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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Körperliche Erziehung.

Schulalter geforderter Uebergang zu der derberen, schwerer verdaulichen, in seltenerenund reichlicheren Mahlzeiten gegebenen Kost der späteren Jahre und hiemit zugleich dieVorbereitung für die Diät des erwachsenen Menschen, bei welcher die Reizmittel undschärferen Gewürze hinznkommen, vermittelt wird.

Besondere pädagogische Bedeutung hat die Unmäßigkeit und die Leckerhaftigkeithinsichtlich der Nahrung.

Der Erfüllung der obigen Regeln stehen hauptsächlich zwei Hindernisse im Wege,einmal die Armut des niedern Volkes, welche dem Kinde fast nur schweres Brod undKartoffeln, zeitweise noch Obst, oder überdies schwere Hülsenfrüchte, dagegen selten leichtereMehlspeisen, wenig Milch und noch weniger Fleisch zu bieten vermag; auf der andern Seitedie schlechten Begriffe der Eltern. Mit der Redensart: so lange man wächst, kann manimmer essen und alles ertragen, oder: Essen macht stark, wozu als gleichfallsstarkmachend" in manchen Gegenden noch Wein oder Obstmost oder Bier kommt, wird diegrößte Unordnung in den Essenszeiten, und wirkliche Gefräßigkeit, und bei verkehrterZärtlichkeit auch noch die Naschhaftigkeit geduldet, oder wird der Grund znm unmäßigenGebrauche der gegorenen Getränke gelegt und überdies durch alle diese Fehler die Ge-sundheit schon unmittelbar gefährdet. Bei den Reicheren besteht eine große Gleichgültigkeitgegen die Stadtgewohnheit der Kinder, ihr Taschengeld in den Schulpausen in eine Kunst-bäckerei oder Konditorei zu tragen; dann fehlt es am rechten Appetit beim Familien-tische, an dem Geschmacke an einfachen, dem individuellen Gaumen unlieben Speisenund oft genug auch an guter Verdauung, von dieser Erziehung zum Geldmisbraucheund zur Genußsucht weiter nicht zu reden.

Die Menge der im ganzen Tage zu genießenden Nahrung läßt sich ungefähr be-stimmen, wenn man für jedes Alter eine bestimmte Zahl von täglichen Mahlzeitensestsetzt, und bei Ausschluß von künstlichen Reizen der Eßlust und bei an Mäßigkeitgewöhnten Kindern jedesmal soviel genießen läßt, als die unverdorbene Empfindung ver-langt; die Erfahrung wird überdies ihrerseits bald ein ungefähres Maß des wirklichenBedürfnisses ergeben, man beachte die Eßlust für Speisen, welche weder zu den Lieb-lingsgerichten, noch zu den mit geringer Lust genossenen gehören. Dabei handelt essich viel weniger um das absolute Ouantnm der Nahrung, als dem ganzen Organis-mus gegenüber um die Nährkräftigkeit der einzelnen Alimente fester wie flüssiger Form,und den Organen der Verdauung gegenüber um die leichtere oder schwierigere Assimilation.Ein zehnjähriger Knabe kann an Nahrung z. B. nur die Hälfte von der Gewichtsmengeeines Altersgenoffen verzehren und doch viel muskelkräftiger, blühender und geistig auf-geweckter sein, wenn ihm eine gut zubereitete, kräftige Pflanzen- und Thierkost gereichtwird, während sein vielessender Mitschüler bei seinem schwarzen Brode und seinenKartoffeln immer an Unterleibsstörungen leidet und schwer und ungern mit den: Kopfearbeitet. Man bedenke weiter, daß der Stoffbedarf des Organismus in demselbenAlter verschieden ist, je nach Körpergröße, je nach Muskel- und Hirnkraftaufwand, nachder Summe der beim Athmen verbrauchten Bestandtheile des Blutes, nach dem rascherenoder langsameren Wachsen, nach der Temperatur und Witterung und je nach der in-dividuellen Raschheit oder Langsamkeit des Stoffwechsels. Damit wird bewiesen sein,daß wir dem Kinde hinsichtlich der Nahrungsmenge einen gewissen Spielraum lassenmüßen; es schadet auch gar nichts, wenn hinundwieder dem Magen ein stärkeres Pensumaufgegeben wird, sobald nur keine wirkliche Indigestion, Diarrhöe u. s. W. eintritt undin den nächsten 2448 Stunden strengere Diät gehalten wird.

Hinsichtlich ster Qualität ist keinesweges auf die Fleischkost ein so großes Ge-wicht zu legen, wie dies von vielen Materialisten geschieht; es ist hinsichtlich des Flei-sches vielmehr zu bemerken, daß sehr fette und gewürzte Sorten im Schulalter nur aus-nahmsweise zu dulden sind, daß sich regelmäßige Fleischkost bei schwächlichen, blaffenKindern schon vom vierten Jahre an recht wohl diätetisch verwenden läßt, während sie biszum Schulalter bei sonst guter Nahrung überflüßig, in mäßiger Menge jedoch mindestens