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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kirche.

lichcn, ihre Functionen, ihre Leistungen hören muß, dann natürlich ist dem kirchlichenSinne zum voraus schon die Wurzel abgeschnittcn. Vom Erzieher muß man fordern,daß er sogar, wenn Grund zu strengen Urtheilcn namentlich über die Diener der Kirchevorhanden ist, in Gegenwart der Kinder sich solcher enthalte; der Mann, der die Kindertauft, katechisirt und confirmirt, soll so lange als möglich ihnen auch ein Gegenstand desVertrauens und der Verehrung bleiben. Wenn wir übrigens das Hauptgewicht in Obigemauf die Localgemeinde und ihre kirchliche Beschaffenheit legen, so ist damit nicht gesagt,daß nicht das Kirchenregiment dafür verantwortlich sei, wenn es dort schlecht steht.Eine schlechte Liturgie z. B., die niemand von Herzen mitbetcn kann, ist ein ebensogroßes Hindernis für die Bildung kirchlichen Sinnes, als eine bureaukratische Art, diegeistlichen Stellen zu besetzen, wie z. B. Nepotismus oder zu große Schonung schlechterGeistlichen. Ebenso aber, wie dem Ortsgeistlichen gegenüber, wird der rechtschaffeneErzieher auch von den Kirchenobcrn in Gegenwart der Kinder nie anders, als mitderjenigen Achtung reden, die ihre Stellung erheischt; mit ihrer Person wird in derKinder, in des Volkes Augen die Kirche selbst herabgesetzt. 3) Daß die Gewöhnungan persönliche Theilnahme des Kindes am Gemeindegottesdienst ein Hauptmittel zurPflanzung kirchlichen Sinnes ist, und wie dieses Mittel angewendet werden soll,darüber enthalten wir uns nur aus dem Grunde hier einer Auseinandersetzung, weil,der Wichtigkeit dieses Gegenstandes entsprechend, ein eigener Artikel überKirchenbesuch"folgen wird. Hier sei nur unvorgreiflich auf den einen Punct aufmerksam gemacht,daß schon das Zusammensein mit einer größeren, einmüthig versammelten Menge einemnatürlichen, durchs Ehristcnthum rectificirten Gefühle entspricht. Theremin hat irgendwobehauptet, einem Prediger müße es gleichgültig sein, ob er vor 3 oder vor 3000 Zu-hörern rede. Das ist in abstraoto einigermaßen richtig, er soll auch den Dreien zuliebund Gott zu ehren das möglichst Gute leisten. Aber in oonoroto wird sichs immerals psychologische Nothweudigkeit ausweisen, daß wenn eine große Gemeinde gekommenist und seines Wortes in andächtiger Stille harrt, dies den Redner innerlich hebt, ihnvon selbst wärmer macht, während im ersten Falle nur Gewissen und Pflicht ihn auf-recht halten. Ganz ähnlich haben auch die Zuhörer eine weit höhere, freudigere Befrie-digung, wenn sie sich in Gottes Haus als eine Menge erkennen, die in solcher Stundevor GottEin Herz und Eine Seele" ist, während auch die beste Rede, wenn sie nurvor einigen wenigen Zuhörern gehalten wird, nicht verhindern kann, daß die leerenRäume auch dem andächtigsten Zuhörer ein Frösteln verursachen. Einer vollen Kirchefreut sich jedesmal auch die Zuhörerschaft selber; jeder mag gerne, wie der Psalmist(Ps. 42, 5),hingehcn mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes,mit Frohlocken und Danken, unter dem Haufen, die da feiern"; denn das Gefühlder Gemeinschaft im Hause der Erbauung ist selbst etwas erbauendes. Dies nunist auch im Kinde schon zu wecken und zu pflegen, tragen es alle in sich, bringensie es aus dem Hause, der Schule, dem Katcchumenate mit, so wird die Kirche stetsgefüllt sein, die junge Gemeinde rückt immer in die Reihen der absterbenden vor.-4) Aber auch was außer ihrem Kultus die Kirche an Schätzen besitzt, muß der Jugendzum Bewußtsein gebracht und theuer gemacht werden, damit sie jene als ihre Heimatlebenslang Hochhalte. Solcher Reichthum liegt vor a) in der Lehre, im Bekenntnisder Kirche. Dieses den Kindern zu eigen und ihrem Herzen theuer zu machen, istSache der Katechese; auf höheren Stufen, wie im Gymnasium, würde dazu für dieEvangelischen die Augsburgische Confession ebenso nothwendig vorzunchmcn sein, wieauf den niedern der kleine lutherische Katechismus, wozu noch je nach der Art der Lan-deskirche solche Bearbeitungen des Katechismus kommen, wie z. B. in Württemberg dassog. Consirmationsbüchlein. Solche Vermächtnisse aus der Väter Zeit müßen jederHeranwachsenden Generation als ein kostbares Erbgut übermittelt werden; an der Liebe,womit Lehrer und Eltern dieselben behandeln, muß auch das Kind sie lieben lernen.Ueber diesen kirchlichen Erzeugnissen aber steht Gottes Wort (s. den Art. Bibel);