Kirche.
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anwenden. Der Lehrer wird also zwar die Unterscheidnngsdogmen an geeigneter Stelleseinen Schülern mitthcilen, denn sie sollen sic wissen, er wird mich nnd soll als Diener seinerKirche das Wahre nnd Bessere, was sie vor der andern voraus hat, mit Bestimmtheitdarlcgcn; aber der snnge Lutheraner soll nicht die Meinung mit sich nehmen, als hängeder Reformirte einer verdammlichen Irrlehre an, als sei es darum eine Sünde, wenner z. B. in Gegenden, wo gar keine lutherische Kirche ist, bei den Neformirten zurKirche und zum Abendmahle gehe. Ein Abfall von der einen zur andern ist ohnehinnicht zu fürchten, gerade dann am wenigsten, wenn der Gegensatz nicht in schrofferWeise hervorgckehrt wird. Das, was sein eignes Wissen nnd Glauben fördert nndergänzt, kann jeder aus dem Schatze der andern Confessio» sich zueignen und in sichverarbeiten, ohne daß er darum die Confession zn wechseln braucht.
Wenn wir aber nach der oben gegebenen Ausführung als die normale Form, inwelcher die evangelische Kirche in die Erscheinung tritt, in welcher sie sich organisirtnnd mit bestimmten rechtlichen Befugnissen in Wirksamkeit tritt, die Landeskirche, d. h.die Einheit des Kirchlichen mit dem Nationalen bezeichnet haben, so folgt daraus, daßauch der kirchliche Patriotismus, den wir pflanzen nnd pflegen sollen, sich ans dieLandeskirche beziehe. Dies ist auch in der That unsere Meinung. Wie diejenigen sehr-wenig von echt kirchlichem Sinn haben, die, von einer Reise nach England, nach Schwe-den, nach Mecklenburg znrückkommend, die kirchlichen Dinge überall schöner finden, alsin ihrer Heimat, weil ihnen das Nene, das Ungewohnte imponirt nnd sie nach leidigerdeutscher Unart das Fremde immer mit höherem Respekt betrachten, als das Einhei-mische: so handeln auch Kirchenbehörden weder klug noch kirchlich, wenn sie — ob auchin der guten Absicht des Besserns nnd Neformirens — einer Landeskirche d. h. demin ihr religiös constitnirten Volksstamme z. B. in der Liturgie nnd dem gottesdienst-lichen Branche oder in der Verfassung etwas anfdrängen, was in seiner Geschichtennd seinem Volkscharatter keinen Anhaltspunct hat; so etwas von außen anfgepfropfteswird selten Wurzel fassen. Wenn sich daher eine Landeskirche nicht geneigt zeigt, aufReformen nach auswärtigen Mustern alsbald einzugehen, so ist das nicht immer einZeichen von mangelndem kirchlichem Sinne, sondern es kann möglicher Weise geradedas Gegentheil bedeuten. Unfern Zöglingen auch in diesem Stücke das Einheimische,von den Vätern Ererbte lieb nnd theuer zu machen, ihnen die Vorzüge, die dasselbe vor-dem Fremden neben seinen Mängeln doch immer haben wird, klar znm Bewußtsein znbringen, das ist demnach in allweg etwas zur kirchlichen Erziehung gehöriges. (DemSchwabenkinde z. B. sage ich unverhohlen, daß es an seinem Confirmationsbüchlein,an manchen geistlichen Liedern schwäbischer Dichter nnd Tonsetzer, auch wenn diese aus-wärts wenig oder nicht beachtet wären, einen kostbaren Schatz besitzt, der ihm durchnichts Fremdes ersetzt werden könnte; daß seiner einheimischen Kirche es zwar an litur-gischem Schmuck, nicht aber jemals an Geist nnd Gaben gefehlt habe.) Aber wenneine Landeskirche auch ihr Eigenthümliches hegt und pflegt, nnd die Anhänglichkeit da-ran ihrem Nachwuchs cinpflanzt: so ist ja dieses Eigenthümliche nur ein Gegensatz zuanderem ebenso Provinciellem oder Nationalem, nicht aber der Gegensatz zn dem allenevangelischen Landeskirchen Gemeinsamen; das Landeskirchliche ist immer nur die indi-viduelle, charakteristische Ausprägung des allgemein evangelisch Kirchlichen. Wie daherjede Landeskirche sich dieser gemeinsamen Basis bewußt ist, wie sie z. B. den lutherischenKatechismus als katechetischen Grundtext gebraucht, wie sie nicht das Gedächtnis derLandesreformation, sondern das allgemeine Reformationsfest, nnd noch weiter die allge-meinen Kirchenfeste feiert: so bleibt auch die kirchliche Erziehung nicht bei dem Provin-ciellen nnd Nationalen stehen, sondern führt den Zögling immer wieder zum Gemein-samen hin, das, gegenüber von den verschiedenen Formen der Auffassung nnd Darstellungdie Eine unwandelbare Substanz evangelischen Christenthums in Glauben und christ-lichem Leben enthält.
Alles aber, was wir als Mittel kirchlicher Erziehung anfgeführt haben, concentrirk