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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Landexamen.

in den letzten aber auf etliche und sechszig zurückgegangen ist, auch die Theilnahme desPublicums an dieser Sache abgenommen. Andere Interessen sind an die Stelle dertheologischen getreten oder machen sich doch neben denselben mit gleicher Stärke geltend,und das Landexamen ist von seiner hervorragenden Stellung in die Reihe manchenanderen am Himmel des Residenzlebens vorübcrziehcnden Erscheinungen znrückgctretcn.

Je einflußreicher nun diese Prüfung geworden ist, desto wichtiger wird die Fragenach dem Gegenstand derselben. Sonderbarerweise aber finden sich keine älteren urkund-lichen Nachweisungen über die beim Landexamen verlangten Kenntnisse, außer der inder großen Kirchenordnnng (S. 6XUIV) enthaltenen Bestimmung, wornach die in dieuntern Klöster Aufznnehmenden reif sein sollen für die vierte Classe der Particular-schulcn, in welcher die ganze lat. Syntax repetirt, diexiinoixia xrosoäias vorgenommen,die ruäimsnta graseus gramruatisas gelehrt, ferner llisrsntius, Oiosro äs awioitia stssnsotnts nebst (Aosronis spistolas kamiliarss gelesen und als exsroitiuin still alleMittwoch ein Argument aus den gehörten Usotiouibus dictirt werden sollte (S. OXXIX).In der vorhergehenden dritten Classe aber, für welche das Examen, von dem wirreden, die Stelle einer Abgangsprüfnng vertrat, sollte, außer dem sxsreitiuin Lt^rno-logias et Lzmtaxis, lsotio Xssopioa, ferner sslsotlorss spistolas Liosrouis und 1?s-rsntius vorgenommen, das lüxsroltinin still aber so angefangen werden, daßalleMittwoch ein knrtz leicht Argument aus den nächst gehörten lsotlonibnsund, so viel möglich, ebendieselben Wort doch verdeutscht und geändert genommen undden Knaben dictirt werden" (S. 6XXIX). Hiernach konnte sich anfangs die Prüfungnur auf das Latein und höchstens die Musik erstrecken, welche in diesen Elastenvielfach geübt wurde. Zwei Jahrhunderte später umfaßte die Prüfung Latein, Griechisch,Hebräisch und zwar mündlich und schriftlich, lateinische Versification, eine Reihe logischerund rhetorischer Definitionen, später statt dieser die Beantwortung von Religionsfragcn(zuerst mündlich, jetzt schriftlich), endlich die Lösung arithmetischer Aufgaben. Die la-teinischen Verse, das Hebräische, die logischen und rhetorischen Definitionen sind außerUebung gekommen. Aus demkurz leicht Argument aus den nächst gehörten Isvtionibus"sind aber Aufgaben erwachsen von großer Ausdehnung und gehäuften Schwierigkeiten.Man trug Themen zusammen, in welchen die abstractesten Begriffe, die modernstenPhrasen bunt durch einander lagen." Man wußte auch fähige Knaben in den Latein-schulen auf eine Weise zu steigern, daß diese schwierigen deutschen Themen von einzel-nen lateinisch oder griechisch oder gar in Distichen excipirt wurden. Die Lehrer aber richtetenzum voraus ihr Augenmerk auf Gegenstände, deren Besprechung im Thema des Land-examens zu erwarten waren, z. B. wenn ein Erdbeben vorgekommen, ein Krieg zu be-fürchten, die Eröffnung einer Eisenbahn in Aussicht war u. drgl., um dahin einschla-gende Ausdrücke und Wendungen einzuüben. Gegenwärtig wird von den Kandidatenverlangt die Uebersetzung eines deutschen Thema von mäßigem Umfang ins Lateinische,ebenso die Uebersetzung eines kürzeren Thema ins Griechische, eine schriftliche Uebersetzungeines Abschnitts aus einem lateinischen Klassiker ins Deutsche, ein deutscher Aufsatz übereinen dem Gesichtskreis dieses Alters entnommenen Gegenstand, die Beantwortung einigerNeligionsfragen und die Lösung einiger arithmetischen Aufgaben; zur mündlichen Ueber-setzung und Erklärung aber werden den einzeln vorgerufcncn Candidaten sorgfältig aus-gewählte lateinische und griechische Stücke und zwar allen dieselben oder ganz ähnlichevorgelegt, ebenso werden dieselben oder ganz analoge Fragen darüber an alle gerichtet.Auch kommt die kalligraphische Beschaffenheit der Arbeiten in Betracht. Bei Stel-lung aller dieser Aufgaben wird von einer richtigen Würdigung dessen ausgegangen, wasKnaben dieses Alters von mittlerer Befähigung Lei gehöriger Vorbereitung leisten könnenund man kann nicht sagen, daß die Beschaffenheit der Aufgaben Anlaß giebt zu einerunnatürlichen und übermäßigen Anspannung der Kräfte. Nichtsdestoweniger bringt dieConcuvrenz so vieler Schulen, aus welchen in der Regel die besseren Köpfe zum Land-examen vorbereitet werden, unvermerkt bei Beurtheilung der Bewerber eine Steigerung