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Körperliche Erziehung.
dumpfer Stube am Nähtischchen, Stickrahmen, oder Klavier; letzteres hat wenigstensden Vorzug, daß auf gute Haltung gedrungen wird und eine gleiche Bewegung beiderArme sich von selbst ergibt.*)
Wo zu Hause die rechte mechanische Arbeit mangelt, wo man dem Knaben unddem Mädchen die freiwilligen Uebungen unter Gottes Himmel verwehrt oder beschränkt,Wo anhaltendes Sitzen mit angestrengter Kopfarbeit die harmonische Entfaltung desjugendlichen Organismus zu stören droht, hier sind für beide Geschlechter die metho-dischen Leibesübungen und zwar vor allem das Turnen, nicht aber das für das ge-schlechtlich indifferente Alter ungeeignete Tanzen an ihrem rechten Platze und werden fürdie Kräftigung der künftigen Männer und Frauen und des nächsten Geschlechtes vieles leisten,um unserem in die Knechtschaft des l^oismus und der Ausländerei verfallenen Volkephysisch wie ethisch anfzuhelfen. Jedoch ist ein guter Erfolg nur zu hoffen, wenn manvor allem das rechte Maß in der Gehirn- und Muskelarbeit und beiden gegenüber inder Erholung einhält (s. den folgenden Artikel), wenn man als den Hauptzweck die all-mähliche Kräftigung des ganzen Körpers durch eine den individuellen Kräften angemes-sene Steigerung und eine sachgemäße Abwechselung der Uebungen verfolgt, und die volleLust und Liebe zu einer erfrischenden, nicht aber die Erschöpfung steigernden Thätigkeiterhält. Für Mädchen muß das Turnen ganz besonders sorgfältig geleitet werden, umfrische, gewandte und anmuthig sich bewegende Jungfrauen, nicht aber muSkelkraststolze,langarmige, breithändige Mannweiber zu bilden. Am häufigsten geben weiter die Fuß-märsche den Anlaß zu einem gewaltsamen, eben daher schädlichen Versuche der Kräfti-gung und Abhärtung (s. Art. Leibesübungen und Fußreisen).
Die Entwicklung der Stärke und des Umfangs der Stimme und ihre Einübung,um dem Gedanken und Gefühle im Klang und Ausdruck zur vollen äußeren Gestaltungzu dienen, wird zu wenig beachtet; sie ist an und für sich ein werthvoller Schmuck desLebens, und die Uebung selbst durch lautes Vorlesen, später durch Declamiren, Singenoder freien Vortrag ist eine treffliche Schule für die Lunge und ein Ersatz für die will-kürliche Bewegung, von dem pädagogischen Werthe des Stoffes der Lese- und Rede-übungen und der nöthigen geistigen Verarbeitung desselben nicht zu reden. Die Uebungdarf aber nie bei vollem Magen, bei Beengung von Hals und Brust durch Kleider undnie bei Reizung des Kehlkopfes stattfinden. Auf das Erlernen der richtigen Aussprachewirkt man weniger durch vieles Hofmeistern, als durch gutes Beispiel.
Das letzte Stück der körperlichen Erziehung, die Erfüllung einer absoluten Be-dingung des Gedeihens und Wohlbefindens, welche gerade bei der Jugend am aller-unerläßlichsten ist, betrifft die hinlängliche Erholung durch den Wechsel der ange-strengten Kopf- oder Muskelarbeit mit einer leichtern, freiem, der individuellen Neigungangemessenen Beschäftigung und durch die wirkliche Ruhe bei Nacht, den Schlaf(s. Art. Erholung).
Hier ist nur der Ort das Wichtigste über die Pflege des Schlafes zusammen-zufassen, um so mehr als sich Verf. mit äußerster Entschiedenheit gegen die Barbareiund Unnatur des Einschnallens (Schröder, Kallipädie, S. 82. 174) in der fixirtenRückenlage aussprechen muß. An Arbeit und Ermüdung fehlt es den Tag über demKinde nicht, am wenigsten dem Schüler, der daher sein volles Recht auf den Schlafund zwar den gesunden, erquickenden, allein zu neuer und frischer Geistes- und Ge-hirnthätigkeit am folgenden Tage befähigenden besitzt. Der Schlaf muß daher so langedauern, als es Alter, Individualität und der Grad der Anstrengung, zumal des Ge-hirnes verlangt, d. h. bis ein nicht an Schlaffheit gewöhntes, aber eben so wenig inAngst und Furcht wegen des Verschlafens erhaltenes Kind von selbst auswacht, waserfahrungsgemäß je nach Umständen nach 8—10 Stunden zu geschehen pflegt; es hat
*) Vrgl. Heiden reich, die Verkehrtheilen in der Erziehung und Bildung der weiblichenJugend; Ansbach 1844 .