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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kleinkindcrschulen.

selben erreichen kann. Aber gerade in dieser Unmittelbarkeit der Beziehung spricht sichdas sympathetische Verhältnis zwischen Mutter und Kind am deutlichsten ans, welchesdann für die geistige Einwirkung ans das letztere die tiefste und geeignetste Grundlagedarbietct. Denn das geistige Leben des Kindes besteht auch noch lange, nachdem dasKind sprechen gelernt hat, in einer traumartigen Thätigkeit der Phantasie, welche beilebhaften Kindern häufig in Worte übergeht und mit Stecht hat Fr. Köhler (Die Mutter-schule S. 5.) die Kinderwachende Nachtwandler" genannt. In den ersten Anregungendes kindlichen Geistes, durch welche derselbe aus diesem innern Traumleben allmählichin die Welt der Erscheinung geführt werden soll, kommt alles darauf an, daß sie anjene traumartige Lebensform der kindlichen Seele sich anznschließen, daß sie ihr selbstverwandt zu bleiben und doch die Welt der Erscheinung mit ihr zu verbinden wissen.Das ist das Wesen der Wiegenlieder, Mntterscherze, Ammenmärchen und aller erstengeistigen Beschäftigung mit dem Kinde. Melodie, Rhythmus und Reim, vor allem derseclenvolle Ausdruck der Stimme und der Miene der singenden oder sprechenden Mutter,dies alles' stammt aus derselben Wurzel einer tiefen Lebensgemeinschaft und wirkt zu-sammen, wie warmer Frühlingsregen und Sonnenschein, um den geistigen Keim zuwecken. Die intellectuelle und ethische Wirkung ist in alle dein gleichzeitig und gleichgroß. Wie die mütterliche Liebe mit dem Dasein des Kindes gesetzt ist, so ist die Liebezur Mutter mit dem Dasein der Mutter gesetzt, zunächst auf beiden Seiten als reinerAusdruck der natürlichen Lebensgemeinschaft, bald aber und immer mehr sich vergeistigendzum sittlichen Motive. Wenn auf Seiten der Mutter auf diesem Grunde die völligsteSelbstlosigkeit und die reinste Hingebung an die Mutterpflicht sich ausbildet, so entwickeltsich auf demselben Grunde in dem Gemüthe des.Kindes jene Zuversicht zur mütterlichenGüte und Milde, die durch keine Erfahrung des Lebens erschüttert wird, jene vertrauens-volle Hingebung und jene Willigkeit des Gemüthes, die nur mit dem rechten Inhalteerfüllt werden darf, um zum wahren Gehorsam zu erstarken. So werden allein indem natürlichen Verhältnisse zwischen Mutter und Kind diejenigen Grund-bedingungen erfüllt, an welche die erste Erziehung geknüpft ist. Und andiese Bedingungen sehen wir die Entwicklung des Kindes so lange gebunden, bis mitdem sechsten und siebenten Jahre eine neue Periode (s. Altersstufen) in dem Kindeslebenbeginnt, welche über den allgemein menschlichen Berns hinaus auf die Pflege des besondernBerufes weiset und in welcher der Mutter die ausschließliche Obhut über das Kindnicht mehr bleiben kann. Alle sittliche, religiöse und intellectuelle Pflege innerhalbdieses ersten Stadiums hat ihren Mittelpnnct in der mütterlichen Einwirkung, undes ist namentlich darauf hinzuweisen, daß weder eine bedeutsame physiologische nocheine intellectuelle Zwischenstufe in der Entwicklung des Kindes bis zum schulpflichtigenAlter irgendwo bemerkbar wird, welche eine Aendernng dieses Verhältnisses andeutenkönnte.

Nun hat zwar von pädagogischem Standpuncte nie verkannt werden können, wiewenig oft die mütterliche Einwirkung ihrer Aufgabe entspricht, und wie zahlreich dieBeispiele solcher Mütter sind, welche ihren Beruf an den Kindern verkennen undvernachlässigen. Roheit des GemütheS, Verkehrtheit des Zeitgeistes oder der individuellenBildung und mancherlei leibliche Gebrechen können, vereinzelt oder in Gemeinschaft,dahin wirken, daß die Eingebungen des natürlichen Mnttergefühles misverstanden oderüberhört werden, ja, daß sie ganz verstummen. Darum hat die neuere Pädagogik ausdem christlich-humanen Interesse für die Kinderwelt zunächst die ganz allgemeine Anregungempfangen, das Muttergefühl in die rechte Bahn zu leiten und den Müttern bei demGeschäfte der Erziehung an die Hand zu gehen. Mit welcher Zuversicht Pestalozzi andie heilsamen und weitgreifenden Folgen glaubte, von denen die Vertiefung und Ver-geistigung des mütterlichen Einflusses auf die Kinderwelt begleitet sein müße, das gehtans allen seinen Schriften hervor. Leider hatte er sich, als er der praktischen Ausführungselbst näher trat und dieselbe in der SchriftWie Gertrud ihre Kinder lehrt" und in