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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kirchcnbesuch.

Kleinkinderschulcn.

sie in Gefahr, für ihr ganzes Leben Sonntag und Sonne zu verlieren; was aber dieJugend verliert, verliert nach und nach das Volk, das aus der Jugend heranwächst,und man braucht kein gesetzlicher Sabbatharier zu sein, um zu behaupten, daß einchristliches Volk mit dem Sonntage seinen Adel, seine Krone, seine höhere Menschen-würde sogar aufs Spiel setzte. Also: Vickeaut oonsules in Kirche und Schule undHaus, daß unsere Jugend aus allen Ständen zeitig, treulich, weislich zu Kirche undKirchenbesuch gezogen werde. Wer seine Kinder, seine Kirche, sein Volk lieb hat, derhelfe dazu! V. Strebcl.

Kirchencoilvcilt, s. Schulregiment.

Kirchcngcschichte in der Volksschule, s. Religionsunterricht in niedernSchulen.

Kirchenlied, s. Gesangbuch.

Kirchschule, s. Landschule.

Kleidung, s. Körperliche Erziehung I.

Kleinkinderschulcn, Kinderbewahranstalten, Warteschulen, Kinder-gärten. Unter diesen verschiedenen Benennungen sind seitdem letzten Drittel des vorigenJahrhunderts in vielen Ländern, besonders in Deutschland, England und Frankreich,eine Menge von Anstalten gegründet worden, deren gemeinschaftliche Tendenz es ist,jüngere, noch nicht schulpflichtige Kinder zu beaufsichtigen, zu pflegen, vor den äußernund innern Gefahren, denen sie der Mangel an häuslicher Aufsicht sowie an geistigerund gemüthlicher Anregung nur zu oft aussetzt, zu schützen, auf eine ihrer Fassungs-kraft angemessene Weise zu beschäftigen und in ihnen alle Keime des geistigen, sittlichenund religiösen Lebens zu gedeihlicher Entwicklung zu führen.

Die Berechtigung dieser Anstalten wird von keinem Standpuncte aus bestrittenWerden können. Ihre tiefste Wurzel haben sie einerseits in dem neuen Erwachen deschristlich-humanen Geistes, der auch dem Worte des HerrnLasset die Kindlein zu mirkommen" mit neuer Empfänglichkeit entgegen kam, andererseits in der eigenthümlichenUmgestaltung der socialen Verhältnisse, die sich im achtzehnten Jahrhunderte vorbereitete,und in welcher wir noch begriffen sind. Es ist keine Frage, daß unter den Uebelständen,Welche die wachsende Bevölkerung der meisten mitteleuropäischen Staaten, die zunehmendeTheurung aller Lebensbedürfnisse, der steigende Luxus, die vom Geiste der Zeit ge-forderte Lösung patriarchalischer Bande und Standesgenossenschaftlichkeit, der Kampfdes Fabrikenwesens und des Handwerkes sowie manche besondere Noth der Zeit her-vorgerufen hatte, gerade die Kinderwelt und in dieser besonders die Zahl der noch nichtschulpflichtigen Kinder ani meisten zu leiden hatte. In den naiveren Zuständen desMittelalters, die sich in ihren socialen Formen so lange erhalten hatten, war das Kindgeborgener, weil die Familie als solche äußerlich durch althergebrachte Verhältnisse mehrgesichert und innerlich von der Substanz des religiösen Geistes noch mehr erfüllt war.Die Noth des Lebens fand in der Einfachheit der Bedürfnisse ein Gegengewicht undwas die Roheit der Zeit zerstörte und auseinanderriß, wurde von innen heraus leichterwieder geheilt und zusammcngeführt. Die moderne Gesellschaft macht dem Einzelnenden Kampf um die äußere Existenz zur wesentlichsten Aufgabe. Durch diesenKampf, so wie durch die auflösenden Tendenzen der religiösen Aufklärung wurde dieFamilie in ihrem innersten.Leben und Zusammenhänge schwer getroffen. Wie in Deutsch-land im großen und ganzen die Verhältnisse des eigentlichen Arbeiters, auf demLande und in den großen Städten zumal, bisher gestaltet sind, bleibt für eine liebe-volle erziehliche Einwirkung der Mütter und der Faniilie überhaupt auf die kleinerenKinder keine Zeit. Wenn das Weib des Tagelöhners gezwungen ist, jeden Tag aufArbeit zu gehen, müßen diese Kinder entweder einsam eiugeschlossen oder unter derunzureichenden Obhut der ältern Geschwister in der Wohnung zurückgelassen werden.Wenig besser sind sie daran, wenn sie aufs Feld mitgenommen und den blendendenSonnenstrahlen und aller sonstigen Ungunst der Witterung ausgesetzt oder der Gemein-