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Kunst.
ihm Nachahmung der Natur und als solche doppelt verdächtig, einerseits Weil sie auchdas Schlechte und andererseits weil sie mit täuschendem Scheine nachahmt und darumzur Gemeinheit und zur Lüge verleiten könne. Den pädagogischen Werth des Fabel-dichters schlägt er höher an, als den des geübtesten und gewandtesten Dichters, unddaß Homer der eigentliche Lehrer der Griechen sei und bleiben Müße, will er nichtgelten lassen, sondern zieht seinen Gesängen als Gegenstand des Unterrichtes die Gesetzedes platonischen Staates vor. Ueberhaupt aber sollen die Vorsteher des StaatserziehungS-Wesens die Jugend vor poetischer Contrebande schützen und nur, von mindestens fünfzig-jährigen wackeren Bürgern verfaßte, Hymnen auf die Götter und Loblieder auf guteMenschen einlassen. Auch des Aristoteles freiere Theorie bleibt zu sehr im Begriffeder Naturnachahmung befangen, und nur der Musik im engeren Sinne, weil auf siedieser Begriff am wenigsten Anwendung findet, schreibt er, wie sein großer Vorgänger,wenn sic richtig betrieben wird, einen unmittelbar heilsamen Einfluß auf die Herstellungder rechten Seelenstimmung zu. Wenn aber selbst die Weisesten des griechischen Volkes,bei welchem die Kunst die ausgezeichnetste Pflege gefunden hat, bei der Schätzung despädagogischen Werthes derselben durch Beziehung auf äußerliche Zwecke verhindert wurden,zugleich die Selbständigkeit und eigenthümliche Würde der Kunst unverletzt zu lassen,so dürfen wir eine solche Wahrung des Rechtes der sinnst von dem praktischen Nömer-v olke um so weniger erwarten. Cicero und Quintilian kommen über den Einfluß,den die Dichtkunst, bei gehöriger Scheidung des poetischen Gebietes von dem oratorischen,auf die stilistische Vervollkommnung des Redners ausübcn kann, und über den Werth,welchen sie für den Staatsmann als eine angenehme, nützliche und würdige Erholunghat, nicht hinaus. Die römische Auffassung in dieser Beziehung ist zusammengefaßt indem Horazischen Kernspruche (L,ck 1?is. 333): „.-lut prockesss volunt, aut clelsetarsxoetas;" und wenn Horaz selbst in dem bald darauf folgenden Verse: „Omus tulitxuuotum, czui misouit utile ckulei" das ckelsotars als das wesentliche und das xroclsssonur als das secundäre Moment der schönen Kunst zu betrachten scheint, auch in seineneigenen besten Gedichten zeigt, daß sie überhaupt ans einem auf irgend einen äußerenZweck gerichteten bestimmten Wollen nicht hcrvorgegangen sind, sonkern auS der unbe-fangenen Freude an der künstlerischen Auffassung und Production: so hat die spätereCommentirung und Anwendung seiner Regel vielmehr in dem utile den eigentlichenZweck der Kunst erkannt und in dem cluloi nur das Mittel, dessen die Kunst zur Er-reichung dieses Zweckes sich bedient. Von dieser Auffassung ist die Pädagogik derWiederherstellung der Wissenschaften beherrscht: die Poesie diente ihr nurals angenehme Folie für nützliche, namentlich moralische Belehrung, und die Nachahmungder antiken Dichtungen als Mittel, neben diesem Laxere auch das l?ari zu fördern,die Gewandtheit und Correctheit im lateinischen Ausdruck. Durch dieses letztere wurdedenn auch der Einbildung Vorschub geleistet, daß Dichten und Vcrsemachcn dasselbe sei,eine Einbildung, von welcher bekanntlich auch in Beziehung ans die Dichtung in derMuttersprache die letzte Hälfte des 17. und die erste des 18. Jahrhunderts in Deutschlandgrößtenteils "beherrscht war. Sieht man auf die Reimerei dieser Zeit, so kann man eSkaum bedauern, daß die pädagogischen Neuerer, deren, ihren Urhebern als alleinselig-machend geltende, Systeme auch an die allgemeinste geistige Thätigkeit, an den abstractcnVerstand, sich wenden mußten, in ihren Theorieen für die Knust keine Stelle fanden.Als dann der Aufschwung, welchen die vaterländische Poesie gegen die Mitte des vorigenJahrhunderts genommen, zu einer pädagogischen Verwerthung ihrer Products auffordcrte,fand diese Verwendung in der bald nachher aufblühenden philanthropischen Pädagogikganz im Sinne des diese charakterisirenden verständigen Utilitarismus statt. WasMeister Basedow selbst zur Bildung seiner „aufgeklärten Weltbürger" dichtete, istdie abscheulichste Caricatur wahrer Poesie, und von den Dichtungen anderer fand, ab-gesehen von dem gründlich verwässerten geistlichen Liede, nur die Fabel und die versificirtemoralische Erzählung Gnade vor den Augen dieser aufgeklärten Pädagogik, deren bis