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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kleinkinderschulen.

aus der Fülle der göttlichen Wahrheit neuen Segen ansströmcn lassen über Jung undAlt und, indem sie ans dem Grunde, der da gelegt ist, eine neue Gemeinde erzieht,allen jenen Lebensformen erst die heilige und heiligende Beziehung auf die höchstenZwecke des Menschenlebens geben: wir können in diesen allgemeinen Entwicklungs-proceß fördernd nicht anders cingreifen, als daß wir, dem Ideale christlicher Vollkom-menheit des Lebens nachstrebend, ans alle krankhaften Erscheinungen gleichzeitig unsereAufmerksamkeit und unsere hülfreiche Pflege richten, und immer die Totalität der Sym-ptome ins Auge fassen. Hier gilt der Kanon, das Eine zu thnn und das andere nichzu unterlassen. Es giebt kein Mittel, gnte Mütter zu erziehen, außer dem allgemeinen,wahre und lebendige Frömmigkeit zu verbreiten; und dieses allgemeine Mittel ist ebendasselbe, mit dem auch dem kindlichen Verderben entgegen getreten werden soll und kann,so lange die rechten Mütter noch fehlen. Was aber die Befürchtung betrifft, daß solchePflegeanstalten der rechten Liebe entbehren und daß sie darum, wie Graffnnder (beiOtto: lieber den öffentlichen Unterricht) meint, nurWaisenhäuser bei lebendigem Leibeder Eltern" sein werden, so liegt in der Herbigkeit dieser schwer zu lüugnenden Wahr-heit noch immer nicht die Verurtheilung der Kleinkinderbewahranstalten. Müßen nichtWaisenhäuser sein trotz der Mängel, die ihnen nur zu oft anhaften? Und haben sienicht unzählig oft Gutes gewirkt? Manche Stiefmutter, auch manche rauhe und strenge,hat trefflicher und treuer ihre Pflicht an den Kindern geübt, als viele rechte Mütteres thnn. Wo die tiefste Gefahr für Leib und Seele abgewendet wird, da dürfen wirauch die leicht hervorbrechende und leicht wieder getrocknete Kinderthräne nicht zu hochanschlagen. Aber die Stiefmutter kann auch liebevoll sein und die Waisenhäuser, wennsie in dem rechten Geiste geleitet werden, müßen nicht nothwcndig ihre Zöglinge inHerzensleere und Gemüthskälte auferziehen. Auch thut sie es keineswegs immer, undgegen die Lasterschnle und Leidenschule, die manches arme Kind im väterlichen Hansedurchmacht, wäre die Zucht und Kargheit manches Waisenhauses noch immer ein Him-mel zu nennen.

Bedeutender muß das Bedenken erscheinen, daß durch die Kleinkinderbewahranstaltenviele Eltern in der Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit, niit welcher sie die Erziehungs-Pflicht üben, bestärkt und daß sie des Segens beraubt werden, der in derUebnng dieserPflicht selbst liegt. Wenn derartige Klagen über diese Anstalten nicht in demselbenMaße erhoben worden sind, als dies in Betreff der in Frankreich heimischenKrippen"(Bewahranstalten für Säuglinge) geschehen ist, so läßt sich doch nicht verkennen, daßsie der Begründung auch hier nicht ganz entbehren. Bequemlichkeit ist in allen Ständeneiner der größten Feinde der Erziehung. Es giebt viele Eltern, denen schon die Schulebloß darum erwünscht ist, weil sie ihnen die Aufsicht über die Kinder abnimmt. Solchewerden auch von den Bewahranstalten gern Gebrauch machen, um sich selbst desKindergeschreis und anderer Störungen und Belästigungen zu überheben; sie werdenauch dann von ihnen Gebrauch machen, wenn keiner der oben erwähnten Gründe,das Kind aus der Familie zu entfernen, vorliegt. Darf man nun dieser, vornehm-lich in den höhern Ständen vorkommenden Weichlichkeit entgegenstellen, daß derjenigekein Recht habe, Kinder zu erzeugen, dem es an Lust und Kraft gebricht, sie zuerziehen; so darf man auch den untern Ständen nicht verhehlen, daß niemand be-rechtigt ist, eine Familie zu begründen, dem die Mittel fehlen, eine Familie zu er-halten. Neben aller Noth der Zeit ist Leichtsinn in der Schließung der Ehe eine derwesentlichsten Ursachen der hier in Rede stehenden Uebelstände. Wird durch Kinder-bewahranstalten solchen Leichtsinnigen die wesentliche Last der Kindererziehung abge-nommen, so werden andere um so weniger davor zurückschrecken, die Ehe auf eben soleichtfertige Weise zu schließen. Aber noch höher muß der Schaden veranschlagt werden,der dem innern Leben der Familien dadurch zngefügt wird, daß der Verkehr zwischenEltern und Kindern so wesentlich beschränkt wird. Die Gemüthskräfte, welche durchdiesen Verkehr geweckt und gestärkt werden sollten, blechen unentwickelt; der sittliche Ein-