Druckschrift 
4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

50

Kleinkinderschulen.

würden. Auch wir sagen, Ehre dem Andenken eines Mannes, der, wie wenige, inuneigennütziger Begeisterung für das Wohl der Menschheit gewirkt hat! Und in demGeiste solcher Männer ist es gerade am wenigsten gedacht, wenn man ihre Zwecke nurin der von ihnen ausgebildeten Form zu erreichen strebt. Es wäre daher die würdigeund ersprießliche Aufgabe besonders derjenigen Schule, welche sich nach Fröbel nenntund in der zum Theil noch bedeutende Anregungen seiner persönlichen Erscheinung fort-wirken, die ganze Idee und Methode seines Kindergartens einer gründlichen Prüfungzu unterziehen, die gesunden und lebenskräftigen Triebe dieser Idee zu pflegen, dieungesunden und unhaltbaren Theorien aufzugeben und so denKindergarten" in dasrechte Verhältniß zum Leben und zum Ganzen der Erziehung zu setzen. Leider scheintindessen diese Aufgabe den gegenwärtigen pädagogischen Vertretern des Kindergartensnoch fern zu liegen. Man begegnet bei ihnen immer wieder den unvermittelten Frö-belschen Gedanken, und eine gewisse geistige Unfruchtbarkeit, die immer nur das oftBehauptete aufs neue wiederholt, charakterisirt diese ganze Literatur. W. Langeselbst beginnt das Vorwort zu der von ihm herausgegebenen Schrift W. Middendorffsüber die Kindergärten (Hamburg 1861 ) mit der Klage, daßdie innere Entwicklung derFröbelschen Sache gegenwärtig mit der äußern nicht gleichen Schritt halte;" die refor-matorischen Tendenzen dieser Schule würden sich daher zunächst auf dem eigenen Gebieteder Kindergartenpädagogik geltend machen müßen, und erst die weitere Entwicklung derSache wird wohl die Frage entscheiden können, ob dem Kindergarten eine größereBerechtigung, als die oben ausgesprochene, der Kinderbewahranstalt analoge, beizu-legen sei.

Was die Organisation dieser Anstalten betrifft, so richtet sich die der Klein-kinderbewahranstalten, welche überall von Vereinen unterhalten werden, nachder Höhe der dargereichten Mittel und behält ihrer Bestimmung gemäß, Kinder deruntern Stände aufzunehmen, immer eine gewisse Einfachheit. Wesentlich bedingt wirdferner die Einrichtung durch das Alter, für welches die betreffende Anstalt eigentlicherrichtet worden ist. Wird, wie es früher mehr als gegenwärtig geschah, bis aufKinder von einem Jahre oder gar einem halben Jahre zurückgegriffen, so sind Wär-terinnen in größerer Anzahl nöthig, und die Bewahranstalt nimmt dann wenigstenszum Theil die Aufgabe der sogenanntenKrippen" in sich auf. Dies ist jedoch inDeutschland gegenwärtig fast nirgends mehr der Fall, und ist der Eintritt in die An-stalt gewöhnlich an das vollendete zweite Jahr geknüpft. Da indessen die bloße Alters-grenze immer etwas ungewisses hat, weil innerhalb derselben die Entwicklung derEinzelnen noch eine sehr verschiedene sein kann, so erscheint es angemessener, die Auf-nahme in diese Anstalten an die Bedingung zu knüpfen, daß das Kind mit Sicher-heit gehen und mit Vernehmlichkeit reden können müße. Die Frage, obdie Leitung der Kinder in diesen Anstalten männlichen oder weiblichen Personenanvertraut werden müße, kann eigentlich nur zu Gunsten der letzteren beantwortetwerden, wenigstens sollte der größte und wesentlichste Theil der Beschäftigung mit denKindern der weiblichen Hand überlassen bleiben. Denn es gilt ja, in diesen Anstaltenden Kindern die Mutter zu ersetzen. Und dieses wird immer nur ein weibliches Wesenkönnen; nur ein solches steht den Kindern nahe genug, um sie mit Leichtigkeit zu ver-stehen und von ihnen verstanden zu werden, und vereinigt mit dem Scharfblicke fürjene Kleinigkeiten, welche im Leben der kleinen Kinder zu wichtigen Dingen werden,die Milde und Geduld, welche das Vertrauen der Kinder zu gewinnen weiß. Da vieledieser Anstalten von Frauenvereiuen gegründet worden sind, welche die Beaufsichtigungund Unterhaltung derselben übernommen haben, so ist auch in dieser Beziehung wün-schenswerth, daß die Pflege der Kinder vornehmlich weiblichen Händen anvertraut sei,damit zwischen diesen Pflegerinnen und den beaufsichtigenden Vereinsgliedern ein natür-licher und leichter Verkehr möglich wird. Aus diesem Grunde wäre es wünschenswerth,auch an die Spitze einer solchen Anstalt eine Frau zu stellen, und somit die gesammte