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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Knabenschulen.

auch der wilde Knabe ihm nicht zu verweigern vermag, der ruhig und fest auftritt,dabei der jugendlichen Munterkeit Rechnung trägt und Gewissen und Ehrgefühl derSchüler rege zu erhalten weiß, wird hier am besten am Platze sein und bald gutenErfolg und Freude erleben. Dabei thut in diesen Schulen eine Art militärischen Wesensgute Wirkung; wenigstens erinnert sich Vers, immer noch mit Lust einer Knabenschule,die er vor nahezu 40 Jahren öfters besuchte, in welcher Commando, Haltung, Tempound Ordnung militärisch waren und in Fortschritten und Zucht wenig zu wünschenübrig blieb.

Literatur: Fr. H. Ehr. Schwarz, die Schulen, Leipzig 1832; vr. G. A.Ri ecke, Erziehnngslehre, Stuttg. 1851. Stockmayer.

Klmbcnsemiiiar. *)

*) Für die Knabenseminarien der katholischen Kirche haben wir einen katholischen Referentenzu gewinnen gesucht, aber trotz aller Bemühungen, namentlich ungeachtet der Zusicherung derAnonymität, keinen gefunden. Zu einigem Ersätze geben wir einen Brief, welchen der bekanntePhilosoph Karl Leonh. Reinhold (geboren 1758 ) nach Aufhebung des Jesuitenordens von demProbhaus zu St. Anna in Wien aus an seinen Vater schrieb (vrgl. K. L. Reinholds Leben undliterarisches Wirken, herausgegeben von E. Reinhold. Jena 1825 , S. 5 ff.)

Probhaus bei St. Anna, den 13 . Sept. 1773 ."

Gnade und Friede unseres Herrn sei mit Ihnen, bester Herr Vater!

Nun ist denn also das Strafgericht, das dem Unglauben und der Sittenlosigkeit unsererheutigen Welt und leider auch der Lauigkeit unserer Novizen so lange her angedroht wurde,endlich über uns ausgebrocheu; unsere heilige Mutter, die Gesellschaft Jesu, ist nicht mehr, undwahrscheinlich bin ich nicht der erste, der ihnen diese schreckenvolle Nachricht bringt. Aber derHerr ist gerecht, und wir werden nicht ungewarnt gezüchtigt. Die Weissagung an die gesammteChristenheit:Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe werden zerstreut werden," unddie Drohung an unsere Novizen:Weil ihr weder kalt noch warm seid, will ich euch ausmeinem Munde ausspeien," waren doch so deutlich. Unser Pater Rector hat sie uns wohl hundert-mal wiederholt und wer hat sich daran gekehrt? Ich kann und will meinen Nächsten nichtrichten; aber von mir selbst muß ichs zu meiner wohlverdienten Schande sagen, daß mein un-geistiges Bestreben allein sträflich genug war, um der Langmuth Gottes ein Ende zu machen. Washaben nicht unsere frommen und weisen Oberen alles gethan, um das Rachschwert der göttlichen Ge-rechtigkeit aufzuhalten! Schon vor einigen Monaten ward eine Alufolien unseres Pater Generalsimksksotoi'ium vorgelesen, welche durch alle vier Welttheile herumgeschickt wurde, und uns alle zumgemeinschaftlichen Gebete und zu außerordentlichen Bnßwerken aufforderte, um ein großes Uebel,welches unserem Orden und der Christenwelt bevorstünde, abzuwenden. Unser Pater Provincial befahluns, den vollkommenen Ablaß, den er uns bei seiner Ankunft zur gewöhnlichen Visitation an-kündigte, wie auch nicht minder das hohe Verdienst der heimlichen Gewiffensrechenschaft, die wirihm ablegen mußten, für die Intention des Pater General anfzuopfern. Unser Pater Rectorließ das wunderthätige Gnadenbild der seligsten Jungfrau auf der Treppe des zweiten Stock-werkes aufs prächtigste ausschmncken und vor demselben von uns durch drei Tage und NächteBetstunden halten. Die ganze Zeit dieser Andacht hindurch nahmen wir Novizen unsere Speisenauf dem Fußboden sitzend und die Patres knieend ein. Der ganze Vorrath von Strohkränzen*)war schon eine Viertelstunde vor der Mahlzeit unter Priester und Novizen vertheilt, und außerden öffentlichen, allgemeinen Dorsaldisciplinen**) hatte jeder seine besondere Erlaubnis für einespanische auf alle Tage. Unsere Bet- und Bußtage waren endlich vorüber, und da wir, außermit unseren Vorgesetzten, mit keinem Menschen, nicht einmal aus unserem Orden selbst, sprechendürfen, so konnten wir auch nichts erfahren, was uns in der Zuversicht, bei Gott erhört zu seinstören konnte.

Wir brachten den letzten Donnerstag, wie gewöhnlich, außerhalb der Stadt in unseremGarten zu und waren alle unter einander recht fröhlich im Herrn. Ich gewann auf dem Billardezwölf Ave Maria's, die Strottmann, und auf dem Bosselplatze wiederum fünf andere, die Poller

') Sie hießen auch Eselskronen, nn!> wurden von den Jesuiten bei der Tafel auf dem Haupte, statt des Baretteszur Bußübung getragen.

**) Dorsaldisciplin hießen Geißelstreiche auf den Rücken zwischen Ven Schultern. spanische Disciplin dieselbenein paar Spannen weiter unten.