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Kleinkindcrschulen.
gangen ist, und nm wie viel klarer, Heller, ergreifender es in derselben dem Menschennahe tritt. Auch das Christenthum lehrt die Selbständigkeit des Menschen achten, dieLiebe üben, die Eltern ehren rc., und es lehrt dieses alles unendlich tiefer, gründlicherund eindringlicher; aber es gründet solche Lehren nicht auf einen abstractcn Gedanken,der, Weil er gelegentlich ans alles bezogen werden kann, nichts von alle dem mit Sicher-heit lehrt. Eben diese völlig unvermittelte Beziehung eines speculativen Gedankens aufein bestimmtes praktisches Thun, welche dem subjectivcn Belieben, bald dies bald jenesgelegentlich an diesen Gedanken anzuknüpfen, den größten Spielraum darbietet, giebteinem solchen Verfahren den Schein des Geistreichen und der Gedankenfülle, währendes doch in jeden: Augenblicke nur die Verwirrung mehrt. Erinnern wir uns ferner,wie gerade die Idee des Lebens zu den dunkelsten Begriffen aller Specnlation gehört,über welche höchstens innerhalb eines bestimmten philosophischen Systems eine Verstän-digung möglich ist, wie außerhalb des Systems aber schon der Widerspruch, in den dieverschiedenen Definitionen dessen, was das Leben eigentlich sei, mit einander gerathen,uns lehrt, daß wir mit solchen Fragen eben das tiefste Näthsel alles Daseins berühren,und daß ein Standpunet über den: Leben dazu gehört, diese Fragen zu lösen: soWerden wir es für höchst bedenklich erachten müßen, wenn von einem so streitigenPuncte im Reiche des Gedankens ausgegangen wird, um das pädagogische Wirkenaufznhellen und dasselbe, sei es in einem Theile seiner Aufgabe oder überhaupt, zureformiren.
Noch weniger können wir aber in der Idee des organischen Lebens oder des Or-ganismus, wie dieselbe in der exacten Naturwissenschaft auftritt, ein pädagogischesPrincip erkennen. Das Leben der Natur deckt eben nirgends das geistige und sittliche,sondern bleibt überall das unfreiere und untergeordnetere. Die Natur hat in ihrenBelehrungen über sittliche Zustände immer nur die Bedeutung des Symbols. Sie kanndazu dienen, irgend einen Begriff anschaulich zu machen, aber niemals kann sie ihnerzeugen. Wenn die Natur daher reich ist an solchen Zügen, die für die erziehendeund untrrrichtende Thätigkeit, namentlich für die populäre Darstellung pädagogischerGrundsätze, treffliche Vergleichspuncte bieten, so ist sie darum noch lange nicht geeignet,pädagogische Lehren zu geben. Aber der Begriff des Organismus, wie er in derNaturwissenschaft erscheint, ist als solcher ganz besonders ungeeignet, au die Spitzeeines pädagogischen Systems gestellt zu werden. Zunächst schon darum, weil er auchauf dem naturwissenschaftlichen Gebiete zu den streitigsten und dunkelsten Begriffengehört. Die Merkmale desselben, die relative Selbstthätigkeit des organischen Lebens,das zweckmäßige Zusammenwirken seiner einzelnen Theile und der demselben innwoh-nende, die Ernährung, Erzeugung und Gestaltung beherrschende Bildungstrieb, erscheinenkeineswegs auf allen Stufen der organischen Natur mit gleicher Bestimmtheit als uoth-wendige Bedingungen des organischen Lebens, noch gehören sie demselben allein an,wie denn z. B. der Bildungstrieb in dem physikalischen Vorgänge der Ärystallisationganz unverkennbar seine Analogie auch auf dem Gebiete des anorganischen Lebensfindet. Wie ungehörig es aber wäre, Naturgesetze ohne weiteres in Gesetze des gei-stigen und sittlichen Lebens umzudeuten, das zeigt sich gerade an den Begriffen desOrganismus und an der Uedertragung desselben auf ethische Gebiete in schlagender Weise.
Es ist oft darauf hingewiesen worden, daß, wenn von sittlichen Organismengeredet wird, der ursprüngliche Begriff des organischen Lebens in der Natur bereitsaufgegeben ist und gewöhnlich nur eins seiner Merkmale oder eine entfernte Aehnlichkcitmit einem solchen ins Auge gefaßt wird. So fordern wir, daß die Entwicklung einesStaates organisch sein solle, und meinen damit lediglich, daß er sich auf den gegebenennatürlichen Bedingungen seines Daseins, auf den Voraussetzungen, welche in derBeschaffenheit des Landes, in dem Charakter des Volkes und in der bisherigen ge-schichtlichen Entwicklung vorliegen, weiter entwickeln solle. So reden wir von derorganischen Entstehung eines Künstwerkes oder von der organisirten Thätigkeit einer