Klcinkinderschulcn.
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dem „Buche der Mütter" darzustellen suchte, bereits in der Einseitigkeit seiner methodischenAnsichten so sehr befestigt, daß dieselbe wohl nirgends so auffallend hervortritt, alsgerade hier. Wenn vor Pestalozzi das inhaltsvolle Kinderleben überhaupt zu geringgeachtet worden und in seiner tiefen Bedeutung für das Leben vielfach unerkannt gebliebenwar, so beschwerte Pestalozzi selbst das Kind durch seine systematische, logische undabstracto Methode mit einer Last, der die kindliche Geisteskraft nicht gewachsen war,und nöthigte cS zu einer Arbeit, von der das kindliche Gemüth eher beengt und nieder-gebeugt, als erhoben und befruchtet wurde. Die einseitige Betonung der intellcctnellenBildung, welche in dieser Pestalozzischen Mntterschule herrschte, drohte das Gleichgewichtder Seelenkräfte auf eine unheilvolle Weise zu zerstören. Aber nicht alle Nachfolgerdes bedeutenden Mannes beflissen sich, nur seine Fehler nachzuahmen. Die Mntterschule,die Belehrung der Mütter über die rechte Art, den Geist ihrer Kinder zu Wecken, bliebein stehender Gedanke der deutschen Lehrerwelt und es wurde der Gegenstand mannig-facher Versuche, das, was Pestalozzi gemeint und gewollt, auf eine naturgemäßere undfrischere Art zu erreichen. Die Entwicklung des Kindes in den ersten Jahren wurde inden allgemeinen pädagogischen Werken mit Vorliebe und Nachdruck behandelt, wie ;. B.von I. I. Wagner und von Schwarz. Bon allen Seiten war man bestrebt, denStoff zu sammeln, der für diese ersten Kinderjahre und für die belehrende Einwirkungder Mütter auf die Kinder der geeignetste wäre. Viele Bilderbücher wurden heraus-gegeben, unter ihnen manche gute (z. B. „Erste Nahrung für den keimenden Verstandguter Kinder von ihrer Mutter", Leipzig bei F. A. Leo, 1824 — „Bilderbuch fürwißbegierige kleine Mädchen", Nürnberg bei Fr. Campe, 1822 — „Naturgeschichte derHausthiere", Leipzig bei C. Cnobloch 1820 — re.), Rathschläge für die Beschäftigungder kleinen Kinder ertheilt (z. B. „Praktische Anweisung für Eltern und Erzieher, welcheihre Kinder angenehm beschäftigen wollen". Neustadt a. d. O. 1828 — Tändeleienund Scherze für unsere Kinder von Löhr — „Kleinigkeiten für unsere Kinder" vondemselben), Spiele aufgefrischt, die diesem Alter von jeher lieb gewesen waren undgeeignet hatten, andere erdacht und vorgeschlagcn (z. B. von Hahn in seiner „Wilhelmine")und umfassende Sammlungen aller hierher gehörigen Materialien veranstaltet, unterdenen die schon genannte „Mutterschule" von Fr. Köhler (Berlin bei G. Reimer1840) durch Reichthum und glückliche Wahl, durch sinnige Einleitungen und verständnis-volle Belehrungen über den Gebrauch aller dieser Stoffe noch immer einen der erstenPlätze einnimmt. Von Anfang an waren diese Bestrebungen überdies durch eine tiefereRichtung der deutschen Literatur unterstützt worden, welche, von der romantischen Schuleausgehend und in dem Aufschwünge der germanistischen Studien sich vollendend, es demdeutschen Volke erleichterte, zu einem Verständnis kindlicher Seelenstimmnngcn und naiverZustände zurückzukehren. Auch für die Kinderstube wurden die allbekannten Sammlungenund Dichtungen eines A. v. Arnim, Brentano, Tieck und der Gebrüder Grimmmannigfach fruchtbar.
Daß von alle dem, was in solcher Art mit neubelebtem Sinne für die wahrenBedürfnisse der Kinderwelt gedacht und zusammengetragen wurde, auch die Kleinkinder-schule ihren Nutzen zog, lehrt ein Blick in die ausführlichen Arbeiten, welche der Förderungdieser Anstalten gewidmet wurden. Die Zeit, in welcher in Deutschland mit dein größtenEifer für diese Anstalten gewirkt wurde, fällt zusammen mit derjenigen, in welcher daseben geschilderte Interesse an der Mntterschule, um uns dieses Ausdruckes zur Be-zeichnung des naturgemäßen Verkehrs zwischen Mutter und Kind zu bedienen, sich inder pädagogischen Welt besonders bemerklich machte, ungefähr in die Jahre 1820—1840.Beide Richtungen gehörten zusammen und stimmten im wesentlichen darin überein, daßdem instinctivcn Takte einer liebenden und verständigen Mutter die Leitung des Kindesam besten anzuvertranen sei und daß die Kleinkinderschnle eben nur da, wo die mütterlicheLeitung aus irgend einem Grunde fehle, einzntreten habe. Streng war in diesen Be-strebungen die Grenzlinie des schnlmäßigen Unterrichts gezogen und alles, was etwa