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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Klosterschulen.

immer in klösterlicher Stille Großes geleistet und auch manches, worauf in Wahrheitdas Streben nicht gerichtet war, ansgerichtet worden, zu verschiedenen Zeiten in sehrverschiedener Weise. Wie sehr auch der asketische Geist eine gesunde, in Liebe freieund befreiende Thätigkeit erschwerte, so hat doch in Zeitaltern, wo unter seiner Pflegeund Verwaltung alle höhere Bildung, alle wissenschaftliche Tradition stand, die um dieKlöster gelagerte Welt, die in so vielen andern Beziehungen vertrauend auf sie blickte,gern auch ihre Kinder ihnen zugeführt und mit dem, was sie geben konnten, ansstattenlassen. Und wirklich kann man sagen, daß zuweilen die Welt ihre Jugend dem Klosterviel eifriger zugeführt, als dieses nach derselben verlangt hat, während freilich zu andernZeiten die Ordensleute alle Mittel anfgeboten haben, die Jugend an sich zu ziehen.

Indes auch im erstern Falle ist die Pädagogik der Klöster eine sehr wirksame gewesen,

indem sie viele Herzen für immer dem klösterlichen Leben gewann, andere mit einer

Bildung in das Weltleben entließ, daß dieses in aller Weise vom Geiste der Askese

seine Anschauungen färben, seine Ideale sich stellen, seine Thätigkeit leiten ließ; in den-jenigen Perioden aber, wo die Kirche mit klarem Bewußtsein des Nothwendigen durchgroße Orden die ihrem Einflüsse sich entziehende Welt wieder zu gewinnen strebte, istgerade auch die Bildung der Jugend in den Klöstern als ein besonders wirksamesMittel angesehen worden.

Gewiß wäre nun eine Geschichte der Klosterschulen eine sehr lohnende Aufgabe.Vergegenwärtigen wir uns in aller Kürze, welchen Gang dieselbe zu nehmen, welcheGcsichtSpuncte sie durchzuführen hätte. Dürfen wir, was jedenfalls zuläßig ist, denBegriff der Klosterschule so fassen, daß wir alle vom Geiste der Askese beherrschteJugcndbildung in den Kreis unserer Betrachtung ziehen, so ergeben sich sieben Periodenfür eine Geschichte der Klosterschulen. 1) Die klösterliche Jngendbildnng unter demEinflüsse des griechischen Mönchthums im Osten wie in Südgallien, Irland, Schottland,Britannien (vergl. Bd. I. 531); neben Basilius von Cäsarea würde hier noch besondersChrysostomus zu nennen sein, der ganz ausdrücklich verlangte, daß die Schulen derKlöster auch auf Laien sich ausdehnen möchten, und die Eltern ermahnte, ihre Kinder.10, ja 20 Jahre in die Klöster zu schicken, um sic dort in der Frömmigkeit recht be-festigen zu lassen (st Schröckh, Bd. VIII. 228). 2) Die klösterliche Jugendbildnngunter dem Einflüsse der Benedictiner vor Karl d. Gr. (vgl. Bd. I. 532 ff.): langsames,aber stetiges Vordringen und Durchdringen innerhalb der unter heftigen Conflictcn zuneuen Gestaltungen sich emporringenden germanischen Welt, bei einem merkwürdigenGegensätze zu dem noch vom Geiste der griechischen Kirche bestimmten, minder ener-gischen Mönchthum der Iren und Schotten. 3) Die klösterliche Jugendbildnng unterdeni Einflüsse der Benedictiner seit Karl d. Gr. bis zum Ende des 11. Jahrhunderts:Blütezeit der Benedictinerschulen in Deutschland, Frankreich, England, weniger inItalien; Aufschwung der elastischen Studien; Wetteifer mit den Domschulen (s. d. Art.);die durch die Cluniacenser hervorgerusene Bewegung ungleich weniger wichtig für Schuleimd Studienwesen, als für Entwicklung der Hierarchie. 4) Der beginnende Verfall derKlosterschulen seit Gregor VII.; allmähliches Zurücktreten der Benedictiner und Verfallihrer Schulen, Shells infolge der mit den Kreuzzügen eingetretenen freieren und mannig-facheren Bewegung des Völkerlebens, theils infolge der mitten im Volksleben sichentwickelnden Thätigkeit der Bettelorden, theils infolge der Begünstigung, welche diePäpste (Jnnocenz III.) den Kathedralschnlen zuwenden, theils endlich durch die Ent-wicklung der Universitäten und der von ihnen gepflegten Scholastik. 5) Die klöster-liche Jugendbildnng vorzugsweise in den Händen der Franziskaner und Augustiner, beiwachsender Concurrenz der Stadtschulen, die freilich auch andern kirchlichen Schulengefährlich werden, während zugleich die Hieronymianer (s. d. Art.), halb klösterlich,halb weltlich, in neue Bahnen hineinleiten. 6) Die klösterliche Jugendbildnng im Zu-sammenhänge mit der großartigen, alle Mittel aufbietenden Reaction gegen den Pro-testantismus, der Hunderte von Klöstern mit ihren verkümmerten Bildungsstätten weg-