Druckschrift 
4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

Kleinkindrrschulcn.

55

und dem Unterrichte derselben nicht vorgreifen darf. Wenn daher von mancher Seite,z. B. von Schwarz (die Schulen" S. 6) noch ein Unterschied gemacht wird zwischen'der Bewahranstalt und der Klcinkindcrschule, den schon Schwabedie Be-wahr- oder Kleinkinderschule" Neustadt a. d. O. Ausgabe 1834) gerügt hat, wenn andereauf diesem Gebiete sogar drei verschiedene Anstalten, die Kinverpflegea nstalt, dieBewahranstalt und die Klcinkinderschule unterscheiden, so ist in diesen Unterschie-den zwar eine Andeutung der verschiedenen Abtheilungen, welche in der Bewahr-anstalt hervortreten werden, aber durchaus keine Modisication des Wesens und Prin-cipes dieser Anstalten anzuerkennen und allezeit geltend zu machen, daß der NameKleinkinderschule nur mit den nöthigen Restrictionen auf dieselben angewendetwerden darf.

Nun ist hier freilich ein Fortschritt von der bloß körperlichen zur Pflege des Geistesgegeben, aber der Unterschied zwischen^der Schule und der Bewahranstalt ist ein durch-aus fester. Er besteht darin, daß in der letzteren für die geistigen Beschäftigungennicht die Stetigkeit der geistigen Thätigkeit, nichtderZusammenhang des Gegen-standes und nicht ein besonderes Gebiet des Wissens oder Könnens maßgebend seindarf, sondern die Objecte der Unterhaltung und Belehrung frei ans der Fülle des Lebensund der Natur gewählt werden und die geistigen Hebungen den ganzen Menschen nachallen Seiten seines Wesens betreffen sollen; daß ferner die ethische Grundlage desganzen Verhältnisses zwischen dem Leiter und den Kindern nicht die einer gesetzlichenOrdnung, sondern die väterliche und mütterliche Liebe und Auctorität ist. So wechselndenn Belehrungen zur Erweckung der ersten religiösen und sittlichen Gefühle in derKinderseele, biblische und andere moralische Erzählungen, Vorsprechen und Nachsprechenkleiner Sprüche und Lieder, Hebungen der Sinne, der Sprache, des Verstandes, Anschauungenund Erklärungen von Naturgegenständcn und Verhältnissen des gemeinen Lebens, Hand-arbeiten, Gesänge und Spiele. Durch diese, immer etwas neues darbietcnde, allscitigeAnregung der geistigen Fähigkeiten wird das Kind weit richtiger für die Schule vor-bereitet, als dadurch, daß gewisse Thcile des Elementarunterrichts vorweggenommenwerden. Die Kinder der Bewahranstalt sollen nichts leisten, als das, wozu sie ebenaufgelegt sind, sollen nichts lernen als das, was sie eben gelegentlich anfnehmen,und sollen keine besondere Pflicht erfüllen, sondern in jedem Augenblicke nur die all-gemeinen Pflichten des gehorsamen Kindes. Da sich indessen viele Kinder durch ihretreffliche Auffassungsgabe und ihr außerordentliches Gedächtnis auszeichnen, und da esimmer Erwachsene giebt, welche der Versuchung nicht widerstehen können, über dieGrenzen ihres Berufes hinauszugehen, so liegt die Versuchung sehr nahe, daß dieLeiter dieser Anstalten ans Eitelkeit oder unbedachtsamem Eifer den Schwerpunct ihrerWirksamkeit in der Menge der von den Kindern angceigneten Kenntnisse und der sicht-bar hervortrctendcn Fortschritte derselben finden. Schon Wild er Spin warnt vor der-gleichen Nebcrschreitungen und giebt zu bedenken, daßdas Einlernen unverstandenerWorte ein eitles für alle zukünftige Bildung des Kindes schädliches Treiben ist."Leider wird dieser Jrrthum nur zu oft durch diejenigen Personen, Geistliche, Bezirksvor-stehcr re. gekräftigt, welche solche Anstalten beaufsichtigen sollen, und welche bei denJnspectionen derselben sich durch die vorgeführten Leistungen der Kinder bestechen lassen.SolcheJnspectioncn dürfen keine Prüfung der Kinder, sondern nur die Eontrolledes Leiters beabsichtigen. Am verderblichsten wirkt dieses Uebermaß auf dem reli-giösen Gebiet. Wenn da lange Lieder und Gebete gelernt, Hebungen im Knieen undHändefalten gemacht, diese erlernten Aenßcrungen des religiösen Gefühls vor Versamm-lungen oder einzelnen Fremden producirt werden, so kann Wohl nichts erdacht werden,was der Entwicklung der wahren Herzensfrömmigkeit schädlicher ist und die Keuschheitdes religiösen Gefühles tiefer verletzt. Nützlich und den späteren Zwecken des Schul-lebens vorarbeitend ist es dagegen, daß für immer eine strenge Ordnung gehandhabtWird, so daß z. B. die Kinder das Herbeiholen oder Wegbringen ihrer Bänke, Spiel-