufall eine große Rolle spiele. Es ist dies freilich eine Klage, die bei allenPrüfungen wiederkehrt, die aber in dem Falle des Landexamcns ganz besonders bedenklichist, Weil der Erfolg desselben eine so große Bedeutung hat für die Cvnenrrentcn undderen ganze Lebensrichtnng. Es kommt immer vor, daß das Fehlen einiger Numernoder auch einer einzigen Numer den Concurrenten ausschließt. Erwägt man, wienahe die Prädicake, welche durch die Zahlen dargestellt werden, gut s6), ziemlichgut bis gut s5), ziemlich gut (4) w. einander stehen, wie leicht sie in einander über-stießen und wie gar häufig die Prüfenden selbst in Ertheilung des einen oder andern Prä-dikats schwanken oder verschiedener Meinung sind, so wird man Wohl sich aufgefordertfinden, alles mögliche vorznkehren, um Zufälligkeiten, Ungleichheiten der Behandlungferne zn halten. Die Klage über das Walten des Zufalls aber bezog sich wenigerauf die schriftlichen Arbeiten, welche durchaus unter dreifacher Kontrolle standen, als aufdie mündliche Prüfung. Es soll hier natürlich niemanden ein Vorwurf gemacht, son-dern nur gezeigt werden, wie es beim besten Willen der Prüfenden geht. Es kam vor,daß der eine einen schweren, der andere einen leichten, der eine einen großen, der an-dere einen kleinen Satz znm übersetzen erhielt, daß an den Einen ganz einfache, an denandern verwickeltere Fragen gestellt wurden, daß der Examinator mit dem einen sich3, mit dem andern 10 Minuten beschäftigte, daß an den einen noch außer der ReiheFragen gerichtet wurden, an den andern nicht. Nichts davon zn sagen, daß manchmalauch Fragen gestellt werden konnten, welche über den Horizont des Schülers hinaus-lagen, niit welchen ein anderer verschont blieb. Es liegt ans der Hand, daß unterdiesen Umständen die Schüler nicht gleich behandelt wurden, daß Gunst oder Ungunstnicht der Prüfenden, Wohl aber der Verhältnisse hier mächtig einwirkcn konnten. Esist daher schon in einer Schrift vom Jahr 1843Das Landexamen, ein Beitrag zurReform der Gelehrtenschnlen in Württemberg vonKapff" die ganz berechtigte Forderunggestellt worden, daß in der mündlichen Prüfung jeder Kandidat soll denselben Satz zuübersetzen und dieselben Fragen zn beantworten haben. Der Satz müßte natürlich auseinem den Schülern unbekannten Gebiet genommen, konnte nöthigenfalls auch nachBedürfnis modifieirt oder gar neu gebildet werden.'*) Dies geschieht seit dem Jahr1856 im Lateinischen, seit dem Jahr 1860 auch im Griechischen. Der erste Versuch,der im Jahr 1856 von dem Unterzeichneten selbst als damaligem Mitglied des Stn-dienraths gemacht wurde, stieß zwar auf bedeutenden Widerstand der Examinatoren,welche sich nicht gerne als Examcnsmaschinen gebrauchen lassen wollten, ergab aberbei aller Mangelhaftigkeit der erstmaligen Einrichtung so überraschende und gegenübervon der früheren Hebung sichere Resultate, daß man sofort dieses Verfahren beibe-halten und nenestens auch ans die mündliche Prüfung im Griechischen angewendet hat.Zu Vereinfachung und Abkürzung des Verfahrens bei einer großen Zahl von Con-currenten können wohl auch 2 oder 3 verschiedene Sätze mit anderen Fragen vorgelcgtwerden, wenn nur die Sätze gleich gestaltet und die Fragen analog aus dem Gebietgenommen sind, welches den Schülern bekannt sein soll, wie denn z. B. ganz gleichgültigist, ob ich den einen Schüler frage, welche Verba abweichend vom Deutschen den Dativ,

*) Der Unterzeichnete hat schon im Jahr 1840 in der Süddeutschen Schnlzeitung für Ge-lehrten- und Realschulen Jahrg. III. Heft I, in denThesen über das Landexamcn" S. 4248auf eben diese Modification hingewiesen; der Knapphche Vorschlag ist im zweiten Heft desselbenJahrgangs S. 8031 eingehend von mir gewürdigt worden. Schmid.