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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Kirchenbesuch.

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Weniger leicht löst sich die Frage den oberen Classen bloßer Lehranstalten gegenüber,wie Gymnasien, poly- oder sonst technischer Schulen. Macht nicht der höhere Bildungs-stand ihrer Schüler die Nöthigung wenigstens von Seiten der Schule entbehrlich, sodaß die Verantwortung dafür nur dem Hause überlassen bliebe? Allein wahre Bil-dung und Kirche sammt Kirchenbesnch sind nicht wider einander; nur die halbe oderfalsche Bildung weiß von einem solchen Gegensätze. Es ist und bleibt wahr, was Bacovon der Wissenschaft sagt:Obitsr clslibata g, vso adLuoit, xsnitus kmusta s.Lsunäsm rsänoit." Je mehr die Jugend der Gymnasien und noch mehr der techni-schen Schulen sich auf einer oft weit vom Centrum aller Wahrheit und Weisheit ab-liegenden Peripherie bewegt, desto mehr bedürfte sie gerade der Sammlung zu ihm hin,und es wäre eine thatsächliche Concession an die freilich vielfach angestrebte Veräußer-lichung, Verweltlichung und Entchristlichung solcher Anstalten, sie als gewissermaßen vonder Kirche losgelöst zu betrachten. Auch die höhere Schule ist ihren Zöglingen dieseRücksicht auf die Kirche schuldig als ein Zeugnis, daß man auch mit der tiefsten undausgebreitetsten Bildung nicht ans der Kirche hinaus, sondern immer tiefer in sie hinein-wachse. Dem wollenden Jüngling ist es kein Zwang, wenn die Ordnung der Anstaltihm den Weg zur Kirche weist, dem nicht wollenden ist der Zwang der Ordnung eineHülfe. Das Recht solcher Ordnung steht Anstalten dieser Art so gewiß zu, als dasRecht der Abwehr z. B. den Kneipen und anderen für ihre Zöglinge gefährlichen Ortengegenüber, und das um so mehr, als viele Schüler solcher Anstalten auswärtige sindund der elterlichen Ueberwachung an Ort und Stelle ganz entbehren, christlich verstän-dige Eltern also in dem, was die Ordnung der Schule begehrte, nur ausgeführt sehen,auf was sie selbst halten würden. Schreiber dieses war auf einem bayrischen Gym-nasium bis ans Ende seines Gymnasiallebens der Ordnung des befohlenen Predigt-besnches unterthan und ist sich nicht bewußt, daß er oder einer seiner Commilitonen dadurchirgendwie zu Schaden gekommen wäre, wohl aber dankt er jener heilsamen Nöthigungmanche Bewahrung vor naheliegender Gefahr und manche Geistesanregung, die ihm,war er sich selbst überlassen, wohl nicht geworden wäre. Selbst an den Abendmahls-tisch wies und weist noch dort die Ordnung der Schule jährlich einmal sämmtliche con-firmirte Schüler, wozu sie in besonderer Beichtrede vorbereitet wurden und werden,für den rechten Mann eine herrliche Gelegenheit, den jungen Studentenherzen Wortezn sagen, die ihnen ein Compaß werden können für die sturmbewegte Fahrt svgl. d.Art. Abendmahl Bd. I. S. 10 ff.). Halten ja Anstalten, wie das evangelisch-theo-logische Seminar in Tübingen, ihre Zöglinge vom 18. bis zum 22. Jahre noch zumBesuche des Hauptgottesdienstes an, und sicherlich mit vollem Rechte. Die englischenunseren Gymnasien entsprechenden Anstalten führen ihre Zöglinge täglich in den Gottes-dienst, und England denkt doch hoch von der persönlichen Freiheit.

Eine bindende Ordnung, mit väterlicher Umsicht und Billigkeit gehandhabt, dürftealso nicht bloß bei den jüngeren Altersstufen, sondern bis an die Grenze auch deshöheren Schnllebens, durchschnittlich bis ins 18. Lebensjahr gerechtfertigt sein.

Besondere Plätze? Wo immer möglich: ja, und solche, wo man die Schülerleicht übersehen, die Anwesenheit, die nöthige Ruhe und Stille wahren kann. ManWähle übrigens ja nicht die hintersten Winkel der Kirche, wie häusig höchst unpädagogischgeschieht, wo der Prediger vielleicht nicht zu sehen und kaum zu hören ist, sondern einenfür Hören und Sehen günstigen, auch den Angen der Gemeinde zugänglichen Raum.Der Meister würde den Kindern, diesenkleinen Majestäten" (nach Zinzendorf), eherden Fürsten- oder Nathshcrrcnstand anweisen als den Winkel. (Matth. 18, 1 rc.)Ein unpassender Platz macht für die Jugend den größten Theil des Kirchensegens zu-nichte. Die durch abgesonderte Plätze ermöglichte Aufsicht führt am besten und wür-digsten ein Lehrer, der sich je nach Umständen, was die Anwesenheit betrifft, auch durchdazu aufgestellte Schüler unterstützen lassen kann. Bei höheren Schnlanstalten Würdedie Ueberwachung der Präsenz sich eher für einen Schuldiener schicken. Das Auge