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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Knabenschulen.

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Literatur heute noch nachzuwirken, da in fast allen Schriften über dieSchulen" wovon Schulen überhaupt die Rede ist, vorzugsweise die Knabenschulen (oder die gemischtenSchulen) gemeint sind, den Mädchenschulen aber besondere Abschnitte gewidmet werden.Mag man in der Theorie über die Trennung der Geschlechter urtheilen, wie man will(s. d. Art. Geschlechtertrennung), so sind einmal thatsächlich abgesonderte Knaben- undMädchenschulen vorhanden, sowohl in Städten, wo solche Trennung zur Nothwendigkeitgeworden ist, als auch in größeren Landgemeinden, wo man gerne die Städte nach-ahmt, und sie verdienen deswegen auch unsere besondere Beachtung.

In Städten haben diese Knabenschulen gewöhnlich ein eigenthümliches Gepräge,insofern die fähigeren Söhne bemittelterer Familien gewöhnlich die höheren Schulan-stalten besuchen und darum in die Knabeuclassen der Volksschule mit wenigen Ausnahmensolche Knaben kommen, welche entweder die natürliche Fähigkeit für einen höherenUnterricht oder die Mittel zum Besuch einer höheren Schule nicht haben und außerder Schule entweder zur Handarbeit angehalten oder sich selbst völlig überlastenwerden. Wenn dies auch in den unteren Abtheilungen nicht durchgängig der Fall ist,indem einzelne Schüler aus ihnen auch in höhere Schulen übergehen, so tritt es um socharakteristischer in den oberen Abtheilungeu hervor. Man hört in dieser Beziehung viel-fältig aus dem Muude von Knabenschullehrern Klagen über ihre schwerere Aufgabe, unddie Billigkeit erfordert allerdings eine Rücksicht auf diese Art der Schulbevölkernng beider Prüfung der Leistungen und des disciplinarischen Zustandes der Schule.

Daß für solche Schulen nur männliche Lehrer taugen, bedarf keines Nachweises.Auch in der Abtheilung der jüngsten Schüler, die großeutheils auf der Gasse schonverwildert sind, würde eine Lehrerin schwerlich die nöthige Zucht und Ordnung hand-haben können. Die Unterrichtsaufgabe ist dieselbe wie in der Volksschule überhaupt.Der Religionsunterricht ist die Hauptsache, um den Söhnen von Eltern, die in derErziehung nachlässig sind, einen guten sittlichen Halt für ihr künftiges Leben zugeben. Unter den andern Unterrichtsfächern tritt wohl das Rechnen und der schrift-liche Aufsatz am ineisten hervor, weil diese den Schülern in den späteren Berufsver-hältnisten besonders dienlich sind. Auch dem Zeichnen und der Formenlehre sollte wiedem Nöthigsten aus der Weltkuude Zeit und Sorgfalt gewidmet werden; denn die Knabenin diesen Schulen gehen wie andere nachher zu Handwerken und zur Landwirthschastüber und sollten, so weit die Volksschule dies zu leisten im Stande ist, auf diese Be-rufsarten vorbereitet werden. Bei der Wahl des Stoffes in den einzelnen Fächern undbei der Behandlung desselben sollte mau dieses Ziel stets im Auge haben; ja es sollteauch darauf Bedacht genommen werden, daß die Knaben nicht durch Mangelhaftigkeitdes Schulunterrichts später genöthigt sind, aus den niedersten Stufen der Landwirth-schaft und der Gewerbe stehen zu bleiben, sondern jedenfalls in den Fortbildungsschulen,welche wenigstens in größeren Gemeinden immer häufiger werden, mit den aus anderenLehranstalten hervorgegangenen Schülern gleichen Schritt halten können. Was die Formund den Ton des Unterrichts betrifft, so erfordert die Eigenthümlichkeit der Knaben-natur, daß neben der Anschauungs- und Einbildungskraft mehr der Verstand als dasGefühl der Schüler in Anspruch genommen und der Unterricht stets in sicherem Taktemit Entschiedenheit des Wissens und des Willens ertheilt werde.

Dasselbe gilt von der Schulzucht und Schulerziehung. Ein empfindlicher, reizbarerMann, der jede Unart, jeden Muthwillen, jede Trägheit und Nachlässigkeit der Schülerals persönliche Beleidigung aufnimmt, taugt nicht an solche Schulen und richtet inihnen nicht viel aus. Ebenso verfehlt aber wäre es, die wilden Bursche durch fortge-setzte und gesteigerte körperliche Züchtigungen in Ordnung bringen und erhalten zuwollen. Wenn gleich der Stecken nicht ganz entbehrt werden kann, muß man sich dochsehr hüten, die ohnehin rauhe und vom Hause und von der Gaffe her oft schon ge-wissermaßen hartschlägig gewordene Knabennatur noch hartschlägiger zu machen undvöllig abzustumpfen. Ein Lehrer, der durch seinen Charakter Achtring einflößt, die