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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Körperliche Erziehung.

wieder zum alten Humanismus zurückkehrt, nur mit dem Unterschiede, daß die Medicinals berechtigte und willkommene Rathgeberin für die Gestaltung des Schulwesens zubetrachten sein wird, bleiben die besten hygieinischen Maßregeln für die höheren SchulenStümperei. Die weiteren Gründe der ungenügenden Schulhygiene sind auf Seitemancher Pädagogen die Unterschätzung der Tragweite schlechter Schuleinrichtungen*),die Abneigung gegen die Ucbergriffe dermaterialistischen" Aerzte, da und dort auchder Jrrthum, die geistige Ausbildung auf Kosten der leiblichen wirke nicht wesentlichzurück auf den ganzen Menschen, also auch einschließlich seiner physischen Sphäre; aufder Seite der Aerzte mangelhaftes empirisches Studium der pathologischen Wirkungender Schule, die Zaghaftigkeit, seine Pflicht auch da zu thnn, wo man als Eindringlingbetrachtet wird, oder das Uebergreifen der Mediein auf rein pädagogische Fragen; aufSeite der Gemeinden unverständige Sparsamkeit; auf Seite des Staats dieselbe Eng-herzigkeit und die schlechte Regelung der Beziehungen zwischen den Organen der öffent-lichen Gesundheitspflege und den Schulbehörden und einzelnen Schulanstalten. DieselbePflicht, welche den Staat veranlaßt, das physische Wohl seiner Gefangenen unter ärzt-liche Aufsicht zu stellen, besteht doch wohl hinsichtlich des wirksamen Schutzes der Ge-sundheit in den öffentlichen wie privaten Schulen.

Von einigen Seiten werden große Erwartungen an das vorgeschlagenc Studiumder menschlichen Anatomie und Physiologie geknüpft; man ineint, wenn die Pädagogensich namentlich mit den physischen und psychisch-empirischen Eigentümlichkeiten der ver-schiedenen Kindesaltersstufen näher bekannt machen, so werde eine Umgestaltung desUnterrichts und der Erziehung in dem für die Gesundheit förderlichen Sinne nicht aus-bleiben. So wenig nun auch die theoretische wie praktische Bedeutung solcher Studienverkannt werden soll, muß doch bemerkt werden, daß der genannte Hanptübelstand da-durch nicht beseitigt wird und daß ein Durcharbeiten, der eigens zu dieser populärenBelehrung geschriebenen Bücher, z. B. von Schreker (Anthropos) und von Hau-schild (Die leibliche Pflege der Kinder zu Hause und in der Schule, Leipzig 1858)nicht ausreichen kann; gerade die Folgen einer verkehrten intellectnellen Ausbildungauf den Organismus lassen sich nur dann vollkommen begreifen, wenn man durch viel-jähriges Studium und praktisches Thätigsein in der Mediein ein Verständnis für daspathologische Leben des Menschen errungen hat; ebenso können auch die Folgen mancheräußerer Schädlichkeiten des Aufenthalts in der Schule, z. B. der schlechten Luft, nurvom Fachmediciner recht gewürdigt werden.

Nicht das Hereinziehen des eigentlich medicinischen in das pädagogische Wissenmöchte für die Zukunft eine Hauptaufgabe bilden, sondern daß die berufenen Aerzte dieErfahrungen über die Beschädigung der Gesundheit der Schüler mit wissenschaftlicherStrenge begründen; daher wäre der Gesundheitszustand vor und nach dem Eintretenin den Unterricht, in den verschiedenen Altersclassen derselben Schule und in den ent-sprechenden Abteilungen verschiedener Anstalten hinsichtlich der Zahl der Todesfälle,der Erkrankungen und der schwächlich oder kränklich oder kurzsichtig gewordenen, endlichhinsichtlich des früheren Anfangs der Geschlechtsentwicklung zu vergleichen. Am leichte-sten ließen sich solche Erhebungen an Schulen mit gemeinsamen hygieinischen Einflüssen,also an Pensionaten (im weitesten Sinne) einleiten. Genaue Forschungen über die Schul-krankheiten sind bis jetzt wenige vorhanden und im einzelnen Falle ist es oft schwierig,zu entscheiden, welche pathologische Veränderung dem Leben in der Schule und fürdieselbe, oder inwieweit sie diesem und nicht anderen Einflüssen beizumessen sei. Leit-pnncte für das Urtheil sind der Erweis früherer Gesundheit, der Mangel eines Kausal-zusammenhangs mit einer epidemischen oder einer sporadischen und aus anderen Ursachenentstandenen Krankheit, dagegen die innere Uebereinstimmung der Art der pathologischen

*1 Eins richtige Grundansicht über die Gesundheitspflege in der Schule entwickelt in warmerSprache vr. Eberhard im Programm der Realschule zu Coburg; Ostern 1860 .