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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Krankheiten.

ren oder späteren Nebergang in eine alsdann häufig dauernde Form der psychischenKrankheit vorgebengt werden. Der Gegenstand bedarf um so mehr einer genauen Dar-legung, als selbst die Aerste mit dem Thatsächlichen noch sehr wenig bekannt sind.

Wir erörtern die psychischen Anomalien, welche als Prädisposition oder alsVorboten zum eigentlichen psychischen Erkranken zn beachten sind und eine besondereRegelung der Erziehung verlangen; sodann die in die Schuljahre fallenden eigent-lichen Seelenkrankheiten, wobei im besondern die Lehre von einem specifischenWahnsinn der Schulkinder zu prüfen ist; weiter die psychischen Anomalien imGefolge von Gehirnkrankheiten. Auf die gewöhnlichen Seelenstörnngen, welchevon der Zeit der Geschlechtsentwicklung an häufig werden, ist in den Artikeln überEntwicklungsjahre und geschlechtliche Verirrungen Bezug genommen.

1. Schon im Alter von 714 Jahren, am häufigsten gegen die Zeit der ge-schlechtlichen Entwicklung beobachtet man eine eigenthümliche psychische Disposition, ihremWesen nach verwandt mit der auf der Gränze zwischen Nerven- und Seelenkrankheitstehenden Hysterie und Hypochondrie. Bei Kindern, die gewöhnlich durch Eigenthüm-lichkeiten und Sonderbarkeiten in ihrem Charakter und Wesen aufsallen, entwickelt sichim Verlaufe eines wirklichen Unwohlseins die Neigung, den Zuständen des eigenenKörpers große Aufmerksamkeit zu schenken, die Beschwerden nervöser Art stark zu über-treiben und endlich theilweisc selbst zn erdichten; wirkliche Trägheit mag oft ein Haupt-grund sein, im weiteren Verlaufe wird das Uebel aber durch verkehrte Behandlung großgezogen; die Eltern machen großes Aufheben von den Klagen des Kindes und gebendeutlich zu erkennen, wie sie mit Beiseitsetzen der gewöhnlichen Disciplin durch freiesGewährenlassen aller Übeln Stimmungen und durch Erfüllung der Launen und Wünschedie Zufriedenheit und das Wohlbefinden des verzogenen Lieblings wiederherstellen wollen.Gerade wie bei den Hysterischen wird das Kind jetzt zn einer krankhaften Sehnsuchtnach Mitgefühl geführt, oder es erwacht in ihm der Kitzel, durch Wichtigthun mit seinenLeiden sich immer wieder zum Gegenstand der Sorgen des ganzen Hauses zu machen.In Gegenwart der unverständigen Mutter werden alle Klagen lauter, während in ihrerAbwesenheit das Kind in bester Laune dem gewohnten Spiele sich hingiebt; währendihm das Lesen der Schulbücher Kopfschmerzen macht, ergeht es sich mit Behagen inunterhaltenden Schriften, sofern sie seinem Geschmacke belieben. Wird gegen Erwartenund Gewohntsein ein verkehrter Wunsch nicht durch sofortiges Krankwerden ertrotzt, soerfolgt leicht ein Ausbruch von Ungebärdigkeit oder bei etwas älteren Mädchen eineigentlicher hysterischer Anfall. Der Arzt, welcher mit richtigem Blicke die Verkehrt-heit der Erziehung als Hauptsache betrachtet und statt der Arzneien als Ausgangspunctder Cur die richtige moralische Zucht empfiehlt, wird meistens nicht angehört, er heißtunverständig oder hart oder eingenommen gegen das arme Kind und wird auf-gegeben !

Daß Eltern, welche das Nebel soweit gedeihen lassen, zur Heilung durch ein folge-richtiges, auf der einen Seite liebevolles, wirkliche körperliche Störungen beachtendes,ans der anderen für die übertriebenen Klagen unzugängliches und die Launen beherr-schendes Verhalten nicht geeignet sind, ist klar; aber auch die gewöhnliche Schule fürsich ist unpassend, insofern durch den unvermeidlichen Aerger über die Schulgenossen unddie bis zn einer Art Wuth sich steigernde Empörung bei Schnlstrasen die psychische Ver-stimmung und Ueberreizung nur gefördert wird; ebenso wenig paßt das Kind für Anstaltenzur Erziehung Schwachsinniger; es bleibt nichts übrig, als die Erziehung an eine denobigen Anforderungen entsprechende Person in einer fremden, ruhigen Familie so langezu übertragen, bis körperliche Kräftigung eingetreten ist und das Kind mit der ver-nünftigen Selbstbeherrschung sein besseres Ich wiedergefunden hat.

Eine andere Form, welche noch häufiger verkannt wird und bei Misbchandlungleicht in eine Entartung des Charakters oder vollständige Tobsucht übergeht, bietenKinder mit unerklärlicher Launenhaftigkeit, unbezähmbarem Eigensinn oder zügelloser