464 Die Reichstagssession von 1884/85.
Institutionen zu konsolidieren durch Stärkung des Reichesund seiner Gewalt, daß man dann sich auch vor einerVerbesserung unsrer wirtschaftlichen Einrichtungen scheutund sich ihrer zu erwehren sucht, der eine aus sozialdemo-kratischen Gründen, der andre aus wölfischen; beide kom-men in dem Ziele zusammen: man muß die Regierungverhindern zu erstarken. Ich lasse mich durch die Formdes Vortrags, die ja in Ton und Ausdrucksweise bei demletzten Herrn Redner viel anmutender war als bei demvorhergehenden (Heiterkeit), nicht irre machen; die Tendenzist genau dieselbe und auch die Neigung, den DingenSeiten abzugemiuneu, die sie für Leute, welche ohne Vor-urteil, ohne Tendenz sie beurteilen, absolut nicht habenkönnen.
Der letzte Herr Redner bekämpft die Kornzölle, weilsie nicht geeignet sind, der Doppelbesteuerung abzuhelfen.Nun, diese Doppelbesteuerung gebe ich ja sehr gerne zu;aber gerade um ihr abzuhelsen, streben wir nach größerenEinnahmen. Wie sollen wir denn dazu kommen? DerStaat und das Reich können von dem, was sie brauchen,nichts missen. Um die Doppelbesteuerung zu beseitige»,— und wenn nicht zu beseitigen, so doch zu vermindern —,brauchen wir notwendig andre Einnahmequellen, und ichmöchte doch bitten, gegen die finanzielle Seite des Zollesdie Augen nicht zu verschließen. Der Herr Vorredner hateinige Schwierigkeit gehabt, über den Hueneschen Antragim preußischen Landtag hinwegzukommen, ohne anzuer-kennen, daß dieser gerade einen Teil der üblen Wirkungder Doppelbesteuerung abzustellen oder zu ermäßigen be-stimmt ist. Ich will auf dessen Diskussion hier nicht ein-gehen; aber der Herr Vorredner ist doch zu gebildetseinerseits, um das nicht anzuerkenuen und logisch zugeben