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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Körperliche Erziehung.

Sodann muß dem Schulgebäude volles Licht, reine Lust und ein gewisser Gradvon Stille gewährt sein; der Boden darf keine specifischen Schädlichkeiten Malaria-luft erzeugen und soll ebenso wenig den Wänden Feuchtigkeit mittheilen; zum Wei-teren Schutze vor der erst in neuester Zeit (Pettenkofer) recht begriffenen Schädlichkeitder feuchten Wände muß eine steinerne Grundmauer und ein das Erdgeschoß mindestens4^ über das Terrain erhebender Sockel aufgeführt und muß zum ganzen Bau trockenes,wenig hygroskopisches Material benutzt werden. Ebenso darf keine Schule vor demhinlänglichen Austrocknen der Wände bezogen werden. Selbstverständlich sollte keinSchulgebäude zu anderen, namentlich störenden oder für die Kinder gefährlichen Z weckenz. B. zugleich als Kornmagazin benutzt werden.

Neben dem Gebäude bestehe ein ausschließlich zum Spielplatz bestimmter,trockener Raum, welcher zugleich als Zugang zu den Abtritten dienen kann; bei ge-nügenden Mitteln gebe man einem Theil des Spielplatzes ein Regendach, so daß sichdie Schüler auch bei schlechtem Wetter im Hofe bewegen können; sonst sind Corri-dore von genügender Räumlichkeit zu verlangen. Bei der Orientirung berück-sichtige man den wohlthätigen Einfluß der von der Sonne durchleuchteten, erwärmtenund gereinigten Luft, welcher sich besonders für die gesunde Entwicklung der jüngerenKinder geltend macht; die rein südliche Orientirung der Vorderseite hat Sommers ihrebekannten Nachtheile, der nördlichen fehlt Sonne und Licht, der westlichen die Morgen-sonne; auf die Wirkung der schräg einfallenden Morgen- und Abendsonnenstrahlenauf den Gesichtssinn ist bei der leichten Abhülfe durch Vorhänge wenig Gewicht zulegen; nach allem wird sich also eine östliche oder südöstliche Orientirung ani bestenempfehlen; bei der wohlfeileren zweibündigen Bauart wären die jüngeren Schulclassenöstlich, die älteren westlich zu legen.

Die Rücksicht auf Licht und Wärme verbietet die weit vorspringenden Dächer dessog. Schweizerstils.

Beim Bauplane ist weiter die Zahl der Stockwerke zu berücksichtigen; wenig-stens die Kleinen sollten nicht über 1 oder 2 Treppen zu steigen haben. Ungleich wichtigerist die Bemessung des für die einzelnen Schulzimmer, wo möglich zugleich dereinzelnen Schulclassen zu gewährenden Flächenraumes. Die Forderung lautet: esist so viel Raum zu geben, daß die Größe des Luftcubus einiges zur Reinheit derAthemluft beiträgt, daß ein bequemes (für die gerade Haltung wie für die Aufmerk-samkeit wichtiges) Sitzen ermöglicht ist und daß überdies noch ein freier Raum zurBewegung des Lehrers und der Schüler, endlich ein angemessener Abstand der Sitzbänkevon dem Ofen und der Thüre gestattet ist. Die Berechnung ist nun hiebei insofernarbiträr, als man in der Annahme der Zinimerhöhe zwischen 1012 Fuß schwanken,den zum Aufenthalt in der Bank nöthigen Raum nach der Zahl der Schüler überhauptoder mit Unterscheidung der Schreibeschüler, ferner mehr oder weniger reichlich bemessenund endlich den freien Raum nach der Zahl der geforderten Gänge vor dem Sitzplatz,hinter demselben, zu beiden Seiten und als Mittelgang zwischen zwei seitlichen Sitz-reihen als groß oder klein bestimmen kann; es kann daher bei einer und derselbenAnnahme der Flächenzahlen das einemal das Zimmer wegen der schlechten Zugänglich-keit der Subsellien für den Lehrer unzweckmäßig, das anderemal kann auf Kosten desbequemen Sitzens der Kinder mehr als genügender freier Raum gewonnen sein. Esist nun nicht Sache der Medicin zu untersuchen, ob der bei unfern Architekten üblicheund in einige amtliche Verordnungen übergegangene Ansatz von 6 oder gar nur 5Quadratfuß für jeden Schüler als Durchschnittszahl genüge, sie hat nur zu überwachen,daß für den Aufenthalt in der Bank die Fläche groß genug ist, um ungezwungenesSitzen und Schreiben zu gestatten; dazu kommt noch die Distanz vom Ofen und der Thüre?')

*) L. Pappenheim (Handb. d. Sanitätspolizei II. 428) berechnet den fraglichen Flächen-raum folgender Maßen.Die eine Seite der Fläche, die für einen Schüler zu berechnen ist,