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Kirche.
unvernünftig aussieht. Also gerade um vor jesuitischer Bethörung den jungen Prote-stanten sicher zn stellen, muß ihm, sobald die nöthige Reife der Intelligenz vorhanden ist,auch das relativ Wahre, das für gewisse Zeiten nnd Bildungsstufen historisch Berech-tigte oder psychologisch Angemessene des Katholicismns deutlich gemacht werden; er mußeinsehcn lernen, warum selbst die Reformatoren (die sich auch hierin von dem Leicht-sinn und der Flachheit des modernen Dentschkatholikenthnms sehr unterscheiden) soüberaus schwer dazu gelangten, sich von der römischen Kirche loszureißen, er muß be-lehrt werden, wie es im natürlichen Menschen, wenn er bis aus einen gewissen Gradreligiös erregt oder empfänglich ist, gewisse Neigungen giebt, auf die der KatholicismuSgenau berechnet ist, an denen er den Menschen zu fassen nnd scheinbar zu befriedigenweiß, und daß nur ein tiefer, mächtiger Gewissensernst, nur ein durch diesen ge-schärfter Mahrheitssinn das starke Netz katholischer Vorstellung und Lebensgestal-tnng zu durchreißen vermochte und heute noch demselben zu widerstehen vermag.Dazu ist es besonders auch dienlich, wenn der evangelischen Jugend Gelegenheit ge-geben wird, den katholischen Cultus mit eigenen Augen einmal zu beobachten, voraus-gesetzt, daß der heimatliche evangelische Gottesdienst diejenige Anziehungskraft, die erhaben kann und soll, nicht durch Schuld seiner Leiter nnd Vollzieher eingebüßt hat?))
— Halten wir aber selbst dem Katholicismns gegenüber den Ton des blinden Eifersfür ebenso pädagogisch verwerflich, wie er als Verletzung der Wahrheit nnd der Liebesittlich unerlaubt ist: so muß das noch viel unbedingter vom Urtheil des Lutheranersüber den Reformirten und umgekehrt gelten. Wir erkennen eine historische Nothwendig-keit darin, daß diese beiden Richtungen des Protestantismus sich von der Reformations-zeit an in langen und unerfreulichen Kämpfen erst auseinandcrsetzen mußten. Jetzt aber,nachdem sowohl durch den Pietismus als durch die gesammte neuere Theologie, zumalseit Schleiermacher, so viele reformirte Elemente in den Geist der lutherischen Kircheund Theologie selbst ausgenommen sind, und nachdem klar vor Angen liegt, daß siedenselben nicht geschwächt, sondern gereinigt und bereichert haben; jetzt noch die re-sormirte Lehre als Unglauben und Rationalismus hinstellen, jetzt noch behaupten, derechte Lutheraner fühle sich dem Katholiken viel inniger verwandt, als dem Reformirten:
— das ist ein Zeichen von derjenigen Beschränktheit und Blindheit des Geistes, die ansHärtigkeit des Herzens fließt, welche beide leider mit sogenannter Bekenntnistreue ganzbequem zusammenwohnen können. Wir sagen unumwunden, daß uns die beidenprotestantischen Confessionen nur zwei charakteristische Formen desselben evangelischen Be-kenntnisses sind, ähnlich verschieden, wie zwei gediegene christliche Charaktere sehr verschiedensein können. Wir wollen sie nicht gewaltsam confundiren, aber sie sollen einander brü-derlich die Hand reichen und jeder die Gabe und Kraft, die ihm gegeben ist, treulich
ch Ich kann hiefür aus eigener Erfahrung einen Beleg anführen. Als Vicar nahm icheinst von den obern Classen meiner Dorfschule circa dreißig Knaben und Mädchen mit mir, umin einem etwa eine Meile entfernten großen katholischen Marktflecken das Fronleichnamsfestmitanzusehen. Die Kinder verhielten sich, so neu ihnen das Schauspiel war, der gegebenenWeisung gemäs ganz stille. Ans dem Heimweg aber lösten sich die Zungen; es ward all dasPrächtige gerühmt, was man gesehen und gehört, die reiche Decoration aller Häuser und znallermeist der schönen Kirche, die goldgestickten Meßgewänder, die bunten Fahnen, der Wohlge-ruch vom Räuchern, die laute Orgel nnd die schmetternde Musik, das Läuten und Böllerschießen,
— schließlich aber, als dies alles gründlich und bewundernngsvoll abgehandelt war, sagte einnachdenkliches Mädchen: „bei uns ists aber doch noch schöner ohne alles das"; die klebrigenstimmten sogleich bei und nun benützte ich die Gelegenheit, sie über den Grund nnd die Richtig-keit dieses ihres Gefühls ins Klare zu setzen. — Später habe ich an Kindern, die zuweilen imOrte selber einem Hochamt oder einer Vesper anwohnten, die Beobachtung gemacht, daß ihnen,als der erste Reiz der Neuheit vorüber war, das Einförmige nnd Unverständliche im Ceremonielllangweilig wurde, und aller Prunk der Musik, der Bilder w. den Mangel geistiger Speise auchfür den Kindessinn nicht zu verdecken im Stande war.