Kunst.
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ihr Herz gegeben und in ihren Sinn geschrieben" und die innere Triebkraft des Willensselbst werden soll. Und dadurch ist auch dem Walten der wahren, das Einzelne unddas Allgemeine versöhnenden Kunst in dem Christenthum wieder freie Bahn gemacht.Das apostolische Wort: „Alles ist euer!" darf der Christ auch auf die Schöpfungender Kunst anwenden, und wie es ein tief bedeutsames Wort von Herder ist: „Diehöchste Liebe wie die höchste Kunst ist Andacht," und von Göthc: „Tie Menschen stndin Poesie und Kunst nur so lange productiv, als sie religiös sind;" wie die Kunst dasHöchste, was sie hervorgebracht hat, jederzeit im Dienste der Religion oder doch, wennauch in zeitweiligem Gegensätze gegen deren kirchliche Erscheinungsform, ans dem Grundeeines tiefen religiösen Interesse leistete: so wird man, wie wenig man auch den Werthschlichter Frömmigkeit gering achtet, doch sagen dürfen, eine geschmacklose Frömmigkeit,die nicht einmal „in geistlichen lieblichen Liedern" auch künstlerisch productiv wird, wirdschwerlich eine vollkommen gesunde und lebendige christliche Frömmigkeit sein.
Steht nun aber die Kunst zu Religion und Christenthnm in einer so innigen Be-ziehung und muß man doch die Erziehung zu einer gesunden und kräftigen, reinen undlebendigen Religiosität als das höchste pädagogische Ziel bezeichnen, so muß gerade vondiesem Gesichtspunkte aus auch die hohe Bedeutung der Kunst als Erziehungsmittel cin-leuchten. Nicht religiöse Lehren und sittliche Grundsätze und Antriebe soll sie unmittel-bar mittheilen; dazu ist die schlichte Prosa ernster Lehre und Mahnung geeigneter.Aber indem sie Sinn und Willen der dumpfen Befangenheit in dem einzelnen sinnlichenEindrücke entnimmt und der sinnlichen Einzelheit die geistige Weihe ertheilt, stellt siein dem Geiste jene Harmonie her, in welcher derselbe gleich befähigt ist, einerseits dieeinzelne sinnliche Erscheinung, die einzelne Erregung des Gcmüthes und Willens aufdas Allgemeine und Uebersinnliche und andererseits das allgemeine Gesetz auf die con-creten Verhältnisse zu beziehen, in welchen es zu lebendiger Verwirklichung kommensoll. Diese Versöhnung der natürlichen Neigung mit dem Gesetz, wodurch jene ihreWeihe, dieses seine Lebendigkeit erhält und der Mensch aus der fatalen Nothwendigkeitbefreit wird, welche der kategorische Imperativ ihm anfcrlcgt, „seine Pflicht mit Abscheuzu thun", —^ das ist das Ziel, welches Schiller der „ästhetischen Erziehung" in seinenbekannten Briefen gestellt hat, mit eben so viel Klarheit als Tiefe, und mit eben sosauberem Auseinanderhalten des ästhetischen und ethischen Gebietes als mit eindrin-gendster Einsicht in ihre bedeutsame Wechselbeziehung. Und die ästhetische Erziehungin dem hohen Sinne, in welchem er sie fordert, fällt in ihrem innersten Wesen miteiner lebendigen religiösen Erziehung im Sinne des christlichen Princips zusammen.Seine Forderung: „Nehmt die Gottheit ans in euren Willen" bezeichnet den evangelischenStandpunct gegenüber dem einseitig gesetzlichen; der Adel, welchen die Schönheit dergereiften Wissenschaft mittheilen soll, fällt vielfältig mit der religiösen Weihe zusammen,und selbst seine Sehnsucht nach „den Göttern Griechenlands" war im Grunde eineSehnsucht nach dem lebendigen Gott des Christenthums, welchen er in dem seine Zeitbeherrschenden Gottesbegriff des abstrakten Deismus nicht fand.
Soll nun aber die Kunst einen solchen pädagogischen Einfluß ausüben, so mußman diesen ihr nicht dadurch verkümmern, daß mau sie zu einem Erziehungsmittelim schlechten Sinne, etwa zu einer bloßen Dienerin der Moral, erniedrigt. Dian mußjenen Einfluß nur bei wirklichen Kunstwerken suchen und diese auch als solcheWirken lassen, nicht dadurch, daß man das Hauptgewicht auf die verständige Erläu-terung von Nebendingen und auf die Anleitung der Schüler zu rcflectirender Kritik rich-tet, das schöne Ganze zerpflücken und seinen Totaleindruck stören, sondern indem derLehrer das von ihm selbst empfundene Kunstwerk vor den Schülern rcprodncirt, muß erauch diese unmittelbar zum lebendigen Empfinden und Neproducircn desselben anlciten.Und um die richtige Auswahl zu treffen und die richtige Behandlung zu finden, istfreilich vor allem nöthig, daß der Lehrer selbst einen reinen, kräftigen und gebildetenästhetischen Sinn besitze. Wie der wahre Künstler selbst zu jenen schönen Charakteren