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Klosterschulen.
Wortung vorgelegt. Zugleich hatte man aber damit die weitere Frage verbunden, „obes vielleicht gut wäre, je zwei Klöster in eines mit vier Professoren — zusammenzu-schmelzen und dadurch den Bortheil zn erzielen, daß nicht ein Professor so viele undmancherlei Pensa vorzutragen Hütte." Ein Jahrzehnt später kanien die beabsichtigtenReformen zur Ausführung.
Durch die Organisation vom 18. März 1806 wurden die beiden Altersclasseu derKlosterschulen Blaubeuren und Denkendorf in dem neu errichteten Seminar (dies warvon nun an der officielle Name) Schönthal, die beiden höheren, Bebenhausen undMaulbronn in Maulbronn vereinigt. Diese Vereinigung brachte ganz die gleichenNachtheile, über welche schon im 17. Jahrhundert Klage geführt worden war. —Zweckmäßig waren die Reformen, durch welche die Anstalten den Charakter von Klösternmehr und mehr verloren. Dahin gehörte die Aufhebung des sogenannten Chors undder Vesperlectionen, die Erlaubnis in der Recreationszeit ohne besondere Anfrage spa-zieren gehen zn dürfen, die Gestattung von Besuchen bei Honoratioren. Auch dieKleidung verlor mehr und mehr den mönchischen Charakter. Die Zahl der Unterrichts-stunden ward für das niedere Seminar auf 33, für das höhere auf 31—32 festgesetzt.Davon kamen auf den Religionsunterricht 2 Stunden, auf das Hebräische 4, auf dierömischen Autoren 9, auf die griechischen 6, auf die Extemporaneen und Hebdomada-rien 2, und zwar waren für diese 23 Stunden beide Promotionen vereinigt. In demnieder» Seminar hatten sie überdies eine Stunde in der deutschen Sprache und eineStunde in der alten Geschichte gemeinsam. Getrennt waren beide Promotionen desnieder» Seminars für die weiteren Hebungen in den alten Sprachen niit 2, für dasFranzösische mit 2, Arithmetik 2, Geographie 1, Psychologie (bei der jüngeren), Moral(bei der älteren Promotion) mit 1 Stunde wöchentlich. Die beiden Promotionen deshöheren Seminars waren gesondert für deutsche Aufsätze und Declamiren 1 St., Fran-zösisch 2 bei der jüngeren, 1 bei der älteren Promotion, Geometrie, Trigonometrie,Physik 4, Geschichte 1, Logik (bei der jüngeren), natürliche Theologie oder auch allge-meine Sprachlehre (bei der älteren Promotion) 1. Zu den Unterrichtsgegenständen desnieder» Seminars kam später noch alte Geographie und Mythologie.
Hatte man durch Aufnahme weiterer Unterrichtsfächer den Forderungen der Zeitnachgegeben, so schien die Vermehrung des Lehrerpersonals (es waren außer dem Vor-stande vier Professoren angestellt) allen wissenschaftlichen Bedürfnissen zu entsprechen.Dennoch befriedigten die combinirten Anstalten auch in wissenschaftlicher Hinsicht nichtdurchaus; noch weniger allerdings hinsichtlich der Erziehung. Es fehlte, da die Lehrerihre Wohnungen zu fern hatten, an der unmittelbaren, steten Aufsicht, so daß die obengeschilderten Mängel um so ungehinderteren Spielraum hatten. Indessen war eineInstitution wohlthätig: jede der beiden Promotionen war in vier Abtheilungen getheilt,welche den vier Professoren zu specieller Aufsicht und Leitung ihrer wissenschaftlichenRichtung und ihres sittlichen Betragens zugewiesen waren.
II. Schilderung des gegenwärtigen Zustandes. Die unverkennbaren Nachtheileder zuvor geschilderten Einrichtungen legten das dringende Bedürfnis organischer Aende-rungen nahe. So begann man seit dem Jahre 1817 der Reihe nach vier Seminarienzu errichten: Blaubeuren, Urach, Maulbronn, Schönthal. Nun wird jedesJahr abwechselnd in eines dieser vier Seminarien eine „Promotion" ausgenommen undals eine Classe durch einen vierjährigen Cursus hindurchgeführt, nach dessen Beendi-gung die einen zum Studium der Theologie (in dem Stift zu Tübingen oder außer-halb desselben in der Stadt) legitimirt werden, die übrigen in andere Berufskreiseübergehen. Die leer gewordene Stätte wird hierauf von einer neu einrückenden Pro-motion besetzt. — Mit dem Lehrerpersonal ward eine vortheilhafte Aenderung vorge-nommen. Indem die geistliche Würde eines Prälaten und Generalsuperintendentenvon dem Beruf des Seminarvorstandes getrennt ward, war es diesem, der nun denTitel Ephorus erhielt, möglich gemacht, seine Aufmerksamkeit ungetheilt der ihm unter-