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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Körperliche Erziehung.

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Entwicklung, Kräftigung und Bewahrung selbst von noch größerem Werthe ist, indemes sich hier einerseits um den die Wirkung des Willens ans die Außenwelt vermittelndenBewegungsapparat und andererseits um die Organe der sinnlichen Empfindung unddes psychischen Lebens selbst handelt; der willkürliche Bewegungsapparat, die Muskelnsammt allen motorischen Nerven, wie die receptive und productive Nerven- und Hirn- undSeelenthätigkeit erfordern vor allem eine angestrengte Uebung, um allmählig die Höheihrer Leistungsfähigkeit zu erreichen und die ganze Breite ihrer Energieen zu erfüllen;ebenso erhält sich nur bei der dauernden Arbeit derselben ihre Energie vollkommen, aberjede willkürliche Muskel- und jede mit dem Bewußtsein verknüpfte Nerven- und Seelen-Function verlangt ebenso wesentlich Ruhe oder Erholung unter der Form eines ver-änderten oder schwächeren Thätigseins. Der obe^teSatz lautet daher: übe das anima-lische Leben in allen seinen Formen bis zur vollsten Entwickelung, aber halte stets dasrechte Maß zwischen Arbeit und Ruhe. Erst die zweite Forderung verlangt zur Er-haltung des Gleichgewichtes und mit demselben zur Erhaltung der Gesundheit desGanzen wie seiner einzelnen Sphären die gleichmäßige Ausbildung und stetige Uebungaller Energieen und namentlich den stetigen Wechsel zwischen der productiven und recep-tiven und motorischen Thätigkeit.

Die Herrschaft über seinen Muskelapparat gewinnt der Mensch nur durch ange-strengte Einübung der einzelnen, bei einer combinirten Bewegung zusammenwirkendenOrgane und durch Beförderung ihrer Leistungsfähigkeit an sich, d. h. durch Vermeh-rung der Muskel- und motorischen Nervenkraft. Mangel an Arbeit der einzelnen Muskelnsetzt ihre Ernährung herab und macht sie mehr oder weniger für den Willen unbrauch-bar, Mangel an Leibesbewegung im ganzen stört die gesammte Vegetation, stört eben-so die normale Function des ganzen Nerven- und psychischen Lebens und wirkt endlichmächtig durch Verweichlichung und Ueberreizung oder durch Trägheit ans Gemüth undCharakter; die Intelligenz mag eine Zeit lang gedeihen, schließlich aber wird auch derGeist von der gesteigerten Sinnlichkeit oder der Kränklichkeit des Leibes oder von demPhlegma unterjocht. Das Gegentheil erreicht die Erziehung und die Hygieine durchdie rechte Muskelentwicklnng und Muskelarbeit; diese Förderung der leiblich-geistigenGesundheit, ist daher die Hauptaufgabe, erst in zweiter Linie steht die Ausgleichung derNachtheile einer sitzenden Lebensweise und einer einseitigen Anstrengung des Geistes, erst indritter die methodische Bekämpfung der Schwäche einzelner Muskelpartien und diemöglichste Erhöhung von Gewandtheit, Muskelstärke und Schönheit der Haltung undKörperform.

Die Forderung der Muskelübung erfüllen wir, wenn wir bis ins Schulalter demeigenen Triebe des Kindes nach Muskelarbeit unter der Form des Gehens, Laufens,Springens, Kletterns, und der mannigfaltigen selbst erfundenen oder gelehrten Bewe-gungsspiele ihr volles Recht angedeihen lassen, den Trägen errege man durch das Bei-spiel seiner Genossen und durch eigene Theilnahme an seinen Uebnngen; dabei achte dieErziehung auf die gleichmäßige Uebung beider Korperhälsten, besonders des linkenArmes und Fußes und auf die richtige Haltung in der Bewegung wie in der anschei-nenden Ruhe. Vom Schulalter an trennt sich die Aufgabe, je nachdem der Stand derFamilie das Kind mehr zur häuslichen Arbeit verlangt und durch solche, oft nur zusehr und zum Schaden des richtigen Wuchses, der gleichmäßigen Muskelentwicklungoder der ganzen Gesundheit, täglich ermüdet, oder aber die von Schule und Lernennicht beanspruchte Zeit theils zur freiwilligen Leibesübung mittelst der gemeinsamen Be-wegungsspiele, des Stelzengehens, Schlittschuhlaufens, Schlittenfahrens, zeitweise einesstärkeren Ganges, theils zu der besonders für die älteren Mädchen praktischen Uebungin sämmtlichen, möglichst viel der Bewegung dienlichen Arbeiten in Haus und Gartenverwendet wird. Die bekannte Verkehrtheit unserer Tage raubt dem Mädchen viel zufrühe das heitere und heilsame Spielen und Tummeln und mit ihm den naivenKindersinn und setzt an die Stelle der häuslichen Arbeitsbewegung das Stillsitzen in