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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Kirche.

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licher Massencrziehung? Was ist überhaupt die Pastorale Seelsorge, die Lei den Armensich nothwcndig auch mit der Leibsorge befaßt, anders, als Erziehung? Und die Kirchen-zucht oerräth ja schon durch ihren Namen ihren pädagogischen Charakter. Gleichwohlfordert das protestantische Bewußtsein zur Sicherung der persönlich freien Stellung auchdes Laien zu Gott, d. h. des allgemeinen PricstcrthumS, gegen klerikale Bevormundung,daß wissenschaftlich und praktisch erkannt werde: 1) die allgemeinere erziehende Thätig-keit der Kirche, wie sie namentlich durch die Predigt auSgeübt wird, sei nur mittelbarErziehung zu nennen (wie denn derjenige Prediger einen falschen Standpunct einnehmen^ würde, der seine Zuhörer principiell wie Unmündige behandelte, anstatt aus dem Be-" wußtsein der Gemeinschaft heraus zu reden); 2) die besondere, unmittelbare Einwir-kung, wie sie in der Seelsorge geschieht, sei, bei aller Verwandtschaft derselben mitder Erziehung, doch wesentlich vielmehr brüderliche Handreichung, die in Zeiten innereroder äußerer Noth dem Einzelnen von der Gemeinschaft durch den beauftragten Ver-treter derselben, den Geistlichen, zu theil werde, ohne jedoch schlechthin an diesen ge-bunden zu sein (s. die Pastoraltheol. des Unterzeichneten S. 184. 338); und 3) selbstdie unmittelbarste Pädagogie der Kirche, die in der Katechese besteht, schiebe nicht einekirchliche Macht zwischen das Kind und die ihm von Gott geordneten Erzieher, dieEltern, mitten ein.

V. Endlich liegt uns noch ob, diejenige Seite der kirchlichen Erziehung zu be-leuchten, wornach damit nicht bloß das Subject, sondern auch der Zweck der Erziehungbezeichnet wird. Kirchlich ist die Erziehung alsdann, wenn das Kind für die Kircheerzogen wird. Was ist das? und wie geschieht das? Im engsten Sinne verstanden wäredies die Erziehung des künftigen Geistlichen, eine Erziehung nicht zur bloßen Mitglied-schaft, sondern zum Kirchendienst als Amt und Lebensberuf. Es versteht sich, daß eben,weil sich der Kirchendienst zu einem festen Lebensberufe gestaltet hat, auch eine speeielleVorbereitung, wie sie jeder Beruf nach seiner Art fordert, nöthig ist; nur muß prote-stantischerseits strenge darauf gehalten werden, daß außer der speciellen technischenBildung das eigentlich erziehende Verfahren, das den Menschen in seinem Kerne faßt,mit dem künftigen Pastor wesentlich kein anderes ist als es mit jedem Christenkindesein soll; es ist jenem nicht nach katholischer Weise ein specifisch klerikaler Geist (einOrdensgeist) einzuflößen; der kirchliche Geist, den er gewinnen soll, muß derselbe sein,wie er jedem lebendigen Gliede der Kirche inwohnt. (S. darüber Näheres in der soeben angeführten Pastoraltheologie S. 84. 86 fs.) Wir bemerken in dieser Hinsichtbloß, daß es öfters die Frucht des kirchlichen Sinnes ist, den die Eltern hegen, daß sieden Sohn zum Dienste der Kirche bestimmen, und daß es Pflicht der Kirche selber ist,darauf acht zu haben, daß begabte Söhne christlicher Häuser diesen Beruf ergreifen.Sie muß darauf sehen, daß ihr ein guter Nachwuchs nicht fehlt. Kirchliche Er-ziehung, d. h. Erziehung zur Kirchlichkeit, ist aber, wie gesagt, von allen Erziehern, dieselber der Kirche angehören, für alle in derselben Kirche gebornen und getauften Zög-linge zu fordern. (Vergl. Völter, Beiträge zu einer christl. Pädagogik, 1846, S. 86.)Kirchlichkeit ist um sie vorerst nur zu definiren eine Tugend, ist eine eigenthüm-liche Bestimmtheit des christlichen Denkens und Fühlens wie des christlichen Wandels,darin bestehend, daß 1) der einzelne Christ nicht damit schon vollständig befriedigt ist,seines eigenen Heils gewiß zu sein, sondern daß in seinem Heilsbewußtsein zugleich derGemeinschaftstricb lebendig ist, so daß er z. B. das Bedürfnis hat, seinen Gottesdienstals einen gemeinsamen zu feiern; daß er 2) diesen Trieb nicht ans eigenmächtige undeigenwillige, d. h. separatistische Art befriedigt, indem er entweder selbst eine Secte umsich sammelt oder einer schon vorhandenen sich anschließt, sondern die Gemeinschaftchristlichen Lebens in derjenigen Kirche sucht, zu der er sich bekennt, in der er ebensoeine in der Geschichte wurzelnde Gestalt des Reiches Gottes erkennt, als er die vonihr schon von der Taufe an empfangenen Wohlthaten wie ein Kind die Liebe der Mutterim treuen, dankbaren Herzen trägt; daß er daher 3) von dieser Kirche durch die von