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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kirchenbesuch.

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Mittel, die Aufmerksamkeit oder das Berständuis zu überwachen.Ein christlicher Vater fragt die Kinder, was sie sich aus der Kirche und Predigt ge-merkt, hilft darauf, bringt etwa auch das Gesagte zu weiterem Verständnis und machtgeeignete Anwendung. Dasselbe thue der Lehrvater mit einigen Fragen in der Schuleder Unconfirmirten, oder, so weit ihm das möglich ist, der Prediger selbst. Er wirddamit viel Nutzen schaffen.

Schriftliche Predigtreferate? Ja, wenn die Zahl der Schüler es erlaubtund sofern bereits einige Uebnng im schriftlichen Ausdrucke vorhanden ist, es sei, daßalle dazu angehalten werden oder daß man es dem freien Willen anheimgebe. Grund-bedingungen: ein eigenes Heft dafür. Sorgfältige Schrift. Tag, Text, Thema, Theile;einzelne Gedanken in oder auch ohne Zusammenhang, aber ja nicht in der Kirche nach-geschrieben, sondern frei ans dem Gedächtnisse rcproducirt. Nachschreiben in der Kirchehat so gut wie keinen Werth, wohl aber den Nachtheil, daß der junge Zuhörer überdem Schreiben des einen anderes überhört, auch, wenn er etwa seine Portion geschriebenzu haben meint, die Rosse seiner Gedanken um so getroster ausspannt und auf derWeide laufen läßt. Frei, selbst und allein, oder gar nicht. Das Schreiben ge-schehe am Sonntag als Sonntagsbeschäftigung, nicht als Mochenarbeit. BcurtheilendeDurchsicht von Seiten des Lehrers oder Pfarrers ist unerläßlich. So gehandhabt kannaus langjähriger Erfahrung ein mehrfacher Nutzen verbürgt werden, hauptsächlich größereAufmerksamkeit auf das gepredigte Wort und besseres Verständnis desselben; danebenfällt solchen Predigtreferaten als der natürlichsten und jngendgemäßesten Anfsatzübnngnoch zu: Förderung im Gedankenansdruck, in Sprache und Stil, in Auffassung undWiederdarstellnng eines mündlichen Vortrags überhaupt.

Wenn unsere Jugend diesen bisher angedenteten Grundsätzen gemäß für das öffent-liche Leben der Gemeinde zngezogen und an ihre Versammlungen gewöhnt wird, soentspricht damit die Kirche nicht bloß dem Pflicht- und Liebestriebe ihrer Selbsterhaltung,sondern anch dem tiefsten Bedürfnisse der Jugend sowie der höchsten Aufgabe christlicherErziehung derselben; denn christliche Erziehung ist in ihrem letzten Ziele Erziehung fürdas Reich Gottes, das sich eben in der Kirche als Reich der Gnade darstellt und inder Versammlung der Gläubigen aus der gemeinsamen Anbetung und Erbauung aufden Grund des Wortes und Sacramentes fort und fort seine Kräfte zieht. Thut dieKirche, thun Hans und Schule das Ihre, so kann der Kirchenbesuch der Jugend nichtanders als segensreich sein. Er ist es auch zu allen Zeiten trotz mancher mitunter-laufenden Menschlichkeiten und Mangelhaftigkeiten gewesen und wird es bleiben.Wir machen hier nur noch auf einen Pnnct aufmerksam, nämlich das Verhältnis desKirchenbesuchs zur Sonntagsfeier. Die Kirche, das Wort im Sinne von gottes-dienstlicher Versammlung genommen, ist so innig mit der Sonntagsfeier verbunden, daßdas eine von beiden des andern Leben bedingt. Kein Sonntag, keine Kirche; Zeugensind unsere Wochenkirchen. Aber auch: keine Kirche, kein Sonntag. Der Sonntagijt nach der Anschauung unserer evangelischen (lutherischen) Kirche nicht um sein selbstwillen da in der Auctorität eines göttlichen Gesetzes, sondern einer evangelischen Ord-nung.Weil vonnöthen geweßt ist, einen gewissen Tag zu verordnen, auf daß dasVolk wüßte, wann es Zusammenkommen solle, hat die Christliche Kirche den Sonntagdazu verordnet." (Augsb. Eonfess. Art. 28 .) Somit ist der Hauptzweck des Sonntagsund der Arbeitseinstellung an demselben das Zusammenkommen der Gemeinde, derKirchenbesuch. Die Kirche nicht besuchen heißt dem Sonntage seine Sonne nehmen,ihn entheiligen und znm gemeinen Tage machen, wie er denn in der That anch unterden Händen der Verächter von Kirche und Kirchenbesuch zum gemeinsten der Tage ge-worden ist. Die Zuchthausstatistik zeigt, daß die Sonn- und Feiertage die meistenVerbrecher liefern.

Gewöhnt man die Jugend nicht an den Kirchenbesuch, macht mau diesen derselbennicht lieb und Werth, so läßt man sie die Sonntagsentheiligung gewöhnen und setzt