156
Die Reichstagssession von 1874.
während hier kein Mensch daran glaubt, weil jeder weiß,daß es nicht so ist. (Große Heiterkeit.)
Ich möchte die Herren vom Elsaß bitten, zur Mil-derung ihres Zornes doch auch einigermaßen zurückzudenkenau die Art, wie wir zur Annexion gekommen sind. Ichhabe schon gesagt, wir haben uns nicht geschmeichelt, daßes uns rasch gelingen würde. Sie glücklich zu machen, undmir haben auch darum nicht die Annexion betrieben; wirhaben ein Bollwerk gebaut gegen die Jrruptionen, dieseit zweihundert Jahren diese leidenschaftliche, kriegerischeVölkerschaft, deren alleiniger direkt ausgesetzter Nachbarin Europa zu sein Deutschland das Unglück und die Un-annehmlichkeit hat, unternimmt. Diesen Kriegen gegen-über haben wir die Spitze von Weißenburg, die tief inunser Fleisch hineinragt, abbrechen müssen, und geradein dieser elsässischen Spitze wohnt ein Teil der früherfranzösischen Bevölkerung, der an Kriegslust, an echtdeutschem Haß gegen den deutschen Nachbarstamm denGalliern in keiner Weise etwas nachgibt. Sind dieHerren, die hier sind, ganz unschuldig an dieser zwei-hundertjährigen Vergangenheit, an diesen Kriegen, dieendlich zur Ablösung des Elsaß von Frankreich wiedergeführt haben? Sie haben den Franzosen — und das isteine ehrenvolle Anerkennung — mit die besten Soldatendazu gestellt, jedenfalls die besten Unteroffiziere. DieMitwirkung der elsässischen Klingen in den französischenKriegen gegen Deutschland ist eine, die wir als Gegnerhoch haben schätzen lernen und, so Gott will, als Freunde,wenn wir mit unfern Kindern die ihrigen in Reih undGlied sehen, schätzen,lernen werden. Sie sind also inkeiner Weise an der Vergangenheit unschuldig. Wenn Siehätten protestieren wollen, so hätten Sie beim Ausbruch