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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
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Wirkung hat, daß sie sich dem Ultramontanismus huldvoll beweisen; oft aber auch diealberne Meinung, der Protestantismus sei seiner Natur nach demokratisch und revolu-tionär. Ueber die sittliche Berechtigung des Confessionswechsels haben wir hier uns nichtzu äußern, da für den Erzieher es die nächste Pflicht als Glied seiner Kirche ist, auchseinen Zögling ihr treu zu erhalten. Wie nun ist dem allem auszuweichcn oder vorzu-bengen, daß derselbe weder einem bornirten, exclusiven Äirchenthum, das kein Christcnthummehr ist, noch einem Reize zum Cvnfessionswechsel, noch einem herzlosen, blasirtcn In-differentismus verfalle? Was wir darüber zu sagen haben, geht natürlich nur denProtestanten an. Der Katholik wird mehr den zwei letztem Uebeln pädagogisch zusteuern sich verpflichtet achten, während er das erste eher herbeiführcn als ihm in denWeg treten kann. Für uns steht die Sache so. 1) Wie die Heimat jedem vonselber lieb ist, ohne daß erst besondere Mittel angewendet zu werden brauchen, sieihm lieb zu machen: so wird sich dieselbe Anhänglichkeit an die Kirche auch unbewußtim Kinde und Jüngling bilden, wofern nur die Kirche selbst sich in solcher Weise ver-hält, daß Gefühle der Pietät gegen sie von selber entstehen. Es kommt aber in dieserBeziehung weit weniger auf Maßregeln der Erzieher, als auf den Zustand und dieHaltung der Kirche selber an, und wieder ist cs viel weniger dieser Zustand im großenund ganzen als vielmehr die localen kirchlichen Verhältnisse, die einen günstigen oderungünstigen Einfluß üben. Ist der Pfarrer nicht im Stande oder nicht Willens, sichAchtung, Vertrauen und Liebe zu erwerben, kommen die Erwachsenen leer und unbe-friedigt aus seinen Predigten, sind die Katechumenen jedesmal froh, wenn eine Katechi-sation vorüber ist, weil sie sie entweder langweilt oder der gestrenge Pastor ein Gegen-stand der Furcht ist; knüpft sich überhaupt keine dem Gemüth theure Erinnerung anihn und sein Amt, wird alles kirchliche nur eben mitgcmacht, weil es Sitte ist, ohnedaß man viel Segen davon trüge: dann kann sich keine Pietät gegen die Kirche, keinkirchlicher Sinn bilden; sind die Katechumenen ihrer Verpflichtung zum Kirchgehen ent-hoben, so zieht sie nichts mehr dahin, auch auswärts, wo es besser bestellt ist mitPredigt und Seelsorge, finden sie den innern Anknüpfungspunct oft nicht mehr. Dazukommt, daß in der That auch die äußerlichen Momente des kirchlichen Lebens mithelfenmüßen, die Kirche zur geistigen Heimat und darum lieb und Werth zu machen. EineGemeinde, die darauf hält, daß ihr Gotteshaus einen würdigen Anblick darbietet voninnen und außen, die auf schönen Gesang, auf schönes Geläute u. s. f. einen Werthlegt, wird sicherlich mehr kirchlichen Sinn, mehr Anhänglichkeit an Kirche und Gottes-dienst in die jungen Herzen pflanzen, als wo das Gotteshaus, wenn auch nicht wieeine Mördergrube, doch wie eine Lehmgrube oder wie ein Keller oder eine Scheuneanssieht. Dem Fleck Erde, worauf man geboren ist, bewahrt jeder eine treue Liebe,denn jeder geographische Punct ist vom Schöpfer mit irgend einem Reize ausgestattet;was aber hier die Natur thut, das muß die Kirche erst durch ein wenn auch sehr be-scheidenes Maß von Kunst Herstellen. Ist aber der Sinn dafür einmal einheimisch,so pflanzt er sich, genährt durch die sichtbaren Denkmale desselben, von selber fort, dannsind auch immer Hände geöffnet, um die für kirchliche Zwecke nöthigcn Mittel zusam-menzubringen. Schilderungen, wie sie z. B. Häßler über die Art, wie einst dieMittel zum Bau des Ulmcr Münsters gewonnen wurden, in einem Vortrage zu Berlin(besonders erschienen bei Schnitze 1857) und im christlichen Kunstblatt (1859 Nro.9. 10) gegeben hat, können auch in junge Herzen guten Samen für zukünftige Be-thätigung kirchlichen Sinnes cinsenken. 2) Was sofort dem Erzieher obliegt, das istvorerst ein Negatives: daß er nämlich nicht durch Geringschätzung der kirchlichen Dingeund Personen jener Ehrfurcht und Pietät, die sich im Kinde von selber bilden würde,als Haupthindernis im Wege steht. Wenn das Kind sieht, daß der Vater oder dieMutter sich um Sonntag und Gottesdienst, um Predigt und Sacrament nichtskümmern, wenn es von ihnen spöttische oder gehässige Reden und Urtheile über die Geist-Pädag. Encyklopädie. IV. 2