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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Krankheiten.

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Leidenschaftlichkeit; das Kind ist im allgemeinen wenig lenksam und während der Steigerungseines krankhaften Zustandes ist es für den Unterricht unzugänglich; häufig wird eSals Beispiel von Verdorbenheit betrachtet und strenge behandelt; dann folgt zunächstdieVerstocktheit". Die schwierige Kunst der Erziehung liegt hier neben dem Beseitigender körperlichen Störungen darin, daß man das volle Zutrauen des Kindes gewinntund nach und nach seine krankhafte Sinnlichkeit der erstarkten Vernunft nnterordnen lehrt.

Noch ist zu bemerken, daß selbst bei Kindern von wenigen Jahren auf geringfügigeVeranlassungen tobsuchtähnliche Anfälle Vorkommen.

Eine dritte Form endlich hängt hauptsächlich mit einer Ueberrciznng des Gehirnsdurch Ueberanstrengung des Geistes zusammen und ist füglich zusammenznfassen

2. mit den Vorboten der eigentlichen Seelenstörnng. Wenn nun vr. E.W. Güntz in seiner werthvollen Arbeit einen specifischen Wahnsinn der Schulkinderaufstellt, weil solcher durch das genannte Moment veranlaßt werde und weil der In-halt der Wahnbilder in direeter Beziehung zu dem Schulleben stehe, so ist zu bemerken,daß noch andere gewöhnliche Gründe der Seelenstörung, namentlich erbliche Anlage, undnoch andere mannigfaltige Ursachen der Kopfeongestivn, wie geistige Getränke, Sonnen-hitze, schwüle Schulluft, geräuschvolle Arbeitsräume im Elternhanse, enge Halsbekleidungu. s. w. Mitwirken, daß der Inhalt der Wahnbilder der Seelengestörten überhaupt zu-nächst der jedesmaligen Lebensstellung und geistigen Ausbildung entspricht, so wie daßdie von Güntz geschilderten Fälle den gewöhnlichen Verlauf des psychischen Erkrankensverfolgen. Jedenfalls aber ist es eine sehr wichtige Thatsache, daß in Folge über-mäßiger Anforderungen der Schule oder der ehrgeizigen Eltern oder auch infolge einerfreiwilligen Entsagung von Erholung und Leibespflege, um alle Zeit und Kraft biszur vollen Ermüdung des Gehirns dem Lernen zu widmen, nicht bloß eine Ucberreizungdes ganzen Nervensystems, besonders des Gehirns, nicht bloß eine sog. Hirnentzündnng,sondern auch ein somatisch-psychisches Gehirnleiden in der Form des Wahnsinns sichentwickeln kann. Besonders gefährdet sind Knaben mit erblicher Anlage zur Seelen-störung und ebenso körperlich weniger gut entwickelte, reizbare, geistig mäßig begabteIndividuen. Die Krankheit äußert sich manchmal in unerwarteten, fast tobsüchtigenZornausbrüchen neben anhaltender außerordentlicher Reizbarkeit, an welche sich Muskel-unruhe und selbst der eigentliche Veitstanz anreihen kann, oder und häufiger sie beginntmit einem Stadium der körperlichen Erschöpfung und psychischen Depression; das ganzeBenehmen verändert sich, wird schlaff und zerstreut, die Leistungen in der Schule undfür dieselbe nehmen auffallend ab, die Stimmung ist gedrückt, gewöhnlich sehr apathisch,für Lob und Tadel unempfindlich, gegen entschiedene Gebote wird passiver Widerstandgeleistet, zeitweise jedoch tritt große Reizbarkeit ein, welche sich in zänkischein und auf-brausendem Wesen äußert. Wird nun derverstockte Trotzkopf" zu Hause oder in derSchule strenge behandelt, so erfolgt rasch der Uebergang in die volle Erkrankung eines-theils mit den gewöhnlichen Zeichen der stärkeren Ueberrciznng des mit Blut über-füllten Gehirns, anderntheils mit stillen oder lauten Delirien und bei kräftigen Na-turen mit zeitweisen tobsüchtigen Ausbrüchen. Die Krankheit kann in diesem Stadiumgeheilt werden, kann als Gehirnentzündung tödten oder unter Besserung der somatischenErscheinnngen in den vollkommenen Wahnsinn übergehen, wobei sich der Inhalt derWahnvorstellungen begreiflicherweise nach den Erfahrungen des Kindes in seinerletzten Lebenszeit gestaltet und demgemäß vorherrschend auf Schule und Lernen sich be-zieht oder auch an das Erlernte anknüpft. Bei falscher Behandlung besteht die Ge-fahr eines Ausgangs in Verblödung und ebenso einer Wiederkehr des Leidens nachder Genesung; ein gewöhnliches Ueberbleibsel ist die Onanie, welche sehr häufig imVerlaufe der Krankheit ausgeübt wird.

Es ist klar, daß auch hier die Verhütung nur in dem individuell richtigen Maßeder Geistesanstrengung und im Vermeiden der psychischen Gehirnreizungen besteht, sowiedaß zur Heilung vor allem das Unterbrechen des abstracten Lernens, die ruhige Be-