Körperliche Erziehung.
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Körperliche Erziehung. Als körperliche Erziehung betrachten wir hier das Zielund die Mittel für die Gestaltung des in fortschreitender Entwicklung begriffenenMenschen vorzugsweise nach seiner leiblichen Seite und zwar für den Lebensabschnittnach der früheren mit der ersten Ausbildung der Zähne, mit dem Erlernen des Gehens
für mich beten mußte. Wir giengen um sieben Uhr Abends nach Hause und wurden nicht wenigüberrascht, als wir gleich beim Eintritt an der Pforte unseren Rector und alle Patres und Fra-tres mit ihren Flügelröcken angethan fanden, die sich in zwei Reihen gestellt hatten, um, wiewirs nennen, Spalier zu machen. Die Regel des Stillschweigens, die mit dem ersten Tritte,den wir in die Stadt thun, auch an Recreationstagen uns verbindet, erlaubte uns nicht, derUrsache dieser wenigstens in Rücksicht auf die Zeit sehr sonderbaren Erscheinung nachzufragen,von der wir sonst ans dem Ordensgebrauche wußten, daß sie einen Besuch vom allerhöchstenHofe oder von einer hochfürstlichen Eminenz bedeutete. Vielleicht war uns die Beobachtung desStillschweigens nie so sauer, als diesmal, da wir uns einander unsere Muthmaßungen so gernabgefragt und mitgetheilt hätten. Wir giengen stillschweigend in das Museum*) jeder an seinPult, und der charissimus Manudnctor**) sagte uns Lesung der Lebensgeschichten unserer Heiligenan. Ich meinerseits konnte vor Unruhe und Neugierde keine Zeile Sinnes auffassen. Uebereine Weile kam ein Frater, der dem Schatzmeister (dieser ist immer ein Novize des zweitenJahres) den Schlüssel zur Schatzkammer abforderte. Dies siet uns allen noch mehr auf. DerSchatzmeister hat in seiner Instruction die Weisung, nie den Schlüssel aus der Hand zu geben,und schließt immer selbst auf, wenn ein Unsriger ans einem andern Collegium oder aus einerandern Provinz kommt und die Kostbarkeiten sehen will. Als ich vor dem Schlafengehen ander Schatzkammer vorbeigieng, fand ich sie mit einem großen kaiserlichen Petschaft versiegelt.Von diesem Augenblicke an ahnte mir nichts gutes mehr. Den darauf folgenden Tag hieltenwir die alle Feiertage gewöhnliche Tagordnung und kamen eben um halb sechs Uhr Abends ansdem Dormitorium der spanischen Disciplin zurück, als wir Befehl erhielten, uns sogleich indas Zimmer des Pater Provincials zu verfügen. Alle Patres und Fratres waren hier schonversammelt. Oben am Fenster stand ein Tisch mit einem Crncifixe und zwei brennenden Lichtern.Wir wurden an der Thiire rechts und links gereihet und zitterten vor banger Erwartung dessen,was da kommen sollte, als ein Domherr von der Metropolitankirche hereintrat, sich mit feier-lichem Ernste an den Tisch setzte und eine päpstliche Bulle abzulesen anfieng. Ich habe in meinerBestürzung und bei dem Schluchzen meiner Mitbrüder fast den ganzen Inhalt überhört, bisans die Worte: „die Novizen sollen sogleich entlassen werden." Hier brachen wir alle in lautesWehklagen ans und mußten uns sogleich entfernen. Als wir wieder im Museum beisammenwaren, trug uns der Mannductor im Namen des Pater Rector an: die Verbindlichkeit, ihmund der Regel zu gehorchen, wäre zwar mit dem Orden nunmehr aufgehoben, aber Se. Hoch-würden hoffe, jeder von uns, der seine heilige Regel mehr nach dem Gesetze der Liebe, alsnach dem des Zwanges beobachtet habe, werde nun das Andenken an seine Mutter, die Societät,so Werth halten, daß er auch nach ihrem Tode ihrer Anweisung gemäß gerne leben werde,so lange es sich thun ließe, oder, was dasselbe sage, so lange wir uns noch im Probhanse auf-zuhalten hätten. Hierauf gab er das Zeichen zur geistlichen Lesung. Mir fiel nun wohl ein,daß ich wieder zu meinen lieben Eltern nach Hause müßte. Allein da mich das Gesetz der Liebe,an welches uns der Manudnctor erinnerte, noch immer an meine heilige Regel hielt, so wagteich es nicht, mit Wissen und Willen an Sie und an das elterliche Hans zu denken, eine Sache,die ohne Verletzung der Regel nie anders geschehen darf, als in der Absicht, für Eltern undAngehörige zu beten. Ein so eifriger Christ, wie Sie, mein bester Papa, weiß beinahe so gutals ein Geistlicher, daß es heiligere Bande giebt, als jene der sündhaften Natur, und daß einMensch, der dem Fleische abgestorben ist und nur noch dem Geiste lebt, eigentlich keinen andrenVater mehr haben könne, als den himmlischen, keine andere Mutter, als seinen heiligen Orden,keine anderen Verwandten, als seine Brüder in Christo, und kein anderes Vaterland, als denHimmel. Die Anhänglichkeit an Fleisch und Blut ist, wie alle Geistlchrer einstimmig behaupten,
*) So hieß der Saal, in welchem die Novilien den Tag über sich aufhielten.
**) Dieser war ein Novitius, dem die untergeordnete Aufsicht über alle seine Mitglieder anvertraut war. Erkündigte ihnen jede von dem Rector ihnen auferlegte Verrichtung an, und zwar aus folgende Weise: Er klingelteeinmal, und da mußten alle Novitien von ihren Stühlen aufstehen, das zweitemal, und alle mußten auf die Knieefallen und den Befehl erwarten, den er nach dem dritten Geläute gab, entweder zum Lesen oder zum Tafeldeckenoder zum Nuskehren der Gänge u. s. w.