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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kirche.

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daran hat die evangelische Kirche ihren kostbarsten Besitz. Es ist freilich denkbar, daßman ans die Bibel viel, auf die Kirche sehr wenig halte; gerade auf biblischem Grundebehaupten die Secten zu stehen, indem sie die Kirche anfeindcn. Aber deshalb ist esSache der kirchlichen Erziehung, dem Kinde nicht nur einznprägen, daß es der Kirche,nämlich ihrer Selbsterneuernng durch Martin Luther, den Besitz des göttlichen Wortesverdanke, sondern auch die innere Konformität der Kirche mit der Schrift, das Gegrün-detsein jener niit Lehre und Leben in dieser, ihm klar zu machen, es also ganz besondersvon dieser Seite gegen sectirerische Einflüsterung festzumachen, b) Der Reichthnm derKirche liegt ferner in dem, was sie an heiliger Poesie, überhaupt an heiliger Kunst undLiteratur besitzt. Hier ist es also vornehmlich das Kirchenlied und der Choral, was be-nützt werden muß, um dem Kinde Ehrfurcht und Liebe zu der Kirche beizubringcn, die-solche Gaben von unverwüstlicher Schönheit darbietet. (Näheres darüber s. bei Thili?in der Schrift:Das geistliche Lied in der Volksschule" 1842. Die Katechetik desUnterzeichneten, 4. Ausl. S. 475 588. W. Baur, in dem Art. Gesangbuch,Bd. II. S. 770 ff.) Es giebt vielleicht kein Band, das so fest den Einzelnen an dieKirche kettet, als das Lied der Kirche, das ihm im Ohr und Herzen klingt, o) Wieaber die Wirkung desselben wesentlich erhöht wird durch das Interesse für die Dichterder Kirche, für ihre Person und Lebensgeschichte daher der Gebrauch eines Bucheswie Kochs Geschichte des Kirchenlieds, auch für den hier besprochenen Zweck vonhöchstem Nutzen ist: so sind unter den edelsten Schätzen der Kirche zu nennen ihregroßen, gotterleuchteten Männer, ihre Dichter, Prediger, Reformatoren, Märtyrer;diese kennen und lieben zu lehren, und damit in die Geschichte der Kirche selber auf demder Jugend angemessensten, d. h. dem biographischen Wege sie einzuführen, ist ebensogewiß ein Hauptmittel zur Erzeugung des kirchlichen Sinnes, wie eine ähnliche Behand-lung der vaterländischen Geschichte zur Erzeugung des Patriotismus. (S. über denkirchengeschichtlichen Jugendunterricht, über die Auswahl der Stoffe, über die damit zuverbindende Einführung in das Gebiet der Mission meine Katechetik S. 140 160.)Eine Lebensgeschichte, wie die von Luther, von Francke, von Hedinger, von Bengel, vonJoh. Jak. Moser und andern Männern solchen Gewichtes, weckt den edlen Stolz,einer Kirche anzugehören, die solche Gottesmänner zu ihren Säulen zählt. (Für diesenZweck leistet derevangelische Kalender" von Piper vortreffliche Dienste.) <l) Wieaber aller Patriotismus auch eine polemische Seite enthält, ein Abstoßen des Fremdenoder doch ein klares Bewußtsein, daß dasselbe ein fremdes, zur eignen Art nicht pas-sendes Element ist, so kann auch der kirchliche Sinn nicht völlig entwickelt und sestgcstelltWerden, ohne daß dem Einheimischen, von dem Vater Ererbten, auch das Fremde ge-genübergestellt würde. So wird uns ja meist das Vaterland erst recht lieb, wenn wirdas Ausland gesehen haben. Was in dieser Beziehung die Lehre betrifft, so kommendie confessionellen Untcrscheidungslehren im Religionsunterricht auf der für die Konfir-manden bestimmten Stufe nothwendig vor; es versteht sich, daß der kirchlich gesinnteLehrer das Dogma seiner Kirche in seiner Wahrheit gegenüber den fremden Lehrennachzuweisen hat. Der Protestant kann dies dem Katholicismus gegenüber nicht andersthun, als daß er zugleich das Unwahre und Unbiblische, das Gewaltsame und Verderb-liche der römischen Satzung mit aller Schärfe darlegt; wer darüber gehörig unterrichtetwurde, der ist wofern nicht ganz andre Motive, als Gewissensantricbc in ihm ver-walten vor Verführung zum Papismus sicher. Aber der rechte evangelische LehrerWird auch dies nicht im Tone jenes Zelotismus thun, mit dem katholischcrseits inKatechese und Seelsorge so häufig gegen alles protestantische Wesen opcrirt wird. Werden Katholicismus seinen Schülern pure als Lug und Trug, das römische Dogma alsschlechthin unvernünftig hinstellt ein Verfahren, Wie es der vulgäre Nationalismuseinschlug, der hindert damit im mindesten nicht, daß nicht eines Tages irgend ein lächelnderJesuit dem Zögling das Dogma und den Kultus, die Hierarchie und den ganzen Be-stand des Katholicismus von einer Seite darstellt, von welcher er gar nicht mehr so