Druckschrift 
Bd. 4 (1876) Brasilienholz - Chopersk
Entstehung
Seite
712
Einzelbild herunterladen
 

712

Chemnitz.

mer bei dem jetzigen Akhmyn. In CH., Mendesn. Koptos wurde der Gott Chemmis (Khem) ver-ehrt, er wurde als zeugender Naturgott von denGriechen mit Pan identtficirt n. mit Kopf u. Bei-nen des Bockes dargestellt. 2) Schwimmende Inseldes Sees Buto im Delta; hier Tempel des Horos.Nach ihr hieß der Phthenotes Nomos auchChemmrtcs.

Chemnitz, Hauptort des gleichnam. Gerichts-amtes im Regbez. Zwickau des Äönigr. Sachsen,drittgrößte Stadt des letzteren, am gleichnamigenFlusse ('Nebenfluß der Mulde), Knotenpunkt derSachs. Staatsbahnen, die nach 5 Richtungen aus-lanfen; Sitz einer Amtshanptmannschaft, zu derdie Stadt jedoch nicht gehört, des Gerichtsamtes n.Bezirksgerichtes, einer Snperintendcutnr, einer Han-dels- n. Gewerbekammer-, Gymnasium, Handels-schule, Realschule, eine höhere Bürgerschule, 3 Be-zirksschulcn, Baugewerk- u. höhere Gewerbeschule,Werkmeistcrschule, höhere Webschiüe, Fachschulenfür Weber n. Schneider, Sonntagsschule n. Fabrik-zcichnenschulen; Natnrwisscnlchastliche Gesellschaft!;5 Kirchen, mehrere Hospitäler, Waisenhaus, Schau-spielhaus, Casinogebände, Freimaurerloge: Har-monie; alterthümliches Rathhaus, schöner neuerBahnhof; eine Unsallversicherungsgesellschast (1874906 versicherte Anstalten mit 41,000 Arbeitern), eineReichsbauksiliale n. m. a. Banken^n. Filialen sol-cher, Leihhaus, Vorschußvercin, L-parkasse; Gas-anstalt. CH. zählt mit seinen Vorstädten nachneuester Nachricht 79,200 Ew. (1801 nur 10,835,noch 1858 erst 40,571 Ew.); es dankt diese Volks-Vermehrung u. seinen Aufschwung überhaupt demFabrikfleiße. CH. ist die erste Fabrikstadt u. (nachLeipzig) die zweite Handelsstadt Sachsens u. eineder ersten Deutschlands. Hauptbetriebe sind dieMaschinenbanerei, Baumwollenspinnerci, Strumpf-wirkerei, Buntweberei (nach Elberfeld die bedeut,in Deutschland). CH. hat 68 Maschinenfabriken(darunter die Sächsische, ehemal. Harnnannsche, mirgegen 3000 Arbeitern, u. die Chemnitzer Werkzeug-maschinenfabrik; sie liefern Locomotiven, Flachs-spinn-, 'Näh- u. Stickmaschinen, mechanische Webe-stühle u. a.; dabei auch bedeut. Kesselschmiedereien),20 Eisengießereien, 17 Metallwaarenfabriken, 67Strumpfmanufacturen, 85Manusactnrwaarenfabr.,30 Färbereien, 8 Zeugdruckereicn, 7 chem. Bleiche-reien, 6 chem. Fabriken, 3 Kammgarnspinnereienu. große Baumwollcnspinnereicn (in Stadt n. Um-gegend 78, mit 456,000 Spindeln, darunter dieActienspinnerei mit 65,000 Spindeln) n. viele andereFabriken. In der Umgebung von CH. das gleich».Schloß (ehem. Benedictinerkloster), mit dem DorfeSchloß-Ch., besuchter Park u. Vergnügnngsort mitzahlreichen Fabriken, 8000 Ew., u. das bed. Fa-brikdorf Alt-Ch., 1953 Ew. — CH. (ursprünglichKaminizi, dann Kameniz, Kemnizi) ist eine aufder Flur des slavischeu Dorfes CH. (jetzt Alt-Ch.)von dem i. I. 1127 von Kaiser Lothar u. seinerGemahlin Richenza gestifteten Benedictinerklosterangelegte deutsche'Colonie, die 1143 von Kon-rad III. das Marktrecht erhielt. CH. ward 1264zum ersten Mal Stadt (Civitas) genannt; 1290schließt es als Reichsdomänenstadt mit Zwickau n.Altenburg ein Schutz- u. Trutzbündniß. Späterwurde CH. vom Kaiser bald an Böhmen, bald Wieder-

au Meißen verpfändet, bis es 1311 in den danernden Pfandbesitz der Meißenschcn Markgrafenüberging. Die Luxemburger bis ans Siegmunobetrachteten es als Reichsdomänenstadt. SeineBlüthe im Mittelalter dankt CH. dem Bleichpn-vilcgium vom I. 1357, welches bestimmte, daßGarne u. Leinwand 10 Meilen im Umkreise mirin CH. gebleicht werden dürften. Der Verfall derStadt ist, nachdem sie schon früher von mehrerengroßen Bränden betroffen worden, durch den 36-jährigen Krieg herbeigeführt worden. Im 1.1686lagen von 937 Häusern der Stadt noch 339 inSchutt u. Asche. Seitdem war CH. eine unbedeu-tende Stadt. Die Kattundruckerei (1770 von demHamburger W. G. Schlüssel eingcführt) und dieGarnspinnerei (1799—1800 wurde von dem Eng.länder W. Whilcfield eine englische Spinnmühlefür Joh. Wähler erbaut) bezeichnen den Anfangder zweiten Blüthcperiode der Stadt, wennschondiese Industriezweige durch die Weberei, Strmnpf-wirkerei u. Maschinensabrikation verdrängt wordensind. CH. ist der Geburtsort des Geschichtschrei-bers Fabricins u. des Philologen Heyne. DerMineralog Agricola war Bürgermeister in CH.

Chemnitz, 1) (eigentlich Kemnitz, lat. Ollvw-nitius) Martin, bedeutender prot. Theolog, ged.9. Nov. 1522 in Trencnbrietzen; erlernte erst dasTuchmacherhandwerk, besuchte seit 1539 die Schulein Magdeburg, wurde 1542 Schullehrer in Kalbe,1543 stndirte er in Frankfurt a. d. Oder, 1511wurde er Rector in Brietzen bei Frankfurt, stndirte1545—47 in Wittenberg Mathematik n. Astrologieu. dann in Königsberg i. Pr., wurde 1548 hierReclor n. 1550 Bibliothekar des Herzogs Albrecht.Hier befaßte er sich bes. mit der Theologie. ImStreite über die Rechtfertignngslehre GegnerOsianders, mußte er diesem 1553 weichen,lehrte nun in Wittenberg Dogmatik und wurde1554 Prediger in Brannschwcig. Seine Schrift;ll'Irsolo^ias llvsuibarumpraoeipuLoapibasGreifsw.1562, deutsch von Zanger, Lpz. 1563) verwickelteihn in einen Streit mit den Katholiken, indem ersein Nxamou vousilii ll'ricksubiui (Greissw. 1565bis 1573, 4 Bde., Franks. 1707, Fol., Berlin1861, deutsch von G. Nigrinus, Franks. 1576)schrieb. Nach Melanchthons Tode bewies er sichstreng lutherisch, da er 1567 mit Mörlin dasCorpus ckootrinas krublasuioum als symbolischesBuch für Preußen n., nachdem er 1567 Super-intendent in Brannschweig geworden war, die1571 zu Wolfenbüttel angenommene Confessio»der Niedersächsischen Kirchen abfaßte, bes. aber inder 1579 von ihm entworfenen Concordienformel.Er legte 1585 sein Amt nieder n. st. 8. April1586 in Brannschwcig. CH. schr. noch: l-oei tlreo-loxioi, herausgcg. von Leyser, Franks. 159l, 6Bde., Wittcnb. 1615, 1623, 1690 n. ö. (darauskspstibiv Ollomuitiaua, ein Lehrbuch von B.Menzer ausgezogcn, Gießen 1608 u. ö.); äna-toms proposibiouum L.. HarckeudsrZi äs eensckomirri, Eisleben 1561, deutsch von Zanger, ebd.1561; Vera, sb saun, äootriua cks prassontiaeorporis sb sauAuluis Doiuiui iu esua. saera,1560; Rspstibio sauas sb vsras ckoetriuae sie.,1561, deutsch von Zanger, 1561, auch ins Franz,und Holländ. übers.; Die fürnehnisten Hauptstücke