Kleinkinderschulcn.
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höchstens kommt es zu einer Art Symbolik. Aber diese Symbolik ist eine so abstracte,so schwankend allgemeine, so unsichere, daß zwar Fröbel sehr leicht alle die wohl-gemeinten Ideen, mit denen er sich trug, in dieselbe hineinlegen konnte, daß aber sehrunsicher ist, ob von ihnen auch nur eine leise Ahnung in dein Gemüthe des Kindesaufgehen werde. Bald sollen die Kinder in dem, was sie darstellen, einen Sternerblicken, bald wieder sollen sie in dem Sterne eine Blume schauen. Solche Abs-tractionen liegen aber dem Kinde überall fern, am meisten im Spiele. Schalter (a.a. O. S. 135) hat in dem Capitel über Bewegungsspiele sehr treffend gezeigt, wievorsichtig wir mit dem Urtheile sein müßen, daß das Kind in seinen Spielen nach-ahme, oder daß seine Handlungen symbolischer Art seien. „Für den Knaben",
sagt er in jenem Zusammenhänge, „der auf dem Stocke reitet, hat diese Handlung
gewiß nicht bloß die Bedeutung des Reitens, sie gilt ihm vielmehr als eine besondereArt des wirklichen Reitens." Und eben in dieser für das Kind vollständig realenProduction seiner Ideen liegt der Grund jener Begeisterung, die cs für das Spieloffenbart, und die unerschöpfliche Freudenquelle, die das Spiel ihm bietet. An diesemPnncte tritt schließlich ein sehr auffallender Widerspruch hervor, in welchen Fröbelmit sich selbst geräth. Zu seinen grundlegenden und unendlich oft wiederholten Gedankengehört die Forderung, daß der im Kinde schlummernde Thätigkeitstrieb gewecktwerden solle, daß es selbst denken, handeln, schaffen solle. In der Ausführung
seiner Spiele und Beschäftigungen vermissen wir nichts mehr, als die Beachtung dieser
Forderung. Für die freie Entwicklung der Individualität ist im Kindergarten kein genü-gender Raum gelassen. Aus dem kindlichen Spiele ist das frische Herzblatt der eignenProduction herausgerissen, an welches alles Wachsen und Erstarken der kindlichen Ideengeknüpft ist. Für das einsame und stille Versinken des Kindes in die Tiefe des eigenenahnungsvoll bewegten Gemüthes ist weder eine Stätte noch ein ruhiger Augenblick ge-blieben. Unablässig von außen her angetrieben, bald dieses zu denken, bald jeneszu thun, kommt es nicht zu sich selbst, kommt es nicht dazu, sich auch nur auf seineeigene Neigung zn besinnen, geschweige ihr zu folgen. Und damit geht dann Hand inHand die Verkennung einer der ersten Regeln, welche, so lange Kinder gespielt haben,gegolten hat, der Regel nämlich, daß das Kind im Spiele vorzugsweise sich selbstüberlassen sein will und überlassen werden muß, wenn cs zu jener Concentration aufeine bestimmte Thätigkeit kommen soll, in welcher die eigentliche Bedeutung desKinderspieles wurzelt.
Wenn wir nach alle dem uns dahin entscheiden müßen, daß die sogenannte Kinder-gartenpädagogik keine Berechtigung hat, sich einen reformatorischen Beruf in dem Er-ziehungswesen unserer Zeit zuzuschreiben, da sie in ihren Grundlagen unklar, in ihrerPraxis nach sehr bedeutenden Seiten hin angreifbar ist und principielle Widersprüchein sich trägt, so wollen wir keineswegs die sittliche Liebenswürdigkeit Fröbels, seine edleBegeisterung, ja nicht einmal seine pädagogische Bedeutung überhaupt leugnen. Er hat,und dieser Ruhm wird ihm bleiben, das hohe Verdienst, das Interesse für einen der wich-tigsten und schwierigsten Theile der Erziehung wieder angeregt zu haben, er hat mitSinnig-keit und scharfen! Blicke in vielen belehrenden Einzelheiten die kindliche Natur beobachtet, undwird auf diesem Gebiete, dem er sich zuletzt ganz zugewandt hatte, niemals übersehen werdenkönnen; ja selbst durch die Jrrthümer, in welche er nach unserer Ueberzengung gerathenist, und welche einen großen Theil seiner Mühe und Arbeit unfruchtbar gemacht haben,hat er belehrend gewirkt. Hoffentlich wird das Erbe, welches er unserer Zeit hinter-lafsen hat, nicht ungenutzt verloren gehen. Fröbels Schriften enthalten, trotz der Un-klarheit und Verwirrung, trotz der geradezu verfehlten Voraussetzungen, denen wir inihnen so oft begegnen, einen verborgenen Schatz, der noch nicht gehoben ist, eine Füllegemüthvoller und zarter Andeutungen über das Kindesleben, die, unter richtigerenGesichtspuncten zusammengeschaut, eine nicht geringe pädagogische Ausbeute geben
Pädag. Eucyklopädie. IV. 4