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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Klosterschulen.

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geräumt oder occupirt hat: Thätigkeit der Jesuiten (s. d. Art.), der Piaristen (Väterder frommen Schulen), der Ursstlinerinnen, der Brüder der christlichen Schulen (Igua-rautius) rc.; daneben zum Theil auch Wiederaufleben der Benedietinerschulen; allesin umfassender und durchgängiger Beziehung auf das Gcsammtinteresse der Kirche undim bewußtvollsten Gegensätze zu dem auf protestantischer Seite Gestalteten. 7) Dieklösterliche Jugendbildung hinter der allgemeinen Entwicklung des geistigen Lebens zu-rückblcibeud, mühsam in den alten Formen sich bewegend, mehr und mehr das Vertrauender Welt verlierend, dann unter die Controle des Staats genommen (wie in Oester-reich seit Maria Theresia) oder durch Gewaltstreiche beseitigt (Aufhebung des Jesuiten-ordens, Zeitalter der Revolution). Die Gestaltungen der Restaurationszeit, welche sofortauch die Jesuiten zurückbringt, gehören einer noch nicht abgeschlossenen Periode an.

Unstreitig läßt eine so gedachte Geschichte der Klosterschulen eine nicht bloß vielfachanziehende, sondern auch sehr lehrreiche Behandlung zu. Dabei kommt nun noch Fol-gendes in Betracht. 1) Der Geist der Askese hat fast immer in die klösterliche Er-ziehung und Unterweisung etwas krankhaftes gebracht und zu Verkennung auch der inhöherem Grade berechtigten Bedürfnisse der Zöglinge geführt, in Zeiten aber, wohierarchische Tendenzen sich anschlossen, zu sehr bedenklicher Verbildung der jugendlichenGeister, zu schwärmerischen und fanatischen Erregungen verleitet. 2) Bei allen Wan-delungen klösterlicher Bildungsweisen haben durch alle Jahrhunderte gewisse Grund-formen sich erhalten und sind auch in Zeiten mächtiger Erschütterungen der Kirche nichtgänzlich verschoben oder verwischt worden, so daß wir im ganzen eine wunderbareStetigkeit nicht der Entwicklung, aber der Praxis warnehmen. 3) Die Blüte solcherSchulen ist doch immer wieder durch die persönliche Tüchtigkeit einzelner Klostervorsteheroder Lehrmeister bedingt gewesen, weshalb nicht selten auch einem raschen Aufblühenein eben so rasches Zusammensinken hat folgen können. 4) Das im ganzen Geleistetesteht doch in keinem rechten Verhältnis zu den außerordentlichen Mitteln äußerlicherArt, welche so vielen Klöstern zur Verfügung standen, wobei man immer noch anerkennenmag, daß gar manche segensreiche Wirkungen jeglicher Betrachtung sich entziehen.L) Auch die elastischen Studien, obwohl im Unterrichte der Klosterschulen gewöhnlichstark bevorzugt, haben doch selten eine recht erfrischende Wirkung ausgeübt, haben selbstin formaler Beziehung nicht oft wahrhaft bildend sich erwiesen und sind zu Zeiten auchgröblich vernachläßigt worden, weshalb dann die Humanisten in den Klosterleuteu diewiderwärtigsten Vertreter der Barbarei sehen konnten. Immer jedoch wird für unbe-fangene Betrachter viel anziehender und beachtenswerther Stoff übrig bleiben. Zumanchen Untersuchungen auf diesem Gebiete ist übrigens noch kaum ein ernstlicher Anfanggemacht, und manchen Fragen fehlt noch ganz die Antwort. Besonders lehrreich dürftendurchgeführtere Vergleichungen sein, z. B. zwischen den Klosterschulcn Deutschlands undItaliens im 10. und 11. Jahrhundert, zwischen den Jesuitencollegien Frankreichs undPolens, zwischen Fulda und St. Gallen, zwischen Klosterschuleu und Domschulen rc.

Für das Speziellere ist auf die in diesen Kreis gehörigen Artikel dieses Werkeszu verweisen. Ueber die Klosterschulen des Mittelalters, an die man in der Regelzunächst und zumeist denkt, wenn von Klosterschulen die Rede ist, wird der umfassendereArtikel Mittelalterliches Schulwesen das Nöthige zusammenstellen. Bei denbesonder» Artikeln hat auch die Literatur am besten ihre Stelle. Hier mag es genügen,auf die Darstellungen von Schmidt, Gesch. der Pädagogik Bd. 2 u. 3, von Cramer,Gesch. der Erziehung und des Unterrichts in den Niederlanden (Stralsund 1843) undvon Heppe, Das Schulwesen des Mittelalters (Marburg 1860) aufmerksam zu machen.

Von den protestantischen Klosterschulen (in Württemberg, Sachsen rc.) ist hier zureden kaum angemessen. Sie tragen ihren Namen zum Theil doch nur darum, weilsie in ehemaligen Klöstern ihren Sitz erhalten haben, und wo in ihnen klösterliche For-men und Einrichtungen irgendwie festgehalten worden sind, da ist doch der in ihnenwaltende Geist von Anfang an ein anderer gewesen. (S. d. folg. Art.) H. Kümmel.