Der deutsche Gesandte beim Papst und die Papstwahl. 73
Deutsche Reich bewohnt, klein nicht im Verhältnis zurZahl der evangelischen Mitbürger, sondern zu der Ge-samtmasse der Angehörigen der katholischen Kirche. Indieser Hoffnung möchte ich gerne einen Faden, der sichwieder anknüpfen läßt, nicht abschneiden, eine Fühlung,die augenblicklich praktisch erloschen ist, doch nicht voll-ständig zu den Toten werfen. Die verbündeten Negie-rungen, so fest sie auch entschlossen sind, die Unabhängig-keit des Reiches vor einer jeden ausländischen Gewaltzu wahren, so bereitwillig sind sie doch, dahin zu wirken,daß nicht nur die Mehrheit der katholischen Deutschenwie heutzutage, sondern womöglich sämtliche katholischeDeutsche mit ihren Negierungen und ihren evangelischenMitbürgern in Frieden leben mögen. Und ich möchtekeines der Mittel missen, die mir für die Zukunft eine An-knüpfung in dieser Beziehung bieten können, wenn auchnur eine sehr geringe, wie das der Existenz eines stän-digen Gesandten — es können ja da sehr viel bedeuten-dere und lebendigere Beziehungen gedacht werden, alsgerade ein ständiger Gesandter, es braucht das nichtgerade ein Kommissar zu sein. Kurz ich möchte diesesMittel nicht gerne abschneiden; denn in einem solchenKonflikt, wie er hier vorliegt, ist es sehr schwer, für beideTeile, den ersten Schritt zu thun zu einer Annäherung,weil beide Teile der Meinung sind, daß ihnen Unrechtgeschehen sei. Die Möglichkeit, einen solchen Schritt unterveränderten Verhältnissen zu thun, liegt näher, so langeeine Vertretung des Deutschen Reiches besteht, und so-bald sie Bürgschaften für diejenige Behandlung, für dieSicherheit derjenigen Achtung hat, auf welche das DeutscheReich in seinem diplomatischen Verkehr überall Anspruchmacht; ich kann mir ja sehr wohl denken, daß die Er-