Kunst.
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zur plumpsten Roheit realistische Tendenz also in dieser Beziehung auf eine merkwürdigeWeise mit den Forderungen des idealen platonischen Staates znsammentrifft. In dem-selben Jahre aber", in welchem Basedow starb (1790), erschien auch das Werk, vonwelchem die richtigere Würdigung des Wesens und Werthcs der Kunst eigentlich ansgieng.Kant, welcher in der „Kritik der reinen Bernnnft" (1. Anfl. Riga 1781) vom Wahren,in der „Kritik der praktischen Bernnnft" (1. Anfl. Riga 1788) vom Guten gehandelthatte, suchte jetzt in der „Kritik der Urtheilskraft" (1. Ausl. Berlin 1790) das Schonein seinem eigenthümlichen Wesen darznstellen. Indem er das Vermögen des ästhetischenIlrtheils als das Vermögen definirle (H 5.), „einen Gegenstand oder eine Vorstellungsartdurch ein Wohlgefallen oder Misfallen ohne alles Inte resse" zu bcurtheilen, cmancipirter die Kunst von dem Dienste moralischer oder sonstiger Nützlichkeit und stellte sie inihrer selbständigen Würde her. Und wenn Kant selbst an der reinen und umfassendenDurchführung des von ihm ausgestellten Begriffes des Schönen dadurch behindert wurde,daß er die Mission der Kunst, durch Befreiung des Geistes aus der dumpfen Unmittel-barkeit der durch einzelne Eindrücke hervorgebrachten Empfindung auch der Erkenntnisdes Wahren und Verwirklichung des Guten zu dienen, zu sehr hervorhob, so müssenwir vor allem Schillern das Verdienst znschreiben, diesen Mangel im stätigen Fort-schritte seiner eigenen künstlerischen und philosophischen Entwicklung, wie diese in seinenästhetischen Schriften vorliegt, beseitigt zu haben. Wir hoffen in dem Artikel überSchiller Gelegenheit zu finden, auch dieses Verdienst unseres Dichters ausführlicherins Licht zu setzen, und wenden uns ans dem im wesentlichen von ihm fcstgestelltenStandpnncte nach diesen geschichtlichen Vorbemerkungen mm zur Darstellung des päda-gogischen Werthcs der Kunst.
„Schon das griechische Alterthum liebte es, die Ideen des Wahren, Guten undSchönen zusammcnzustellen, und in der That bezeichnen sie die Ziele und den Zweckder drei Grundrichtungen des Geistes, des Erkennens, des Wollens und der Phantasie"(Karriere, Aesthetik, I. S. 223). Der Kunst gebührt also schon deswegen eineeingehende Berücksichtigung bei der Erziehung, weil ohnedies ein wesentliches undfür das Verständnis der inneren Geschichte der Menschheit nicht minder als für diegegenwärtige Bildung bedeutendes Gebiet des geistigen Lebens den Zöglingen unerschlossenund eine wesentliche Seite ihres eigenen Geistes unentwickelt bleiben würde. Aber auchdie intellectuelle und sittliche Bildung leidet unter der Vernachläßigung der ästhetischen.Denn es stehen jene drei Richtungen des menschlichen Geistes in der innigsten Wechsel-beziehung zu einander. Das rechte Wollen des Guten setzt die klare Erkenntnis dersittlichen Begriffe und Gesetze, und wiederum setzt die richtige Erkenntnis des Wahrendie aufrichtige Liebe und den selbstverlängnenden Muth der Wahrheit, also eine sittlicheRichtung des Willens voraus. Durch den reinen, empfänglichen Sinn für Wahrheitund durch den sittlichen Ernst der Gesinnung des Künstlers ist ferner der Reichthmnund die Tiefe des Gehaltes des Kunstwerks bedingt; aber andererseits wird auch durchdie belebende Kraft der Phantasie, welche die eigentliche Grundkraft des künstlerischenSchaffens bildet, der Fortschritt in dem Gebiete des Erkennens und des sittlichen Lebensgefördert; die Phantasie befähigt den Forscher, in unmittelbarer Anschauung scheinbar-weit auseinander liegendes Einzelne zu combiniren und das ihm zu Grunde liegendeGesetz zu ahnen, und ebenso in glücklicher Jnduction die Folgerungen mit Einem Blickezu überschauen, welche aus dem Gesetze hervorgehen, und die Anwendungen, welche esgestattet. Sie nimmt auf diese Weise das Resultat gewißermaßen voraus, dessenRichtigkeit dann die nachfolgende wissenschaftliche Untersuchung zu erweisen hat. Nichtminder liegt in dem Bilde der vollendeten That, welches sie der Seele vorhält, einmächtiger Antrieb zum sittlichen Wollen und Vollbringen des Guten, und wahre Vir-tuosität auf dem Gebiete des Erkennens wie des sittlichen Handelns ist darum ohnediese Beteiligung der Phantasie nicht möglich. Das Wahre, Gute und Schöne habeneben bei aller Eigentümlichkeit ihrer Gebiete doch das mit einander gemein, daß alle