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Landexamen.
sicht ans das Vermögen ein überwiegenderer Einfluß gestattet werden sollte, als bisher,etwa so, daß das Bencficium in seiner ganzen Ausdehnung nur wirklich Bedürftigen,das beschränkte Beneficium minder Bedürftigen, Bemittelten aber das Benesicinm alssolches entweder gar nicht verwilligt, oder doch nur gegen volle Entschädigung Theilnahmeam Unterricht und an der Erziehung, wie ihn die Anstalt gewährt, eingeräumt würde.Mit solchen Gedanken zu Reform des Landexamens sowohl als des beim Uebertritt aufdie Universität stattfindenden wiederholten Concursexamens hat sich der verewigte Stu-dienrathsdirector von Knapp getragen. Ich besitze ein Mannscript von seiner Hand, inwelchem er diesen Plan ausführlich entwickelt hat. Er geht dabei von der Wahrneh-mung aus, 1) daß bei der jetzigen Einrichtung der richtige Standpunct für Beurtheilnngvon Kenntnissen vierzehnjähriger Schüler verrückt und statt einer absoluten eine relativeSchätzung derselben eingeführt werde, welche eine unendliche Steigerung gestatte undfür die naturgemäße Entwicklung des Unterrichts in den Lateinschulen von entschiedennachtheiligem Einfluß sei, 2) daß bei der üblichen Behandlung des Examens der Zufallimmer noch eine große Rolle spiele. Er will daher den Schwerpunct der Entscheidungin die Rücksicht auf das Vermögen der Bewerber gelegt, notorisch Reiche ganz ausge-schlossen, unter dem übrigen aber den Talentvolleren und Bedürftigeren in der Weiseden Vorzug gegeben wissen, daß die Armen frei, die Bemittelteren gegen eine Entschä-digung von 100, beziehungsweise 200 fl. ausgenommen würden. Was den erstenPunct betrifft, so haben wir bereits bemerkt, daß durch die Concurren; nothwendig einWetteifer unter den Schulen entstehen muß; eben dieser Wetteifer hat unsere Latein-schulen ans den hohen Stand gehoben, welchen sie bisher inne hatten und welchen derverewigte Thiersch in seinen Schriften über gelehrte Schulen wiederholt mit so hohemLobe ausgezeichnet hat, freilich nicht ohne die Bemerkung, daß sofort die Leistungen derhöheren Elasten in den Gymnasien unverhältnismäßig znrückstehen, eine Bemerkung,welche auch von inländischen Auctoritäten, Walz, Bänmlein, Rümelin gemacht wordenist und kein ganz günstiges Licht auf das Naturgemäße des Standes unserer Latein-schulen wirst. Dieser Wetteifer nun läßt sich, so lange die positiven Kenntnisse den Aus-schlag geben, nicht vermeiden. Er läßt sich nur dadurch auf das richtige Maß zurück-führen, wenn die Behörde die Aufgaben nach einem richtigen naturgemäßen Maßstabfeststellt. Es ist auch zuzugebep, daß sich der Standpunct von einem absoluten, wie ersein soll, der auf einer richtigen Bemessung dessen beruht, was billigerweise naturgemäßdie große Mehrheit von jungen Leuten dieses Alters leisten kann, umschlägt in einenrelativen, welcher nur das beachtet, was in dem gegebenen Fall einer mit dem andernverglichen leistet, und möglicherweise eine ungebührliche Steigerung zuläßt, welche dannihre Rückwirkung ans die Schulen äußert. Allein diesen Uebelständen wird durch diegemachten Vorschläge doch nicht abgeholfen. Schließen wir auch die „notorisch Reichen"aus, legen wir auch den Bemittelteren eine Steuer nach einer gewissen Scala auf, sobleibt doch noch die ansehnliche (von Knapp auf 20 bemessene) Elaste derjenigenübrig, welche unter den Bedürftigeren als die talentvolleren und kenntnisreicheren denVorzug haben und ohne Entschädigung ausgenommen werden sollen. Dazu kommt nundie schwierige Bestimmung der Frage, wer ist notorisch reich? wer ist bedürftig? werist weniger bedürftig? Die Frage wird um so schwieriger zu beantworten sein, als Di-rector von Knapp selbst in dem genannten Manuscript sich dahin ausspricht, daß esnicht gut sei, wenn ganz Unbemittelte in die Laufbahn gelockt werden, als er endlichselbst der Elaste der ohne Entschädigung Aufgenommenen das sogenannte Weingeld (einTaschengeld von jährlich 60 fl.) entzogen wissen will, wodurch es allerdings ganz Un-bemittelten unmöglich wird einzutreten. Nehmen wir nun noch dazu, daß erfahrungs-mäßig die Concurrenten mit seltenen Ausnahmen aus der Elaste der wenig Bemittel-ten oder der Bedürftigen sind, das Ausscheiden der „notorisch Neichen" und der Be-mittelten also eine ganz geringe Wirkung haben müßte, so vermögen wir von diesemGesichtspuncte aus in dem vorliegenden Vorschlag eine wirkliche Verbesserung der be-