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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kleinkindcrschulcn.

völlig, daß es kaum einer Widerlegung bedarf. Während so eben ganze Staaten damitumgehen, die Leibesübungen zum obligatorischen Untcrrichtsgegenstande selbst der Volks-schule zu machen, während der Schwerpunct der gesummten neuern Pädagogik in dertieferen ethischen Auffassung der Aufgabe, welche die Erziehung zu lösen habe, und inder Bedeutung liegt, welche der Gcmüthsbildung des Menschen zuerkannt worden ist,ist in der That der Vorwurf, daß die neuere Pädagogik das Kind nur als ein geistiges,Wissendes und lernendes Wesen ansehe, ein völlig unbegreiflicher. Und so kann auch,was derselbe Verfasser als den cigenthümlichen Vorzug der Fröbelschen Erziehung rühmt,keineswegs als unterscheidendes Merkmal dieses Systems angesehen werden. Wenn esda von Fröbel (a. a. O. Vorwort S. IV) heißt, er nehme das Kind vom zartestenAlter an als selbstthätiges, geistig-sinnliches Wesen, knüpfe seine Erziehung an denSpiel- und Beschäftigungstrieb des Kindes und fasse so das Kind entwickelnd durchkörperliche und geistige, innere und äußere, geistige und plastische, intellectuelleund praktisch-technische, künstlerische und wissenschaftliche Bildungsmittel in der Gesammt-heit seines Wesens als Ganz- und Vollwesen, so muß einfach darauf geantwortetwerden, daß noch niemals, am wenigsten in der neuern Zeit, der in diesen Wortenerkennbare Hauptgedanke, daß das Kind in der Totalität seiner menschlichen Anlagenund Wesensbestimmtheiten als Object der Erziehung angesehen werden müße, geläugnetworden. Alles übrige, was an diesen Hauptgedanken sich anschließt, daß die Selbst-thätigkeit des Kindes angeregt, daß Körper und Geist desselben schon in der frühestenZeit gepflegt und daß zu dieser Pflege alle in der Mannigfaltigkeit des Lebens darge-botenen und für das erste KindeSalter geeigneten Mittel angewendet werden müßen,gehört zu den trivialen Wahrheiten der Erziehungswissenschaft und erweckt, mit derEmphase vorgetragen, wie es in der Fröbelschen Schule geschieht, eher den Verdacht,daß diese Schule über die längst bekannten Voraussetzungen vernünftiger Erziehungs-wissenschaft sich in einer gewissen Unklarheit befinde, als daß es zu der Hoffnung be-rechtigen sollte, neue Aufschlüsse über das Wesen der Erziehung von dorther zu em-pfangen. So lange daher nicht präcisere und begründetere Unterscheidungspunctezwischen der Fröbelschen und deralten" Pädagogik angegeben werden, muß der refor-matorische Beruf jener Schule in Zweifel gezogen werden.

Aber in der That begegnen wir bei Fröbel selbst einem solchen Principe, von deinaus sich eine bestimmtere Ansicht über die Eigenthümlichkeit seiner Erziehungsmethodegewinnen läßt. Dieses Princip ist in jener Forderung ausgesprochen, die sich wie einrother Faden durch alle seine Auseinandersetzungen über den Zweck, das Ideal und dieMittel der Erziehung hindurchzieht, daß der Mensch als Gliedganzes angesehenund behandelt werden müße. Fröbel bezeichnet selbst diese Forderung oft als diewichtigste. So in dem Aufsatze: Geist der entwickelnd - erziehenden Menschenbildung(s. Friedrich Fröbels gesammelte pädagogische Schriften, 2. Abtheilung, herausgegebenvon W. Lange 1862 S. 322). Hier sagt er:die Beachtung, Anerkenntnis und Pflegedieses Doppelgefühls, dieses sich-Fühlen des Kindes, oder, wenn man lieber will,dieses sich-Ahnen desselben als Gliedganzes erkenne ich nun als die Gr ndlage,als den Ausgangs-, ich möchte sagen, als den Keim-, Herz- und Quellpunctder echten, wahren, entwickelnd-erziehenden Bildung des Kindes und des Menschen odermit einem Worte der Menschenerziehung überhaupt."

Suchen wir für diesen Fröbelschen Ausdruck einen bekannten und in der Wissen-schaft recipirten, so ist es die Idee des Organismus oder des organischen Lebens,welche die Grundlage der Fröbelschen Pädagogik, insbesondere der Kindergarten-Päda-gogik bildet. Diese Grundlage wird auch von den Anhängern dieser Schule gelegentlichgeradezu als daS Princip ihres Systems dargestellt. So schildert Wichard Lange inseiner Schrift:Zehn Jahre aus meiner pädagogischen Praxis. Hamburg1861" S. 25 f. den Augenblick in seinem Lehrerleben als entscheidend für seineganze spätere Entwicklung, in welchem ihm durch den Fröbelschen Rector die Idee des