30
Die Reichstagssession von 1873.
liche Lage der Sache so klar macht, wie sie den verbün-deten Negierungen ist. Diese Frage ist gesetzlich voll-ständig geregelt. Am 1. Januar, der uns bevorsteht,hat die Diktatur, insoweit der Reichstag nicht inzwischenetwas andres beschließt, ihr Ende, und es ist die Auf-gabe der verbündeten Regierungen, dem Reichstage in derZwischenzeit eine bereits in der Arbeit begriffene undaugenblicklich dem Gutachten des Oberpräsidenten unter-liegende Vorlage zu machen, nach welcher Sie dann selbstentscheiden werden, was an die Stelle der jetzigen Ein-richtung zu treten hat, und in welcher Weise der Reichs-tag seine Befugnisse demnächst, sei es als Elsässer Land-tag gleichzeitig, sei es als Reichstag, ausüben will. Ichselbst sehe diesem Wechsel insoweit mit Hoffnung entgegen,als ich mir davon, daß unsre Elsässer Landsleute hiermit uns tagen werden, und zwar von Anfang des nächstenJahres, wie ich hoffe, eine wesentliche Verbesserung inden gegenseitigen Beziehungen, eine wesentliche Klärungmanches Mißverständnisses über deutsche Verhältnisse ver-spreche und auch ein wesentliches Gegengewicht gegen dieEinwirkung derjenigen Elemente und Parteien, welchenicht wünschen, daß diese Verhältnisse zur vollständigenRuhe kommen. (Hört, Hört!)
Wenn denn auch die Rede des Herrn Vorrednersin ihrer ganzen Tendenz gewiß nicht darauf berechnetwar, den Landfrieden zu stören, gewiß nicht darauf be-rechnet, den Elsässern Mißtrauen gegen Deutschland ein-zuflößen — ich glaube, diese Absichten haben dem HerrnVorredner gänzlich fern gelegen (Heiterkeit) — so be-fürchte ich doch nichtsdestoweniger, daß Leute, die nichtdie Ehre haben, ihn persönlich zu kennen, darüber wenigerklar sein werden als ich (Heiterkeit), und daß das Ma-