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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Kunst.

gehören wird, welche in sich selbst die lebendige Durchdringung des Individuellen undAllgemeinen, der natürlichen Anlage und Neigung und des höheren Gesetzes darstellen,und darum, ohne ausdrücklich zu lehren und zu predigen, durch den unmittelbarenEindruck ihres gestimmten Wesens schon bildend wirken, so muß auch der Erzieher,welcher die Kunst zur Bildung seiner Zöglinge mit dem rechten Erfolg anwenden soll,ebenfalls von jenem Charakter etwas an sich haben, damit die Wirkung der in ihmwieder lebendig gewordenen Kunstschöpfung durch seine Vermittlung kräftig auf dieZöglinge übergehe.

Gehen wir nun von diesen allgemeineren Bemerkungen zur Frage nach derpädagogischen Verwendung der einzelnen Künste über, so muß derErzieher vor allem darüber sich klar werden, daß, wenn es sich um die Kunst als einallgemeines Erziehungsmittel oder, noch bestimmter gesprochen, als einen Gegenstanddes gemeinsamen Schulunterrichtes handelt, nicht die Rede sein kann von Anleitung derSchüler zu künstlerischer Production denn diese setzt eine ganz besondere individuelleBegabung voraus, sondern daß nur das lebendige Verständnis und die frische Re-^ Production vorhandener Kunstwerke das Ziel sein kann. Zu einem allgemeinen Er-ziehungsmittel und Unterrichtsgegenstande eignen sich, aber die einzelnen Künste um somehr, je weniger sie an ein mit physischer Kraft zu bewältigendes und räumlich be-gränztes Material gebunden sind: am wenigsten also die Architektur und nächst ihr dieSculptur, mehr schon die Malerei und die Zeichenkunst, noch mehr Pie im freierenGebiete der Töne waltende Musik und am meisten die Poesie, welcher die in dem all-gemeinsten Mittel des Gedankenausdruckes und des Gedankenaustausches, in der Sprache,niedergelegten sinnlichen Vorstellungen als das durch die schöpferische Kraft des Ge-dankens zum Kunstwerke zu verbindende und zu belebende Material dienen. Wenn nunauch Architektur und Sculptur ein eigentlicher Gegenstand des Schulunterrichtesnicht werden können, so wird sich doch leicht in jeder Stadt mehr oder weniger Gele-genheit bieten, auch an den Schöpfungen dieser Künste den Sinn für das Schöne unddie Fähigkeit, es von dem Unschönen zu unterscheiden, auszubilden. Ja auch der Dorf-jugend wird sich an dieser oder jener alten Kirche, an dem mit Epheu umrankten Burg-thurm, der die benachbarte Höhe schmückt, an dem stattlichen Bauernhause, welchessein solides Holzwerk in entsprechender Malerei ehrlich hervortreten läßt und mit sinni-gem Schnitzwerk und guten Sprüchen geziert ist, das Verständnis dafür beibringenlassen, daß dies alles weit schöner ist, als die regelmäßige und mit dem reinen Weißeiner von jeder Berührung mit der Kunst unbefleckten Unschuld prangenden BauwerkederNeuzeit", das neueHotel" des Dorfes, das unter den Händen des Weißbindersden täuschenden Schein eines Steinbaues angenommen hat, und jene neuen Kirchen odervielmehr Bethäuser, auf welchen am Ende gar einvso" oderidu LsiZnsur" stehenmuß, zur Warnung des Fremden von Distinction, damit dieser sie nicht für eine be-deckte Reitbahn oder für einen Gasthof halte. Von den Werken der Malerei undZeichcnkunst kann das Kind in Haus und Schule eine unmittelbare Anschauungerhalten. Dort ist darauf zu sehen, daß was nicht bloß als ein Denkmal der Erin-nerung an Personen und Oertlichkeiten dienen, sondern das Haus künstlerisch schmückensoll, auch wirklichen Kunstwerth habe, damit nicht dasvor das Auge gestellte" Unschöneund Absurde dasmagische Recht", welches es in höherem Grade besitzt, als das nurdurch das Gehör wirkende, auf eine der Geschmacksbildung verderbliche Weise auf diein solcher Umgebung Heranwachsende Jugend ausübe. Namentlich durch die Vervoll-kommnung des Holzschnittes ist es jetzt auch wenig bemittelten Familien leicht gemacht,diese Forderung zu erfüllen. Auch mit Bilderbögen und Bilderbüchern sind durch diekinderfrcundliche und kindersinnige Kunst von O. Specter, L. Richter, F. von Pocci,O. Pletzsch u. a. unsere Kinder weit besser daran, als wir selbst es noch vor dreißigund vierzig Jahren waren; und zwar sind die ungemalten den gemalten entschiedenvorzuziehen, weil der fehlende Farbenreiz den Sinn für die reine Form schärft und