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Kirche.
bis zu dem Extreme, wie die Independenten, daß jeder Haufe von Christen, die persön-lich zusanMientreten, von jedem andern Haufen unabhängig für sich ein Gemeindclebenführe; das wäre namentlich dem deutschen Protestantismus zu ungemüthlich; der Jn-depeudeutismus ist nur in den Heimatländern alles Egoismus, in England und Ame-rika möglich. Vielmehr ist es die Nation, die Landesgemeinde, die der echte Protestan-tismus zur Landeskirche machen will, die nicht nur durch reine Lehre und reinesSacrament, wie alle wahren Kirchen in der Welt verbunden, sondern noch bestimmterdurch einheitliche Organisation und einheitliches Regiment und durch Gleichheit dergottesdienstlichen Formen auch äußerlich als Gemeinschaft sich darstellen soll. Denn derGeist des neuen Bundes ist zwar an keine Nation gebunden, aber er zerstört die na-tionalen Bande ebensowenig als irgend ein anderes natürliches Band, sondern schließtsich an sie an und füllt diese Naturformcn mit geistigem Inhalt. Die natürliche Ein-heit einer Nation, deren umfassendste und entwickeltste Erscheinungsform der Staat ist,beruht ans der ursprünglichen Stammeseinheit, deren Gefühl sich auch unter denmannigfachsten politischen Verschmelzungen oder Trennungen im Kern des Volkes fort-erhält, und demgemäß auf der Gleichheit der Sprache, der Geschichte, des Charakters;unter den gemeinsamen Lebensinteressen nun steht oben an das religiöse. Das Christcn-thum schließt keine Nationalität von sich aus, es schließt sich vielmehr an jede Natio-nalität an, kleidet sich in nationales Gewand, ohne darum seine Universalität zu ver-lieren. Wer wollte längnen, daß z. B. der französische Protestant, eben weil er Franzoseist, ein vom deutschen Protestanten ganz verschiedenes Gepräge hat, so sehr, daß er oftWeit weniger vom französischen Katholiken unterschieden zu sein scheint, als vom deut-schen Glaubensgenossen? So ist die englische Frömmigkeit eine specifisch englische, unddarum in vielem von der deutschen verschieden, selbst wo das Dogma gleichlantet.Das Leben ist stärker als die geschriebenen Formeln. Deshalb ist es ganz der normaleGang und Stand der Sache, daß die Kirche als Landeskirche existirt; wie die übrigenInteressen, so soll auch das höchste ein der Nation gemeinsames sein, auch in ihrem re-ligiösen Leben will und soll sie — ähnlich wie im kleinen Kreise die Familie — als Nationsich wissen, als Nation vor Gott treten, d. h. das Volk will und soll sich zur Kirche con-stituircn. Liegt doch dieser Trieb, diese innere Nothwendigkcit selbst in der katholischenKirche z. B. dem Gallikanismns zu Grunde; und wenn heute das Missionswerk ineiner heidnischen Landschaft eine entsprechende Ausdehnung gewinnen würde, so würdesicherlich darauf hingearbeitet werden, das Land als solches zu christianisiren; dadurcherst, daß auch die weltliche Regierung die christlichen Ideen in ihre Rechtsbegriffe anf-nähme, und das ganze Volk als solches ein christliches wäre, wäre der Zweck derMission erfüllt. Daß durch die vielfachen Territorialwechsel der neuern Zeit das landcs-kirchlichc Princip überall durchbrochen ist, hebt die Nichtigkeit desselben nicht auf. Diesegeographische Einheit der Kirche, als organischer Form des religiösen Volkslebens, mitder Nation, zerstört auch nicht das Bewußtsein der Gemeinschaft mit fremden Landes-kirchen, so weit sie ans dem Boden derselben evangelischen Wahrheit stehen, ja mitallen wahrhaft christlichen Elementen, wo sie immer in der Welt sich finden mögen.Diese Gemeinschaft kann, wenn Bedürfnis vorhanden ist, sich äußerlich in Allianzen,Conferenzen, Kirchentagen oder wie sonst kund geben, oder sie kann sich ans geistigenVerkehr, auf literarischen Austausch beschränken; zu Einer Kirche aber verschmelzen mitalle dem die Landeskirchen niemals und sollen es auch nicht, bis der Tag kommt, daEin Hirte und Eine Heerde sein soll.*)
*) Sehr gut hat vr. Eduard Nägelsbach in der gegen altlutherisches Scparationsgelüstegerichteten Schrift: „lieber kirchliche Gemeinschaft und Austritt aus der Kirche" (Erlangen 18S4)S. 4S gesagt: „Ich stelle mich entschieden auf den landeskirchlichen Standpunct, weil derselbeallein der wahrhaft kirchliche ist. Er ist auch der wahrhaft deutsche und wahrhaft lutherische.Ich habe oft Franzosen sagen hören: „b,os ^lisinanäs sout kirchlich," weil sie in ihrer Sprache