Kirche.
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«. Zum Begriff einer christlichen Schule (und christlich muß in christlichen Landenjede Schule sein, weil Lehrer und Schüler Christen sind) gehört es wesentlich, daß sienicht ein bloßes Aggregat von Lehrern, Lehrfächern und Lehrstunden für ein Aggregatvon Schülern, sondern ein organisch verbundenes, lebendiges Ganzes ist, dessen einzelneKräfte, Mittel und Zwecke allesammt einem gemeinsamen Hauptzwecke, dem der christ-lichen Bildung dienen, und ebenso ein gemeinsames Leben — was man Schullebennennt — führen, eine oivitas darstellen. Aus diesem inner« und äußern Organismusnun läßt sich das religiös-sittliche Moment, das den Kernpnnct aller Bildung, nämlichGesinnung und Charakter betrifft, nicht nur nicht ausscheiden, sondern es nimmt, wennauch in den gelehrten Anstalten nicht wie in der Volksschule als Lehrgegenstand unterden Lehrfächern, doch als Hauptfactor in der Erziehung, als das den Geist der Er-ziehung bestimmende Moment eine dominirende Stellung ein. Ist aber dem also, sofolgt, daß die Kirche, als Trägerin des religiösen Gesammtlebens in den Kreis ihrerInteressen, unter die Gegenstände ihrer Sorge und Thätigkeit auch jene Anstalten auf-nehmen, nrch daß, wenn auch im Laufe der Zeiten eine immer größere Theilungder Arbeit nothwendig wird, wenn also die Diener der Kirche nicht mehr alssolche schon im Stande sind, den Unterricht in allen Pensen selbst zu geben, Weil dieeinzelnen Wissenschaften immer größere Dimensionen annehmen, doch immer in Bezugauf die Ertheilung des religiösen Unterrichts und ans die in solch einem Institut ge-handhabte Erziehung ihnen Cognition und Einfluß zustehen muß. Wie wäre doch derBildungszweck verfehlt, wenn neben allem sonstigen Wissen die jungen Leute sittlich rohoder religiös verwahrlost oder gar positiv irreligiös aus den Händen der Lehrer insLeben zurückträten? Allein die Frage nach Recht und Pflicht der Kirche im engernSinne ist damit keineswegs erledigt. Man kann vollständig zugeben, daß die Kircheauch den Gymnasisten sittlich und religiös zu erziehen hat, und dennoch bestreiten, daßder Klerus sich am Unterricht und an der Leitung des Gymnasiums zu betheiligen habe.Ist denn die Kirche der Klerus und der Klerus die Kirche? Nein; der echte Prote-stantismus darf die eovlosia szmtlletioa nicht so von der rsxrasssntativa scheiden, alsob jene nicht auch sich selbst zu rcpräsentiren vermöchte. Haben wir obenanerkannt, daßwenn Vater und Mutter ihr Kind christlich erziehen, alsdann die Kirche in ihnen unddurch sie das eigentlich erziehende Subject ist, die kirchliche Erziehung also nicht daerst anfängt, wo der Pfarrer das Kind unter seine Hände bekommt: so ist klar, daß,auch wenn kein Geistlicher über die Schwelle eines Gymnasiums tritt oder im Natheder Studienbehörden Sitz und Stimme hat, wenn nur die Lehrer selbst, mögen siePhilologen oder Mathematiker oder was sonst sein, nach Gesinnung und CharakterChristen sind, die zur Kirchengemeinschaft sich halten, alsdann in Wahrheit die Kirchees ist, die auch im Gymnasium erzieht. Daß dies der normale Zustand wäre, istaußer Zweifel; Gymnasiallehrer von christlichem Charakter werden sogar leicht ein Mis-trauenszeichen darin sehen, wenn ihnen der Religionsunterricht abgenommen und einemGeistlichen übergeben wird. Aber es ist eben so gut möglich, daß gerade Männer solchenCharakters diese Einrichtung wünschen oder gntheißen. Denn auch wo die persönlicheGesinnung eine durchaus christliche und kirchliche ist, nimmt doch der wissenschaftlicheBeruf die innere und äußere Thätigkeit z. B. eines Lehrers der griechischen Spracheoder der Naturwissenschaften n. s. f. dermaßen in Anspruch, daß er der Religions-wissenschaft und ihrer Literatur nicht in der Ausdehnung sich widmen kann, wie derMann vom Fache. Dies aber, die wissenschaftliche Beschäftigung mit seinem Lehrgegen-stand, ist zu einer tüchtigen Behandlung desselben in höheren Anstalten (ja auch in denniederen und niedersten) ebenso nothwendig, wie jedes andere Lehrfach eine wissenschaft-liche Basis bei dem haben muß, der es betreibt. Wir sehen also: wenn wir es fürgeeignet erklären, daß die religiöse Seite des Unterrichts am Gymnasium einem Theo-logen übergeben werde, so ist die Meinung nicht die, als wäre nur durch diesen dieKirche repräsentirt, als wäre nur er der Träger ihrer Interessen; nicht sowohl als