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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Körperliche Erziehung.

Seite des zu Erziehenden berücksichtigenden und sie selbst in den Bereich der pädago-gischen Maßregeln ausnehmenden Erziehung trat jedoch erst nach Montaigne's und Ba-co's Vorgang mit Locke hervor. Locke als medicinisch gebildet, als Erzieher eineskränklichen Jungen, mitten in den Verkehrtheiten der vornehmen Erziehung seiner Zeit,War berufen, aus dem Grundsätze mens sann in oorpors sano und aus dem Studiumder anthropologischen Eigenthümlichkeiten des Kindes praktische Regeln für die physischeErziehung zur Gesundheit und Kräftigkeit abzulciten; seine Vorschläge*) sind übrigensfragmentarisch, und so zweckmäßig auch die meisten sind, manche beruhen doch aufphysiologischen Jrrthümern und legen den Grund für die naturwidrige Abhärtung.

Ebenso ist an I. I. Rousseau sein gerechter Widerspruch gegen die Vernach-lässigung der Erziehung im ersten Alter und gegen die Verweichlichung, ferner dieWürdigung der ganzen physischen Erziehung anzuerkennen, seinem Princip der Er-ziehung nach der Natur fehlt aber viel zu sehr ein positiver Inhalt und ist die Forderungder Abhärtung und der Entwickelung der rohen Muskelkraft zu einseitig. Von größermpraktischem Erfolge war die Abschaffung der den Körper einzwängenden und die Haareabgeschmackt und unsauber tractirenden Franzosentracht und die eifrige, zugleich auf reineSitten und Lern- und Lebenslust bedachte Cultur der körperlichen Kraft, Gewandtheitund Gesundheit bei den Philanthropien; es ist die Wirkung dieser Richtung noch jetztaber auch an der einseitigen Ueberschätzung der Leibespflege durch gymnastische Hebungenzu erkennen, obschon man allerdings immer mehr von den Ausartungen der altenGymnastik eines Gntsmuth und Jahn, von der gewaltsamen Abhärtung und von derVerwechselung einer rohen Kräftigkeit und äußeren Ilngeschlachtheit mit der wirklichenharmonisch verbundenen Kräftigkeit, Gewandtheit und Schönheit des Körpers zurück-kommt.

Als Gemeingut der Gegenwart, welches man vorzüglich den neueren populärenSchriftstellern über die Diätetik im allgemeinen oder in ihren Beziehungen zur Päda-gogik verdankt, an ihrer Spitze dem von den Mcdicinern jetzt tief unterschätzten Hufe-land, dem Verfasser der namentlich bei den Gebildeten wirksamen Schrift über Ma-krobiotik oder die Kunst das menschliche Leben zu verlängern, darf wohl die Ueberzeu-gnng angesehen werden, daß die körperliche Gesundheit ein wesentlicher Factor ist fürdie geistige Entwickelung und Bildung; ganz abgesehen von den herrschenden Schäd-lichkeiten der Schule fehlt es aber noch ebenso an der vollständigen Aufnahme derdiätetischen Regeln in die Theorie der Pädagogik, als und noch mehr an der richtigenHygieine in der Familie und in den öffentlichen oder privaten Erziehungsanstalten.Die Aufgabe des Tages ist daher, durch ein freundliches Zusammenwirken der Aerzteund der Erzieher vom Fache die Kenntnis der natürlichen Bedingungen für denSchutz der Gesundheit und für die Erhöhung der Kraft und Widerstandsfähigkeit desOrganismus wie für die Ausbildung der körperlichen Gewandtheit und Schönheit zufördern und die Regeln für ihre Erfüllung in negativer wie positiver Weise zum Ge-meingut der allgenieinen Erziehung zu erheben. **)

Aus dem Verlaufe wird sich die große Mannigfaltigkeit der hygieinischen Mittelund die Schwierigkeit ihrer richtigen Anwendung ergeben; von einzelnen Mitteln,etwa vom Turnen oder vom Abhärten kann nur als einem Gliede in dem ganzen Sy-stem der hygieinischen Erziehung die Rede sein; es ist namentlich gegen die falsche Auf-fassung der Abhärtung anznkämpfen; auch der Organismus von mittlerer Kräf-tigkeit läßt sich nur durch ein maßvolles nnd anhaltendes Regeln der Einwirkungen,welche den normalen Hergang der Functionen zu stören geeignet sind, zu größererWiderstandskraft erziehen, nnd die bloße Muskelkraft allein leistet wenig oder keinen

*) Vrgl. von Raumer, Pädagogik. II. 116 .

**) Als eine dem genannten Zwecke gewidmete Zeitschrift sind hier dieNeuen Jahrbücherfür die Turnkunst, heransgegeben von M. Kloß" zu nennen.