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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kirchcnbesuch.

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Liturgie zu erhalten wußte, ist bekannt. Die Reformation hat auch hierin erlösend ge-wirkt, doch hat man in der evangelischen Kirche mit dem Misbranche nicht denrechten Gebrauch der Knabenstimmen für liturgische Zwecke aufgegeben. Sie dientenund dienen noch vielfach dem kirchlichen Chor in den Rcsponsorien der lutherischen Li-turgie und helfen dem Cantor in der Leitung des Gemeindegesangcs. Arme Knabensangen sogar auf den Gassen zur Erbauung der Gemeinde. (Luther iu Magdeburg,Gneisenau,der freie Ritter", in Erfurt, diekaupsros" noch heute in Tübingen.)Auch das letzte Geleite bei dem christlichen Begräbnisse giebt den geschiedenen Pilgernvielfach die singende Jugend. So hat die Jugend, empfangend wie dienend, ihrenPlatz im öffentlichen Gottesdienste der Gemeinde. Mag auch je und je einmal ihreAnwesenheit den Prediger zur Milderung eines Ausdrucks, zur Vermeidung einerBemerkung veranlassen, die Gemeinde wird sicherlich in nichts wesentlichem darüberverkürzt, so wenig als das Haus, wo Vater und Mutter nicht alles vor der KinderOhren auskramen, was ihnen das Herz bewegt. Im Nothfalle findet der pädagogischeTakt Auswege. Wenn es etwa z. B. am I. Epiphan. bei Gelegenheit des Textes(Luc. 2, 41 re.) dem Prediger einmal Bedürfnis ist, mit Eltern und Erwachsenen einvertraulich Wort über Kindererzichung zu reden, so gebe man der Schuljugend ihrTheil und entlasse sie dann. Sie thut es mit heiterem Gesicht, und die Gemeindehat daran sogleich eine thatsächliche Lehre.

Von wann an? Vater oder Mutter können das Kind zur Kirche mitnehmen,sobald sie versichert sind, daß es sich still genug halten kann und Gottesdienst undNachbarn nicht stört. In manchen Orten z. B. im bayrischen Obcrfranken findet sichda und dort die Sitte, daß Mütter oder Kindsmägde die kleinen Kinder gegen Endedes Gottesdienstes zur Kirche tragen, damit etwas von der Kraft des aaronitischenSegens, der über die Gemeinde gesprochen wird, über sie komme. Vor dem zehntenJahre dürfte das Mitkommen der Kleinen dein Ermessen und der Verantwortlichkeitder Eltern zu überlassen sein, es sei denn, daß für besondere Kinderkirchen gesorgtwäre, ein Feld, wo cs noch viel zu thun gäbe auch durch Herbeiziehung geeigneterLaicnkräfte. Vom zehnten Jahre an, wenn neben dem, was im elterlichen Hause ge-schieht, die Schule schon einigen Grund durch biblische Geschichte und kleinere Sprüchegelegt hat, mögen die Kinder auch, wo es Ort und Umstände znlassen, in Masse zurKirche kommen. Spätestens sollte das vom zwölften Jahre an geschehen. Der zwölf-jährige Jesus schließt sich schon der Festcaravane nach Jerusalem an; iu der Synagogevon Nazareth war er sicherlich schon geraume Zeit vorher ein regelmäßiger Besucher.

Freiwillig? oder gezwungen? Andacht und Frömmigkeit läßt sich nichtaufnöthigen; geistliche Dinge überhaupt leiden, auch der Jugend gegenüber, keinenZwang. Ein anderes aber ist es mit einer äußeren Ordnung für Unmündige, dieals Gelegenheit und Mittel dient für Anregung und Förderung des Geisteslebens.Für den noch schwachen Verstand und Willen des Kindes muß die gereifte Einsicht,der starke Willen der Eltern oder ihrer Vertreter einstehen. Man zwingt zur Schule,warum nicht auch zur Kirche? Der Gott, der zur Geistesfreiheit zieht, übt an seinemerstgebornen Sohne Israel mit gutem Bedacht den Zwang des Gesetzes. (Jer. 31, 32.)Wo hat je ein zu geistlichem Verstände gekommener Mann über verständig geübtenZwang sich beschwert, mit dem er iu seiner Jugend zur Kirche oder irgend etwasgutem angehalten ward? Man stelle den Kircheubesuch nur nicht als ein willkürlicherdachtes und gemachtes Gesetz hin, sondern als eine Ordnung, die sich wie eineHausordnung von selbst versteht.Am Sonntag geht man in seine Kirche", das solldem Kinde so klar und geläufig werden, als: Mittags geht man zu Tische, auch wennman keinen absonderlichen Hunger hätte. Jesus gieng in die Synagoge zu Nazarethnach seiner Gewohnheit". Es muß dem Kinde werden, als sei ein Sonntag ohneKirche gar kein rechter Sonntag, ein Sonntag ohne Sonne. Sind die Eltern selbstgewissenhafte Kirchgänger, so möchte es fast schwerer sein, ihre Kinder von der Kirche