Fürst Bismarck und Herr v. Gerlach. 121
Christ von „der Kirche" sprach, im Jahre 1849 diekatholische Kirche nach den heutigen vatika-nischen Bestimmungen nicht als den Fels be-trachtet haben, den ich dort als unter allen Stürmen fest-stehend bezeichnete. Jedenfalls wird mau annehmen müsse»,da ich meine evangelische Ueberzeugung immer fest, durch-sichtig und offen ausgesprochen habe, daß ich damalsnur an die evangelische Kirche habe denken können,keineswegs an die römisch-katholische, noch weniger andie — vatikanische, wie sie sich heute gestaltet hat.Also in dieser Beziehung paßt die Citation nicht ganzauf die gegenwärtige Lage. Außerdem habe ich michgar nicht darüber erklärt, und enthalte mich auch heuleaus Höflichkeit weiterer Aeußerung darüber, wer meinerAnsicht nach in dem „glückhaften Schiff", welches ich aller-dings „Narrenschiff" genannt habe, heutzutage sitzt undan dem Felsen der evangelischen Kirche scheitern kann.(Heiterkeit.)
Meine persönliche Stellung nach der heutigen Lageder Frage ist die, daß ich mich allerdings nicht bereit-willig, sondern ungern und nach großem Kampfe ent-schlossen habe, in Gemeinschaft mit meinen Kollegen beiSr. Majestät den Antrag auf Vollziehung dieser Vor-lage zu stellen, und mich entschlossen habe, mit ihnendafür einzustehen.
Ich habe hier nicht Dogmatikzu treiben, ich habePolitik zu treiben. Aus dem Gesichtspunkte der Po-litik habe ich mich überzeugt, daß der Staat in der Lage,in welche das — ich will den Ausdruck nicht verletzendgebrauchen, sondern wissenschaftlich — revolutionäreVerhalten der katholischen Bischöfe — ich will den Aus-druck gleich näher hier erläutern, um das Verletzende